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 ...and I can show you how to harm

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JaneDoe

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Alter : 23

BeitragThema: ...and I can show you how to harm   Do Apr 15, 2010 6:05 pm

Hallo ihr Lieben,


ich habe beschlossen meine neuste Fanfic hier zu veröffentlichen. Da ich die erste bin, die eine FF postet, bitte ich euch, gnädig mit mir zu sein. Es ist eine Batman Fanfiktion und spielt in der Zeit nach "The Dark Knight". Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, aber ich denke, es dürfte relativ schnell klar werden, aus wessen Sichtweise gerade erzählt wird. Zum Titel inspiriert wurde ich durch das Lied "Bottle and a gun" von Hollywood Undead.

So here we go:

Titel:...and I can show you how to harm

Autor: JaneDoe


FSK: 12/ 16


Genre:
Thriller/ Action


Pairing:
...lasst euch überraschen


Inhalt: Als Camilyn Moore aus der Kleinstadt Queenshill nach Gotham City zieht, beginnt für sie ein wahrlich neuer Lebensabschnitt. Eine neue Schule, ein neues Leben. Sie möchte vergessen, alles hinter sich lassen...doch sie kann nicht wissen, welche dunklen Geheimnisse Gotham wirklich verbirgt.

Anmerkung: Ich widme den Namen der Protagonistin einer guten Freundin.

Disclaimer:Die Charaktere gehören nicht mir sondern DC-Comics bzw. den beiden Batman- Schaffern Bob Kane und Bill Finger und "The Dark Knight" Regisseur Christopher Nolan. Diese FanFic wurde zum Spaß geschrieben und dient zu keinerlei kommerziellen Zwecken!


Viel Spaß, ein kleines Feedback würde mich freuen bussi



...and I can show you how to harm



Prolog

Am Anfang war es nur ein Spiel. Ich könnte jederzeit wieder aufhören. Niemand würde merken wenn ich aussteigen würde. Nicht mal ich selbst würde es merken. Es war wie ein Rausch, wie der Himmel, ich schwebte irgendwo fern der Wirklichkeit. Es war erholsam, es war inspirierend, aber es war vor allem eines: eine willkommene Flucht aus der unerträglichen Wirklichkeit. Und selbst wenn ich mir im Klaren darüber war, was ich mir da eigentlich antat, in diesen Momenten, in diesen wunderbaren Momenten interessierte es mich nicht. Mehr noch, es machte die Sache sogar noch anziehender. Wie es sich wirklich anfühlte konnte ich nicht beschreiben. Und als ich dann irgendwann merkte, dass ich es brauchte, dass ich sonst ersticken würde, verdursten und verhungern, da wusste ich: irgendwann wäre ich sicher erlöst, irgendwann würde ich einfach fortschweben.
Auf dem alten Sofa liegend, starrte ich an die Decke, in völliger Schwerelosigkeit, mein Körper taub, um mich herum ein Meer aus Farben, klare Formen und Linien konnte ich nicht ausmachen. Aus der Ferne hörte ich ein Geräusch. Meine Mutter? Dad’s Wagen? Die Vögel draußen? Alles verschwamm...ich sollte das nicht tun...


Wo mich niemand kennt...

Ich vergrub meine Fingernägel tief im ledernen Einband meiner Schulbücher. Meine Lippen begannen beinahe zu bluten, so fest biss ich darauf. Ich hatte mir eine Strähne aus dem Gesicht geschlagen doch nun befand ich, dass ich sie mir besser wieder über die Stirn kämmen sollte. „Sie werden sich hier sicher schnell einleben, Camilyn.“ Die Frau zu meiner Rechten schaute mich durch ihre eckigen Brillengläser aufmunternd an. Ihre blonden, dünnen Haare waren zu einem strengen Dutt zusammengebunden und ihr Pony mit einer dünnen Haarnadel befestigt. Der Jahreszeit entsprechend trug sie eine dünne rosa-farbene Bluse, welche mit einem dezenten, schwarzen Blümchenmuster bestickt war. „Sie werden sehen, Ihre Klasse wird sie freundlich aufnehmen.“ Ich nickte kurz. Den gesamten Weg von der Eingangshalle bis zu meinem neuen Klassenzimmer hatte die Konrektorin mir die „Gotham High“, der Schule, die ich von nun an besuchen sollte, in den höchsten Tönen geschildert. Sie hatte mir Pausenhof und Kantine gezeigt und mich meiner Klassenlehrerin vorgestellt, welche mich im Fach Englisch und Geschichte unterrichten sollte. Ich hatte einen guten ersten Eindruck von ihr gewonnen auch wenn unser erstes Gespräch nicht gerade erquickend gewesen war.
Es waren eben nicht viele 17-jährige die die Gotham High besuchten. Die meisten Menschen gingen in diesem Alter bereits auf das College. Auch als sie mich auf meine Vergangenheit ansprach war ich an einigen Stellen doch etwas unsanft berührt.
Es war eben nicht gerade schön über seine katastrophalen Abstürze, die zahllosen Krankenhausbesuche und einige weitere unnennbare Dinge zu plaudern, schon gar nicht beim ersten Kennenlernen. Jedoch konnte ich die Zeit nicht zurückdrehen. Was geschehen war, war geschehen. Jetzt, zwei Jahre später, war ich clean, hatte meine Sozialstunden abgearbeitet und wollte zusammen mit meiner Mom ein besseres Leben beginnen.
Wir waren aus Queenshill, einem kleinen 1000-Seelen Dorf an der Ostküste, nach Gotham City gezogen. Eine Metropole, so der Plan meiner Mutter, sollte unser Leben komplett verändern. Ich sollte endlich meinen Abschluss nachmachen und studieren- am besten Medizin. Mein Dad hatte uns verlassen. Hätte es einfach nicht mehr ausgehalten mit mir, hatte er gesagt. Zuerst gab Mom mir die Schuld für sein Verschwinden. In gewisser Weise hatte sie ja auch Recht. Ich hatte unsere Familie tatsächlich zerstört. Ich war unzählige Male betrunken nach Hause gekommen, hätte bei einer Grillparty mit meinen Kumpels beinahe unser Haus angesteckt und mich mehr als nur einmal mit den Nachbarn angelegt. Sogar verklagt hatten sie mich weil ich eines Nachts, sturzbesoffen in ihren Gartenteich gepinkelt hatte. Ich dachte nicht gerne an all diese Dinge, denn ich schämte mich und es tat mir Leid meinen Eltern das Leben zur Hölle gemacht zu haben.
Ich wurde unsanft in die Realität zurückgeholt als ich gegen etwas Hartes prallte. „Camilyn?“ Ich sah die blonde Frau neben mir grinsen. Ich war gegen die hellgrün gestrichene Tür gestoßen. „Ich überlasse Sie jetzt Mrs. Johnson, in Ordnung?“ Ich nickte wieder. „Viel Glück!“ Sie lächelte erneut, legte für einen Augenblick eine Hand auf meine Schulter und drehte sich um. Ich atmete noch einmal tief ein und klopfte dann zaghaft an die Tür.
„Herein!“, hörte ich von drinnen. Ich öffnete die Tür eine Spalt breit.
„Hallo“, meine Stimme klang erstickt- ich hatte sie zu lange nicht mehr gebraucht.
„Hallo Camilyn! Du kennst mich bereits, ich bin Mrs. Johnson. Leute? Das Ist Camilyn Moore.“ Von allen Seiten kam mir ein freundliches Nicken entgegen, was scheinbar so viel wie „Hi“ bedeuten sollte.
„Suchen Sie sich doch einen freien Platz und dann würde ich gerne sofort mit dem Unterricht beginnen. Sie können sich ja ansehen wie es hier abläuft. Ich hoffe Ihre Stundenpläne haben Sie alle bekommen?“ Die Klasse nickte.
Die brünette Frau lehnte sich leicht über das Pult. Sie trug derart sportliche Kleidung, dass ich sie mir wirklich gut mit einer Trillerpfeife um den Hals hätte vorstellen können.
„Also gut. Dann haben Sie jetzt Ihre erste Stunde Geschichte für dieses Schuljahr. Ich hoffe Sie alle hatten einen schönen Sommer?“
„Ja“- kam es Einstimmig zurück. Ich wusste nicht Recht was ich sagen sollte. Einerseits war es der schönste Sommer meines Lebens gewesen. Ich konnte Queenshill endlich hinter mir lassen, die anklagenden Blicke und bösen Zungen vergessen. Andererseits war ich dort aufgewachsen und ich vermisste unser luftiges Haus sehr. Gotham besaß zwar auch einen Strand, doch dieser war ganz und gar nicht wie der, den ich von zu Hause kannte. Ich hatte mich stundenlang allein dort herumgetrieben, hatte gegrübelt und mich frei gefühlt. Ich vermisste diese Einsamkeit.
Während Mrs. Johnson auf einzelne Schüler einging und sich mit ihnen an ihren Tischen unterhielt suchte ich mir einen freien Platz in der letzten Reihe. Hier konnten mich wenigstens nicht direkt alle begaffen ohne von den Lehrern zurechtgewiesen zu werden, sich nicht ständig umzudrehen. Ich platzierte meine Umhängtasche auf der linken Seite meines Pultes, legte meine Bücher auf den Schoß und packte einen Collegeblock aus. Vielleicht gab es ja etwas Wichtiges mitzuschreiben. Während ich den Gesprächen nur beiläufig Aufmerksamkeit schenkte fragte ich mich ob es an der Gotham High üblich war, die neuen Schüler nicht über sich selbst erzählen zu lassen.
In Queenshigh waren die „Neuen“ regelrecht ausgequetscht worden. Vielleicht, dachte ich mir im Geheimen, war meine Vergangenheit aber auch derart abstoßen, dass Mrs. Johnson der Klasse eine Erörterung ersparen wollte. Ich schaute mich gedankenversunken um. Mein Blick fiel sofort auf ein etwas korpulenteres Mädchen welche die Haare zu einem langen, blonden Pferdeschwanz zusammengebunden hatte und mit einem widerlich pinken Kugelschreiber Herzchen auf ein leeres Blatt kritzelte. Sie konnte nicht älter sein als 15. Genauso wie meine anderen Klassenkameraden. Ein Junge mit einer großen Brille, welcher angeregt mit Mrs. Johnson plauderte, gestikulierte wild. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er heimlich noch mit einem lebensgroßen Pikatschu-Plüschtier kuschelte. Na toll...
Ich schaute aus dem Fenster. Außer einigen gepflegten Häuserblocks konnte man nichts erkennen. Natürlich hörte man auch die Autos draußen lautstark hupen. Unser Klassenzimmer befand sich im 3. Stock. Die High, welche ich von nun an besuchte, befand sich in Downtown, einem der schönsten Viertel der Stadt. Sicher würde es kein Problem sein dem Navy Pier nach dem Unterricht einen kleinen Besuch abzustatten. Meine Mom würde es sicher nicht kümmern. Sie kellnerte in einem 3 Sterne Hotel und war bis halb eins in der Nacht unterwegs. Natürlich hatte sie Angst um mich. Angst, dass ich einen Rückfall erleiden könnte, mich den ganzen Tag draußen rumtreiben würde, high in irgendeiner Straßenecke läge oder mich in den falschen Kreisen aufhielte. Die Großstadt machte ihre Sorgen natürlich noch berechtigter als dass sie es in unserer Kleinstadt gewesen wären... hier musste ich immerhin nicht mal den Bus zum nächsten Dealer nehmen und so etwas wie Nächte gab es hier schon gar nicht- die Stadt schlief niemals.
Ich erwachte aus meiner Gedankenwelt als mich jemand von hinten antippte. Hatte ich mich nicht extra in die letzte Reihe gesetzt? Es war meine Klassenlehrerin, welche durch den Raum gegangen war.
„Würden Sie das bitte mitschreiben, Camilyn?“
„Ich...ja, natürlich!“ Ich kramte in meinem mit Kugelschreiber bekritzelten Mäppchen nach einem Tintenroller und begann einige Dinge von der Tafel abzuschreiben.

Navy Pier

An diesem ersten Schultag nach den Sommerferien endete der Unterricht früher als gewöhnlich, was mir die Möglichkeit gab, mich einmal ohne die Begleitung meiner Mutter in Downtown umzusehen. Ich fuhr also gar nicht erst nach Hause um meine Sachen abzustellen sondern machte mich samt meiner Schultasche auf den Weg. Mir gefiel das Viertel, in welchem wir nun unser Dasein fristeten nicht besonders, Downtown jedoch, so befand ich, würde eine kleine Expedition wert sein.
Es war ein wirklich herrlicher Sommertag. Die Sonne schien angenehm warm auf meine Schultern, sodass ich mir meine dünne Sweatshirtjacke nach einiger Zeit einfach locker umband. Ich machte mich auf den Weg zum Navy Pier. Hier war ich schoneimal mit meiner Mutter gewesen, an meinem ersten Tag in Gotham. Meine Mum hatte mir die Sache anscheinend schmackhaft machen wollen, indem sie mir die Seeseite der Stadt zeigte, sie wusste schließlich, wie gerne ich surfen ging und wie sehr ich das Meer doch liebte.
Ich war ihr dankbar. Ich war ihr so unglaublich dankbar für Gotham. Wenn ich es mir Recht überlegte, hätte ich es in Queenshill niemals zu etwas gebracht. Ich war stadtbekannt gewesen, niemand hätte mir eine Lehrstelle gegeben oder mir gar einen höheren Schulabschluss ermöglicht. Nun war ich hier, in einer Metropole, eine unter Tausenden, niemand kannte mich. Ich konnte über das Pier schlendern, konnte mir einen Joint anstecken, konnte mich sogar sinnlos betrinken- ich würde nur eine von vielen sein. Dafür liebte ich die Großstadt. Nicht dass ich es vorhätte noch einmal mit solch einem Leben anzufangen. Eine frische Brise streifte durch mein Haar und ließ es in alle Richtungen flattern. Die Seeluft schmeckte so gut. Sie war so...befreiend...inspirierend. Ich lehnte mich über eines der Stahlgeländer. In der Ferne hörte ich Kinder spielen, Hunde bellen. Die Sonne wärmte meinen Nacken. Ich blickte in die Ferne.
Über den Jachthafen hinweg hinaus aufs freie Meer. Ich vergaß alles um mich herum. Möwen kreisten weit in der Ferne.
Als ich die Augen schloss war ich wieder da...zu Hause.
Ich war ein kleines Mädchen, in meinem rot-gepunkteten Sommerkleid lief ich den Strand entlang, sammelte Muscheln und jagte Seemöwen. Mein Vater stand am anderen Ende des Strandes, breitete die Arme aus, mich aufzufangen. Ich lief ihm jauchzend entgegen, er hob mich hoch, ließ mich durch die Lüfte schweben. Ich lachte...ich lachte immer lauter. Und dann kamen Mama und Micha...Micha mein guter Hund. Bellend rannte er auf mich zu. Papa setzte mich behutsam auf den weichen Sand, Micha leckte über mein Gesicht. Mum regte das furchtbar auf. Dad lachte nur und nahm sie in den Arm. Ich vergrub meine Finger in Michas weichem Fell.
Als ich die Augen wieder aufschlug waren sie erfüllt von Tränen. Ich konnte mich nicht entscheiden ob die Seeluft daran schuld war oder nicht. Daddy war fort. Micha lange gestorben. Ich beobachtete eine kleine Familie, welche im nahegelegenen Park picknickte. Ein kleiner Hund kläffte und versuchte eines der Würstchen zu schnappen, welche in einem großen Glas auf einem abgesägten Baumstumpf standen. Ich lächelte. Ich wünschte mir so sehr, ich hätte all dies nicht getan. Dann wären wir noch eine Familie. Dad wäre nicht gegangen. Doch es war geschehen. Ich konnte die Zeit nicht zurückdrehen. Meine Tasche wurde mir schwer, meine Schulter schmerzte, also stellte ich sie ab. Eines meiner Collegeblock-Blätter flatterte hinaus und wehte Richtung Jachthafen. Ich sah ihm nach. Es hatte ja sowieso nichts Sinnvolles darauf gestanden. Was würde mich hier wohl erwarten? Die eindrucksvolle Betonkulisse senkte sich wie Blei auf meine Brust und drohte mich zu ersticken. Hätte ich doch alles anders gemacht. Ich wünschte mir so sehr wieder ein Kind zu sein, von vorne zu beginnen. Natürlich hätte ich alles anders gemacht. Das sagten die Leute ja immer, aber bei mir war es nicht nur rhetorisch, sondern ich würde es wirklich tun und ich hatte auch allen Grund dazu.
Ich beschloss ein Stück weiter zu spazieren. Eigentlich wollte ich gar nicht nach Hause, es war doch so schönes Wetter und... Verdammt! Nach Hause! Da fiel es mir ein! Mum hatte gesagt, sie würde heute früher Schluss machen um den Nachmittag mit mir zu verbringen! Eilig packte ich meine Umhängetasche zusammen und hechtete immer am Pier entlang Richtung Innenstadt.
Während ich mich auf den Weg zur Subway Station war, passierte ich einige Straßen, überquerte Ampeln um schließlich einige Meter tief in der Erde zu verschwinden. Am Morgen hatte meine Mutter mich zur Schule gebracht, jedoch war ich die Strecke bereits gefahren und so wusste ich wenigstens ungefähr welche Bahn ich nehmen musste. Die U-Bahn Station war mit schmutzigen weißen Fließen gekachelt und berufsverkehrbedingt total überfüllt. Businessdamen- und herren quetschten sich und ihre Aktentaschen in die völlig überfüllten Züge, schäbig gekleidete Männer bettelten um etwas Kleingeld, andere waren in Zeitungen versunken.
Ich ließ mich auf einem der abgenutzten und zerkratzten Stühle nieder. Die Ansagen und Anzeigetafeln beachtend wartete ich auf meine Bahn. Meine Augen flogen über die ständig wechselnden Anzeigen. An einem Wort blieb mein Blick hängen: Wayne-Building Ich fragte mich was das wohl für ein Gebäude war. Eines war jedenfalls sicher; es musste sehr bedeutend sein, denn beinahe jeder Zug hielt an dieser Station. Ein Asiate zu meiner Rechten faltete seine Gotham Times zusammen und machte sich auf den Weg zu seiner Bahn während sich auf seinem Platz ein Cop niederließ. Er unterhielt sich per Handy mit einem Kollegen.
„Ja, das ist mir bekannt“...
“ich werde mich morgen darum kümmern“.
..“dazu haben im Moment keine Zeit, Morgan. Kümmere dich lieber um die Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in Arkham.“ Arkham schien offensichtlich sowas wie ein Zauberwort zu sein, denn trotz des beachtlichen Lautstärkepegels um uns herum schauten einige Menschen besorgt von ihren Zeitungen auf. Dies alarmierte den Cop. Er flüsterte noch einige Wörter in den Hörer und legte dann auf. Nachdenklich machte ich mich auf den Weg zum Bahnsteig, denn meine Subway fuhr gerade ein.

Die große Enttäuschung

Ich hämmerte wie wild auf den Aufzugknopf. Konnte dieses verdammte Ding nicht endlich kommen? Würde ich zu Fuß in den 6ten Stock laufen müssen wäre ich sicher ewig unterwegs. Dann, endlich, ich stand vor unsere Wohnungstür. Den Schlüssel in meiner großen Tasche zu finden stellte sich nicht gerade als einfach heraus, doch dann, drei Minuten später, betrat ich unsere noch spärlich möblierte Wohnung. „Mum? Ich bin wieder da!“ Ich tat ein paar Schritte in Richtung Wohnzimmer. „Mum?“ Der Fernseher war eingeschaltet. „Mum?“ Ich erschrak beinahe zu Tode als sich neben mir die Tür zur Küche öffnete und meine Mutter mit einer rosaroten Schürze um die Hüften vor mir stand.
„Wo bist du so lange gewesen?“
„Ich...“
„Du kannst dir gar nicht vorstellen was für Sorgen ich mir gemacht habe, eine neue Stadt, unbekannte Straßen, dazu noch eine Metropole, was dir hätte passieren können, Cammy, Kind.“ Die Wut wich aus ihrem Gesicht und sie umarmte mich
„Ich bin so froh, dass du wieder da bist.“
„Mir wäre nichts zugestoßen. Ich war nur am Pier und habe die Zeit vergessen, das ist alles.“
Ich lächelte verlegen. Ich hatte ihr keine Sorgen bereiten wollen.
„Ist ja schon in Ordnung, aber erzähl mal, was hast du gemacht? Ich möchte alles wissen, was du heute so getrieben hast!“ Sie wendete sich wieder ihren Töpfen zu und ich setzte mich.
„Naja viel ist nicht passiert, Mum!“ Ich lächelte. „Meine Klasse kann ich noch nicht ganz einschätzen, meine Lehrerin ist einigermaßen nett und der Unterricht erträglich. Die Schule hat‘ ne tolle Lage, mitten in Downtown, aber das weißt du ja.“
Ich schüttete mir Cola ein. Sie drehte sich um.
„Und was hast du am Navy-Pier gemacht?“ Ich rutschte auf dem Umzugskarton, auf welchem ich mich niedergelassen und welcher uns provisorisch als Sitzgelegenheit diente, herum.
„Nichts, ich dachte mir nur ich nutze das gute Wetter aus und besuche das Meer, du weißt ja, dass ich darauf stehe.“
Sie lächelte.
„Ja, das tu ich, aber sag mir bitte das nächste Mal Bescheid wenn du länger bleibst!“
„Das hätte ich getan Ma‘ aber ich hab die Zeit völlig vergessen.“ Sie wendete sich wieder dem Essen zu.
„Was gibt’s?“
„Spagetti Bolognese."
„Kann ich schnell noch an den PC?“
„Wenn du magst!“
„Klasse!“, ich erhob mich, „wenn du mich entschuldigst ich bin in meinem Zimmer.“ Ich eilte in den Nebenraum. Er war zur Straße hin ausgerichtet, sodass ich einen wunderbaren Ausblick auf die Hochhäuser in der Ferne hatte. Ständiger Begleiter- lautes Hupen und Abgasgestank. Das Fenster stand einen Spalt breit offen. Mein Zimmer war genauso spärlich eingerichtet wie der Rest unsere Wohnung- schließlich waren wir ja auch erst letzten Dienstag angekommen. Überall standen Umzugskartons herum, einzig mein schmiedeeisernes, schwarzes Bett erstrahlte im Aufgebauten Zustand und bildete den Mittelpunkt des Raumes. Und natürlich mein Schreibtisch am Fenster. Darauf befand sich mein PC.
Ich zog mir einen der Umzugskartons heran, nahm darauf Platz und schaltete den Computer an. Tagtäglich überprüfte ich meinen E-Mail Account, möglicherweise hatte ich Post von zu Hause. Vom Flur her wehte mir ein wunderbarer Geruch von frisch angebratenem Fleisch entgegen. Erst jetzt merkte ich wie hungrig ich war. Ich hatte seit dem Frühstück um halb sieben am Morgen nichts mehr gegessen. Ich nahm niemals ein Pausenbrot mit. Ich aß es ja doch nicht. Früher hatte ich mir nach der Schule immer etwas beim Bäcker geholt oder war direkt in der Stadt geblieben. Gerade als ich den Internet Explorer geöffnet hatte rief meine Mom:
„Cammy, kommst du bitte Essen?“ Genervt seufzte ich auf. Ich tippte mein Passwort ein, bestätigte es, stand dann auf und begab mich ins Wohnzimmer, da wir dort einen größeren Tisch besaßen als in der Küche.
„Was hast du getrieben?“
„Ich wollte meine E-Mails checken“, erklärte ich.
„Hast du Post aus Queenshill? “
„Ich kam noch nicht dazu nachzusehen. “Ich schnitt eine Grimmasse. Meine Mom verzog das Gesicht, tat mir einen großen Berg Nudeln auf und scheppte dann etwas Soße darüber.
„Und wie war dein erster Arbeitstag?“
„Ganz okay. Ich habe einige nette Kollegen kennen gelernt, du musst wissen, hier geht es ganz anders zu als zu Hause.“
„Hab ich mir beinahe gedacht“, murmelte ich mit vollem Mund.
„Und denkst du, du bekommst mal so etwas wie prominente Gäste? Angelina Jolie? Oder J.Lo?“ Meine Mutter ließ ein kehliges Lachen hören.
„Sollte einer der beiden Auftauchen werde ich dir natürlich sofort Bescheid geben!“
„Wäre nett!“
„Aber ich denke kaum, dass sie sich in unserem doch eher bescheidenen Etablissement aufhalten würden.“ Da musste ich ihr allerdings Recht geben. Ich schaute aus dem Fenster. Auch vom Wohnzimmer aus konnte man die Gothams Skyline sehen. Natürlich lag sie Weit in der Ferne, denn wir wohnten, wie bereits erwähnt, nicht gerade in der vornehmsten Gegend.
„Mom?“, begann ich, „hast du schon mal was vom Wayne Building gehört?“
„Natürlich“, sie nickte. „es liegt nicht weit entfernt von unserem Hotels. Wayne Enterprises ist ein Familienunternehmen unter der Leitung deren jüngsten Sohnes Bruce. Er ist einer der angesehensten, wohlhabendsten und einflussreichsten Männer der Welt.“
„Aha!“
„Wieso fragst du?“
„Naja als ich heute mit der Subway nach Hause gekommen bin und am Bahnhof gewartet habe, hielt beinahe jede kommende Bahn an diesem Haltepunkt. Also habe ich mich gefragt was dieses Gebäude wohl beherbergen würde.“
„Naja, jetzt weißt du es!“, sie schenkte mir noch etwas Cola Light ein.
„Sonst noch irgendwas?“, ich wusste, dass ich etwas unhöflich klang.
„Nein, wieso? Wo willst du schon wieder hin?“
„Ich habe Katy versprochen um 15:00 Uhr mit ihr zu chatten.“
„Na dann, geh, wir haben schon zehn nach drei.“ Ich erhob mich und verschwand wieder in meinem Zimmer. Ich betrat den Chatroom und kontrollierte gleichzeitig meine E-Mails. Keine ungelesenen Nachrichten. Das ging nun schon seit meiner Abreise so. Ob meine Freunde mich vergessen hatten? Wenigstens meine beste Freundin Katy würde doch an mich denken, oder? Ich klickte ihren Account an- sie war nicht online. Ob sie wohl geglaubt hatte ich hätte sie vergessen und den Computer wieder ausgeschaltet hatte? Merkwürdig...ich verharrte einige Minuten und verbrachte sie damit, auf Katys Account zu starren. Über ihr Profilbild musste ich schmunzeln: Es zeigte uns beide am Strand. Wir lachten und umarmten uns. Darunter prangten die Worte Together Forever...
„Und was schreibt Katy?“
Meine Mom war unbemerkt ins Zimmer gekommen.
„Sie...sie ist nicht da. Sie hat es wohl vergessen.“
„Und dein Posteingang?“
„Leer.“ Es erschreckte mich selbst, wie enttäuscht ich klang.
„Cammy!“, meine Mutter strich mir über’s Haar. Ich griff nach ihrer Hand und schob sie grob weg.
„Lass das! Ich bin kein Baby mehr...“ Ich war aufgestanden.
„Hör mal Cammy, das mit Katy...“
„Ich bin weg.“ Ich schnappte mir eine Tasche, welche über meinem Bettpfosten hing und ging zügig Richtung Tür.
„Camilyn, wo willst du hin? Ich habe mir freigenommen, weißt du noch? Wir wollten uns einen schönen Nachmittag machen!“, sie klang verletzt und das tat mir weh, doch ich brachte es nicht über’s Herz nachzugeben.
„Tut mir Leid, Mom, ich brauch ein wenig frische Luft“, murmelte ich stattdessen. „Cammy...“
„Ich bin bald wieder da, keine Angst!“, je tiefer sie bohrte desto wütender wurde ich. Ich band mir meine Jacke um die Hüften und schlug die Tür hinter mir zu.

Harley Quinn

Lustlos saß ich auf meinem unberührten Bett und starrte ins Leere. Nicht eine Nacht hatte ich darin verbracht, obgleich ich doch nun schon seit fünf Nächten ihr Gast war. Doch gastfreundlich waren sie nicht. Nein, nein, nein...das waren sie nicht. Dreimal am Tag öffnete sich die kleine Luke in der Stahltür, von welcher sich bereits der Putz ablöste und man schob das hindurch, was sie hier als Essen bezeichneten. Ich hätte es nicht einmal angerührt wenn ich mir sicher gewesen wäre, dass sie mich nicht vergiften wollten, doch ich wollte mich nun wirklich nicht übergeben müssen, also ließ ich es. Ich langweilte mich furchtbar. Es war zum verrückt werden. Hahaha, welch ein lustiges Wortspiel. Die Irren wurden verrückt. Irre. Wir abfällig sie dieses Wort verwendeten. Am liebsten würden sie uns alle in unseren Zellen verhungern lassen und das wussten sie nur zu gut. Sie waren nur zu töricht es zu tun. Wer konnte also seine Gedanken nicht mehr kontrollieren? Ihnen fehlte es an etwas. Und genau das war es, was mich so langweilte.
Die ersten zwei Tage war es noch amüsant gewesen sie in den Wahnsinn zu treiben. Wieder eines dieser Wortspiele... Apathisch an die weißen Wände zu starren, kein Wort zu verlieren, sich ab und an einmal mit der Zunge über die Lippen zu fahren. Sie fürchteten sich, oh ja, das taten sie. Und dabei war alles so perfekt gewesen. Ich verschwendete meine Zeit. Dem Abfall, welches sich mein Gefolge nannte, konnte ich nichts, aber auch nichts anvertrauen. Drecksarbeit natürlich ausgenommen. Doch den großen Spaß mussten sie dann immer noch mir überlassen. Ich war beschäftigt gewesen in jener Nacht. Zugegeben eine der spaßigsten Nächte der letzten Wochen. Ich hatte viel gelacht. Selbst als ich im Morgengrauen dann an genau dieser Stelle gesessen hatte, hatte ich nicht aufhören können zu lachen. Ich hörte schließlich niemals auf...immer trug ich ein Lächeln im Gesicht.
„Mr. ähm... Joker?“, ich hörte eine leise Stimme durch die schwere Tür dringen. Sie versuchte die Angst zu unterdrücken.
„Bist du es Harley?“ Keine Antwort. Harleen Quinzel, eine engstirnige, unsichere, aber ehrgeizige Psychologin ohne sonderlich weiten geistigen Horizont. Doch sie hatte etwas...ein nettes Spielzeug. Die Tür öffnete sich langsam. Vor mir stand die junge Dr. Quinzel mit zwei, schwer bewaffneten Gestalten. Normalerweise wurde man in einen Verhörraum geführt. Doch mir wurde diese Ehre leider nicht zu Teil. Ich verließ meine Zelle niemals.
„Wie oft muss ich es Ihnen noch sagen? Mein Name ist Quinzel, Dr. Harleen Quinzel!“
„Ist ja schon gut, mein kleiner Harlekin.“ Ich gluckste. Sie lief rot an. Sie konnte sich scheinbar selbst nicht entscheiden ob vor Wut oder vor Scham ihrer Unfähigkeit mir die Stirn zu bieten.
„Also gut, Mr. Joker.“ Sie zog einen kahlen Holzstuhl zu sich heran, das Sicherheitspersonal schloss die Tür und stellte sich zur Rechten und Linken Seite des Raumes auf.
„Sie wissen, dass wir nur vorankommen, wenn Sie mit uns kooperieren.“ Ich grinste sie an. Kooperieren damit was geschah? Ich vielleicht noch mehr von diesem liebevoll kredenzten Essen bekam? Wurde ich dann vielleicht mal in den ansehnlichen Hof geführt?
„Wenn Sie nicht mit uns reden, können wir Sie nicht einschätzen und Ihnen helfen. Dann müssen Sie für immer im Hochsicherheitstrakt bleiben.“
„Als hättest du jemals irgendetwas anderes mit mir vorgehabt, kleine Harley.“ Wieder gluckste ich.
„Ihr wisst ganz genau, wie sehr mir diese Stadt am Herzen liegt, ich werde niemals aufhören mich um sie zu sorgen.“ Harleen sah mich durchdringend an. Wollte sie jetzt versuchen meine Gedanken zu lesen? Oder suchte sie nach einem Dolmetscher um meine Worte zu verstehen?
„Wie meinen Sie das?“
„Naja, ich denke Gotham wäre ein recht langweiliges Pflaster ohne das bisschen Spaß um das ich mich bemühe. Ich werde die Bürger sterben gerade vor Langeweile, während ich hier in dieser, entschuldige meine Unverblümtheit, bescheidenen Einrichtung friste.“
„Ich werde mich auf dieser Ebene nicht mit Ihnen unterhalten, Mr. Joker.“
„Entschuldigen Sie abermals meine Worte Harley, aber kann es sein, dass Sie etwas schwer von Begriff sind?“
„Wie bitte?“
„Gehe ich vielleicht sogar Recht in der Annahme, dass Sie sich zum Doktor hochgeschlafen haben?“ Ihre Wangen begannen zu glühen.
„Was erlauben Sie sich?!“
„Also ist es so, mein kleiner Harlekin?“ Ich lachte herzhaft. „Ich erinnere die Bürger dieser Stadt nur zu gerne, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden wenn sie mich hier einsitzen lassen. Ich reinige die Straßen Gothams, ich sorge dafür, dass das Ungeziefer nicht aus jeder Ecke zu kriechen beginnt. Ich verlange keinen Dank, Harley“, ich fuhr mir mit der Zunge über die Lippen und befeuchtete sie leicht, „nur das Einsetzen des gesunden Menschenverstandes!“ Ich hörte das Klicken einer Waffe zu meiner Rechten.
Quinzel kritzelte etwas auf ihren Block. Auf dem Kopf las ich die Worte Klar strukturierte Tatmotive.
„Motive, was? Du beleidigst mich Harley.“
„Zum letzten Mal, ich heiße...“
„Das klingt ja beinahe so, als würde ich das alles nur zu meinem Profit tun. Du stellst mich als Egoisten hin, Harley, ja das tust du!“ Sie starrte mich weiterhin an. Dieses ausdruckslose Gesicht. Wir würden bei nächster Gelegenheit daran arbeiten müssen.
„Weißt du Harley, ich habe mir nur ein einziges Ziel gesetzt, Liebes. Nur ein-einziges-Ziel! Ein bisschen mehr Spaß in diese humorlose Welt zu bringen.“ Ich lachte herzhaft. „Glaubst du denn wirklich“, ich beugte mich zu ihr rüber, sie versuchte meinem Blick auszuweichen, „dass ihr das Chaos aus dieser Stadt fernhalten könnt, nur weil ihr es wegsperrt? Glaubst du das kleine Harley, hm?“ Ich tätschelte ihre Hand. Sie zog sie ruckartig weg.
„In Ordnung.“ Sie stand auf, der anzugtragende Affe zu ihrer Rechten schien alarmiert. „Ich denke, das war’s für heute, Mr. Joker.“ Sie befestigte ein Blatt auf ihrem Klemmbrett und drehte sich um. Ich schaute ihr nach.
„Wir machen dann morgen weiter.“ Ihr weißer Kittel umspielte ihre Hüften schmeichelhaft. Mit einem letzten Blick durch ihre eckigen Brillengläser schloss sie die Tür.
„Oh ja, mein kleiner Harlekin, ich bin sicher, morgen geht der Spaß erst richtig los!“

Arkham


Mit der Subway raste ich in den unendlichen Tiefen des Gothamer Untergrundes dahin. Ich wollte nur weg, möglichst weit weg von zu Hause. Alles war besser als zu Hause zu sein. Meine Mom würde mich bemitleiden und ich könnte die Konfrontation mit der Wirklichkeit, nämlich dass meine Freunde mich im Stich ließen, nicht ertragen. Wohlmöglich käm es dann noch zu einem riesigen Streit und das wollte ich nun wirklich nicht. Die Dinge waren besser so, wie sie waren. Ich musste einfach etwas Abstand gewinnen, mich sammeln. Menschen stiegen stetig ein und aus. Ich hatte mir kein besonderes Ziel gesetzt, stand an eine der Haltestangen gelehnt da und beobachtete das Geschehen um mich herum. Schließlich wurde mir die Luft zu dünn, als ein Mopp Leute an einer gutbesuchten Haltestelle einstieg. Ich verließ die Bahn, unwissend wo ich war und machte mich auf den Weg zurück ins Tageslicht. Ich fand mich in einer kleinen Seitengasse wieder. Aus einem toten Winkel hörte ich Kinderstimmen.
„Hilf mir, hilf mir!“
„Halte aus, mein Junge!“
„Batman! Batman, hier bin ich!“
„Was ist geschehen?“
„Er hat mich bedroht, er hat mich überfallen, Batman!“
„Wer?“
"Ich weiß es nicht, Batman...er war völlig entstellt.“ Ich hob die Augenbraun. Batman? Leise schlich ich um einen Müllcontainer. Ein kleiner Junge saß an die verdreckte Hauswand gelehnt und fuchtelte wild mit den Armen umher, während der andere, ein schwarzes Badetuch über den Rücken gebunden vor ihm kniete und die Hand auf dessen Schulter legte.
„Wie sah er aus?“
„Er hatte ein narbenenstelltes Gesicht, er war geschminkt wie ein Zirkusclown. Es war grauenhaft!“
„Keine Sorgen, mein Kleiner! Ich werde ihn kriegen!“ Der Junge mit dem schwarzen Handtuch, welches scheinbar als Cape dienen sollte, rannte in eine Richtung, stolperte über ein herumliegendes Kabel und fiel hin. Der andere Junge begann zu lachen. Auch der am Bodenliegende lachte nun.

Ich drehte mich etwas verwirrt um.
Batman? Niemals gehört. Ich kannte Superman. Allerdings hatten sich Kultfiguren immer schon schwer getan sich nach Queenshill durchzuschlagen. Wenn ich es mir recht überlegte waren wir eigentlich ziemlich isoliert gewesen, auch wenn wir nur ca. 100 Kilometer von New York entfernt gelebt hatten. Ich warf noch einen letzten Blick auf die beiden Jungen und lief dann ein wenig umher.
Keine besonders schöne Gegend. Wo war ich nur hingeraten? Je mehr ich mich zwischen den schmutzigen Häuserblocks hindurch schlängelte, desto verlorener fühlte ich mich. In der Ferne hörte ich eine Meute Hunde bellen. Das Bellen kam näher. Ich musste mich direkt darauf zu bewegen. Es wurde bereits dämmrig. Ich musste lange weg gewesen sein...aber so lange?
Schließlich schlängelte ich mich an einem weiteren grünen, total überfüllten Müllcontainer vorbei. Ich roch Seeluft, jedoch war sie wesentlich schärfer die, die ich heute Morgen gerochen hatte.
Mir entfuhr ein hoher Schrei als ich bemerkte, dass ich beinahe ins Wasser gefallen war. Geradeso konnte ich mich noch am Kai festhalten. Unter mir- eine Kloake aus Abfall und Chemikalien. Hatte ich mich jemals über unser Wohnviertel beschwert wusste ich nun, wo das wahre Ghetto Gothams sein musste. Im Schatten eines alten Fabrikgebäudes konnte ich die Streuner erkennen, welche ich gerade noch bellen gehört hatte. Sie suchten in riesigen Abfallbehältern nach etwas Essbarem. Mir gegenüber tat sich Gothams Skyline auf. Beeindruckend und beinahe protzig, kämpften die Hochhäuser gegen die Dämmerung an. Der Gegensatz war bitter. Schaute ich mich um, fand ich mich zwischen verlassenen Gebäuden, deren Fensterscheiben eingeschlagen worden waren, Neonröhren, welche ab und an aufflackerten und dem plätschernden Geräuschen von rostigem Wasser, das durch alte Abflussrohre ins Meer floss, wieder.
Ich entschied, dass es nicht unbedingt die Gegend war, in welcher sich ein junges Mädchen mutterseelenallein nach der Dämmerung herumtreiben sollte. Doch irgendetwas, war es nun die beindruckend, wunderschöne und hypnotisierende Wirkung, welche Gothams Panorama auf mich hatte oder die Kloake welche mysteriös grün glitzerte, hielt mich hier und veranlasste mich ein wenig umzusehen. Ich schritt am Kai entlang, auf die leer stehende Halle zu. Ich hörte das Hupen und die Geräuschkulisse von der anderen Seite, doch diese war weit entfernt und hier war es ruhig.
Ich schreckte auf. Ein knarrendes Geräusch- ich war auf ein vertrocknetes Blatt getreten. Ich hielt inne. Ich erinnerte mich. Queenshill. Der Bahnhof. Das leer stehende Rangiergebäude in dem die alten Züge standen. Gruselig war es dort gewesen. Doch die Szene hatte sich trotzdem genau an diesem Ort getroffen denn er hatte etwas Anziehendes. Genau wie dieser. Lag es nun an meinem Flashback oder nicht. Ich war nicht bereit so schnell nach Hause zurückzukehren. Ich muss Mom anrufen, bohrte es sich in meine Gedanken.
„Nein, sie würde darauf bestehen, dass ich sofort nach Hause komme“, sagte ich mir selbst. Obwohl es nicht mehr als ein Flüstern gewesen war hallte meine Stimme von der Backsteinmauer zu meiner Rechten wider. Mein Atem stockte. Ich hatte etwas gehört. Eine Stimme! Nein, das hatte ich mir sicher eingebildet. Ich hätte umkehren sollen.
Da! Schon wieder. Eine andere, höhere Stimme. Ich folgte ihr, was sicherlich das Dümmste war, was ich tun konnte.
„Wenn der Boss das wüsste“, die Stimme klang ehrfürchtig.
„Der Boss sitzt ein du Dummkopf! Er kann momentan gar nichts tun. Vergiss ihn!“
„Er würd dich umlegen, Spike!“
„Er würd gar nichts tun. Wer so dumm ist sich einbuchten zu lassen, wird mir nicht länger Befehle erteilen.“
„Du vergisst, was er für dich getan hat!“
„Was denn? Mich von Tag zu Tag zu demütigen? Mir meinen verdammten Arsch aufzuschlitzen wenn ich ihn schief ansah? Scheiße Mann, beinahe hätte ich meine Eier verloren nur weil ich mir einen kleinen Snack genehmigen wollte!“
„Weil du ein verdammtes Arschloch bist!“
„Das ist mir sowas von scheißegal! Wenn er uns halten will wie Nonnen dann...“
„Das vor einiger Zeit noch ganz anders!“ Ich lehnte mich mit dem Rücken an einen rostigen Wertschrottkontainer. Eine dritte Stimme hatte sich eingemischt und da ich diese nicht lokalisieren konnte, war es besser, im Schutze der Dunkelheit zu bleiben.
„Du hast von ihm geschwärmt hast uns gesagt wenn wir uns ihm nur anschließen dann...“
„Ja, verdammt der Clown hatte Klasse! Du hast doch selbst gesehen was er mit dieser Stadt angestellt hatte! Sie wurde verdammt nochmal evakuiert. Das war der totale Wahnsinn!“
„Mag sein! Aber denkst du nicht, er wird zurückkehren?“
„Von da wo er jetzt ist, kommt man nicht mehr zurück.“
„Ja, da hat er Recht, aus Arkham ist noch niemand ausgebrochen.“
Arkham!
„Wenn ihr den Glauben in ihn verloren habt“, ich hörte Flaschen klirren, „ich habe es nicht. Und ich werde keine Sekunde länger mit euch unwerten Wichsern hier rumsitzen, die unsere Prinzipien verraten!“ Schritte. Ich presste mich enger an den Container. Ich konnte nun nicht mehr fliehen. Sie würden mich bemerken. Äste knackten.
„Dann verpiss dich doch! Du wirst ewig warten!“ Erneutes Klirren. Ich duckte mich und zwängte mich so dicht an die Mauer, dass ich kaum noch Luft bekam. Als ich nichts mehr ausmachen konnte rannte ich zunächst gebückt, dann aufrecht davon. Ich verfluchte mich selbst, für mein gedankenloses Handeln und flehte, betete, dass sie mich nicht bemerkt haben, schon gar nicht verfolgten. Arkham, Arkham, Arkham...dieses Wort brannte sich in meinen Gedanken. Rennen, Cam, rennen! Ich beschleunigte mein Tempo noch etwas. Arkham... Ich keuchte laut auf. Sie durften mich nicht entdecken. Arkham.
Es war, als würde ich aus einem Traum erwachen, aus dem Ozean auftauchen. Nach Luft ringend lehnte ich mich an eine Hauswand. Ich sackte in mich zusammen. Da war die U-Bahn. Ich hatte es geschafft.

Die Definition von „anders“

Gnadenlos strahlte die Sonne hernieder. Ja, sie stand gar im Zenit und erleuchtete mein neues Zuhause. Wenigstens hatte ich sie überzeugen können, mich in eine der „Tageszeiten-Zellen“ zu versetzten, so nannten man die Zellen, welche ein Fenster besaßen. Nicht dass ich so dumm gewesen wäre zu versuchen auszubrechen oder gar Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Ich ergötze mich zurzeit schlicht und einfach an der warmen, wohltuenden Spätsommersonne. Nicht, dass ich noch braun wurde. Ich gluckste. In Gedanken schwelgend kaute ich auf einem Lolli herum. Sie hatte ihn mir gebracht. Harley. Mein kleiner Harlekin beugte sich meinem Willen. Ganz so, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Zunächst befand ich sie als eine unterirdisch schlechte, unfähige Tippse, die sich aus reinem, unverschämtem Glück Psychologin nennen durfte.
Doch meine Meinung hatte sich geändert. Nicht, dass ich unerwartete Qualitäten an ihr entdeckt hätte, nein. Sie war einfach eines meiner Spielzeuge geworden, ein wunderbares Spielzeug, welches man verwenden und wegwerfen konnte, wie es einem gerade beliebte. Harley war also sozusagen mein Engel der einsamen Stunden, ha, ha, ha. Wenn diese Trottel erst bemerkten, dass ihre süße, kleine Dr. Quinzel für den Teufel arbeitet würde es schon zu spät sein. Pech gehabt. Aber das Leben war nun mal ein großes Spiel und da musste man verlieren können.
„Mr. Joker?“ Ich denke nur noch an dich, mein Liebes. Ich gluckste abermals. Die Tür meiner 1 Zimmer Wohnung öffnete sich.
„Bereit für die heutige Therapiesitzung?“
„Was höre ich da für einen demotivierten Unterton in deiner Stimme mein kleiner Harlekin?“ Ich fuhr mir mit der Zunge über die Lippen.
„Zum letzten Mal, Mr. Joker. Mein Name ist Harleen Qui...“
„Nenn, dich wie du willst, Liebes. Aber ich finde eben, dass dir der Name Harley viel besser zu Gesicht steht.“ Ich ließ ein kehliges Lachen hören.
„Na gut. Nennen Sie mich wie Sie wollen, das ist ja sowieso nicht von Belang. Schließlich geht es hier um Sie!“
„Das denkst du meine Kleine, in Wirklichkeit betrifft es uns alle.“
„Jaja, ist ja schon gut.“
„Wie redest du mit mir, Harley? Denkst du etwa ich wäre verrückt?“
„Offen gestanden? Arkham ist kein Kinderhort. Vielleicht sollten Sie eine Medaille bekommen, Mr. Joker...“
„Sie tun es nicht wahr? Sie denken ich wäre sein Freak!“
„Nun ja ein Freak...“ Ich bemerkte, dass sie nervös wurde. Wut flammte in mir auf. Mit einem Satz war ich bei ihr. Ich drückte sie gegen die Wand, sie starrte mich aus großen, angsterfüllten Augen an.
Freak...Sie haben... verdammt nochmal Recht!“ Wieder fuhr ich mit der Zunge über meine Lippen. Mein geschminktes Gesicht war nun nur noch wenige Zentimeter von dem ihren entfernt. Sie schien nicht zu wissen, wie sie diese Antwort werten sollte. Positiv...negativ? Oder doch neutral? Ich gluckste und lockerte meinen Griff. Wieso hatte ich die Beherrschung verloren? Ich hatte mich nicht mehr im Griff. Herrgott, das musste der Fraß hier sein! Im nächsten Moment stürzte sich die Security auf mich. Sie packten mich und führten mich zurück zu meinem Bett. Die beiden anzugtragenden Affen flüsterten ihr etwas zu. Sie schien verschreckt. Doch nicht zum Aufgeben überzeugt. Sie war also entweder besonders ehrgeizig oder dumm.
„Mr. J. Wieso fragen Sie mich Dinge, die Sie sowieso schon wissen? Welche befriedigenden Antworten sollte ich Ihnen darauf geben?“
„Habe ich nicht...bereits bewiesen dass selbst ein Freak das totale Chaos sein kann? Der Batman beweist das stetig... Gothams Helden waren immer schon zwielichtige Gestalten, mit vielen Gesichtern!“
„Batman ist kein Held, Mr. Joker. Er hat Harvey Dent brutal ermordet, Gotham seinen weißen Ritter genommen, tötete zahllose Zivilisten. Selbst Cops fielen ihm zum Opfer. Seien Sie sicher Mr. J, dass der Batman mindestens genauso heiß verfolgt wird, wie Sie.“
„Ach ja? Und Sie glauben also nicht, dass Harvey-Boy in einem unangebrachten Anflug von Selbstjustiz all diese Morde begangen und die Gordons verfolgt hat? Sie glauben nicht, dass er den Verstand verloren haben könnte, nach dieser kleinen Lappalie mit seiner Liebsten...Sie haben sie gekannt nehme ich an? Arme, ehrgeizige Rachel Daws...“
Ich befeuchtete meine ausgetrockneten Lippen. Natürlich war Batsy unschuldig. Niemand wusste das besser als ich. Schließlich war ich es gewesen, der Gothams weißen Ritter auf unser Niveau hinuntergebracht hatte.
„Wir reden hier nicht über den Batman, Mr. Joker. Es geht einzig und allein um Sie.“
„Batsy und ich sind vom selben Schlag, Liebes. Nur dass er so töricht ist sich aufopferungsvoll um diese Stadt zu kümmern...obwohl ich das in Gewisser Weise ja auch tue...nur Undank bringt man uns entgegen, tz, tz, tz...“
„Mr. Joker. Ich verbitte mir, dass Sie in dieser Weise...“
„Harley, Harley, Harley. Was bringt es sich etwas vorzumachen? Die Menschen verstehen unsere Mühen nicht, auch deine Mühen können sie nicht begreifen...“ Die junge Ärztin stockte.
„ Sie bringen uns keine Anerkennung entgegen, sie behandeln uns wie Aussässige. Auch dich, mein Schatz.“ Ihre Knöchel wurden beinahe weiß, so fest krallte sie sich an den in der Raummitte stehenden Stuhl.
„ Niemand wird jemals verstehen können, was du tust, um diese Menschen zu heilen, wie du leidest, sie lassen dich nicht los, auch wenn du die Zellen abschließt, auch wenn du die Insel verlässt, wenn du durch die Straßen läufst, wie jeder andere dieser Primaten, ist es nicht so, Harley?“ Es dauerte nicht mehr lange.
„Waren Sie niemals stolz auf dich? Sie meiden uns. Anders ist fremd und fremd ist böse, nicht wahr?“
„Hören Sie auf!“
Sie stand da, ihr Körper bebte, sie atmete stoßartig ein und aus. Dann blickte sie das Sicherheitspersonal an, gab den Lackaffen ein Zeichen. Sie verließen den Raum, nicht ohne sich noch einmal besorgt umzudrehen. Harley kam auf mich zu. Sie schritt zu meiner pritschenartigen Schlafgelegenheit, beugte sich zu mir herunter und sah mich an. Aus ihrem festen Haarknoten hatte sich eine Strähne gelöst. Sie öffnete für einen Augenblick die vollen Lippen. Dann schloss sie sie wieder, drehte sich um und verschwand. Hast du dir die Definitionen gemerkt? Gut, denn sie werden demnächst abgefragt...

Nichts als Klatsch

"Was genau verstehst du daran nicht?“
„Ich verstehe ehrlich gesagt gar nichts!“
„Komm schon, stell dich doch nicht so an! So schwer ist das Thema nicht.“ Sie konnte schon anstrengend sein. Aber wenn ich meine finanzielle Lage hierdurch etwas aufbessern konnte, sollte es mir nur Recht sein. Und ich arbeitete mich ja schließlich nicht tot. Abgesehen von der mentalen Arbeit und der Geduld, die ich aufbringen musste. Dafür brachte Kellys Mutter uns alle halbstündlich etwas Selbstgebackenes rauf. Letztes Mal waren es Muffins, heute sind es Brownies und für das nächste Mal hatte sie bereits Waffel mit heißen Kirchen und Sahne angekündigt.
„Wenn du diese beiden Wörter umdrehst, hast du doch die gleiche Bedeutung erzielt, nur, dass du es dir jetzt viel leichter gemacht hast.“
„Richtig?“
„Veux in diesem Fall mit „x“. Und die Kartoffel ist maskulin, da musst du drauf achten und die Adjektive anpassen!“
„Ich hasse Französisch.“
„Ach komm...“ Ich blies mir eine Strähne aus dem Gesicht. Es war verdammt heiß geworden. Ich biss in meinen Brownie und warf einen Blick aus dem Fenster. Die Menschen in dieser Gegend konnten es sich es wirklich leisten Nachhilfe zu nehmen. Mein Blick fiel auf ein herumliegendes Magazin. Bruce Wayne- Genialer Geist oder verwöhnter Millionenerbe? Ich betrachtete das Titelblatt etwas näher.
„Was machst du da?“
„Du schreibst schön deinen Aufsatz zu Ende!“ Murrend wandte sie sich wieder ihrem Blatt zu. Ich blätterte kämpfte mich durch das Inhaltsverzeichnis und fand auf der 3. Seite einen doppelseitigen Artikel über den Milliardär. Wayne war so etwas wie ein Volksheld von unglaublicher Popularität. Er war praktisch Gothams Aushängeschild auf dem internationalen Markt. Der Mann hatte es wirklich geschafft. Nur Insider wussten, wo genau er wohnte und man erzählte sich die kuriosesten Geschichten über diesen Ort. Angeblich sollte er sich neulich einen Whirlpool in einen seiner Aufzüge integrieret haben lassen, da er so zwischen zwei Terminen für ein paar Minuten entspannen könne. Trug er also immer eine Badehose unter dem Smoking? Darüber konnten die Leser der Zeitschrift Gossip nun per E-Mail abstimmen. Ich betrachtete die auf Glanzpapier gedruckte Doppelseite.

Bruce Wayne.
Längst ist dieser Name Kult und sorgt überall wo er fällt für großes Aufsehen, nicht nur in der Damenwelt. Doch wer ist der superreiche Playboy, der unter anderem Anwesen in New York, Tokio, Barcelona, London, Rio de Janeiro und Singapur besitzen soll wirklich? Ist es der Geschäftssinn der ihn soweit gebracht hat, oder etwa nur das prall gefüllte Portemonnaie des Großvaters? Wayne Enterprises trug maßgeblich zur Sanierung und Industrialisierung Gothams bei. Der Name ist Programm. Doch was verbirgt sich hinter dem charmanten Lächeln, der kühlen Fassade und dem glamourösen Auftreten des Erben? Gossip befragte Bruces‘ Vertrauten Timothy Mielane.


Gossip Mr. Mielane, wie sehen Sie Bruce Waynes Rolle in der Öffentlichkeit? Wie würden Sie seine Haltung den Medien gegenüber beschreiben?Mielane Bruce ist mit diesem Medienintresse an sich und seiner Familie groß geworden. Sein Großvater war ein großartiger Geschäftsmann. Er hatte ein Gespür für das Handelswesen und hat dieses optimal für sich genutzt. Natürlich gab es Neider und böse Zungen, aber die werden ja bekanntlich niemals verstummen. Wo Erfolg ist, da ist auch Neid. Bruce hat die Rolle seines Großvaters 1:1 übernommen, er führt Wayne Enterprises mit Verstand und viel Feingefühl, ja mit der totalen Hingabe an dem Produkt selbst, allerdings weiß er sehr wohl um sein gutes Aussehen und setzt dieses auch gezielt ein. Wer kann es ihm verübeln?

Gossip Können Sie sich an eine Konkrete Situation erinnern, in der Bruce sich für Sie oder andere ihm nahstehende Personen eingesetzt hat?
Mielane Ach wissen Sie, Tony, da könnte ich jetzt so viele konkrete Ereignisse nennen. Bruce war mir immer ein Vertrauter und wunderbarer Freund. Er stand mit mir Rat und Tat zur Seite wann immer ich seine Hilfe brauche. Er hilft sowohl mental als auch, natürlich nur gegebenenfalls, finanziell. Aber er hat immer einen guten Rat und ein paar aufmunternde Worte für seine Freunde übrig und das, bei all dem Stress, den er hat...einer, mit dem man Pferde stehlen kann, sage ich immer (lacht)

Gossip Und seine Rolle vor einem halben Jahr, bei der Evakuierung der Stadt. Bruce war nicht anwesend soweit ich weiß. Eine Geschäftsreise nach Hong Kong war der offizielle Grund...
Mielane Oh, da müssen Sie falsch informiert worden sein. Bruce war sehr wohl anwesend, bevor das Gotham General kollabierte, war er auf dem Weg dorthin um bei der Evakuierung und dem Abtransport der Insassen zu helfen. Leider war er in einen Verkehrsunfall verwickelt und kam nicht mehr rechtzeitig an. Trotz allem muss man gerade ihm diesen selbstlosen, karitativen Geist hoch anrechnen, ich meine, welcher Prominente setzt sich heute schon noch für so etwas ein...und Bruce ist ja so vielbeschäftigter Mensch, wissen Sie.

Gossip Reden wir über Rachel Daws. Sie soll ja eine enge Vertraute Mr. Waynes gewesen sein. Ihr Tod war ein riesiger Schock für ihn nehme ich an?
Mielane Machen wir uns doch nichts vor. Wir wissen alle, wie es ist einen geliebten Menschen zu verlieren. Bei Bruce war das nicht anders. Die Monate nach ihrem Tod waren die Hölle für ihn. Er hat den Schmerz immer noch nicht überwunden, trauert noch sehr um sie. Es ist ja auch ganz natürlich. Er stürzt sich in Arbeit, Verträge, Geschäftsreisen um nicht vollkommen in seinem Verlust zu versinken. Er sollte sich besser frei nehmen und auf die Bahamas fliegen, wenn Sie mich fragen...

Gossip Wie stand er zu Gothams „weißem Ritter“ Harvey Dent? Hatten die beiden persönlichen Kontakt?
Mielane Oh ja, sie hatten immer mal wieder miteinander zu tun. Trafen sich praktisch an allen Ecken und Enden. (lacht) Die beiden haben oft zusammengearbeitet, Bruce brachte Mr. Dent sehr viel Vertrauen entgegen. Die beiden ergänzten sich in einigen Fällen wunderbar, Mr. Wayne schätzte ihn sehr. Auch sein Tod war ein großer Verlust. (seufzt)

Gossip Wie verbringt ein Mann wie Bruce Wayne die Sommermonate?
Mielane Nun, Tony, er verbringt sie wie jeder andere Mensch auch. Er gönnt sich eine Auszeit, bereist einen schönen Ort, tankt neue Kraft um sich danach vital wieder voll auf die Arbeit zu konzentrieren, die er über alles liebt. Wayne Enterprises ist seine Berufung und er opfert dem Unternehmen sein ganzes Herzblut. Er ist eine der tragenden Säulen Gothams.

Gossip Wie wahr, Mr. Mielane. Vielen Dank für das Interview.
Mielane Ich bedanke mich auch.

Ich schmunzelte. Ein „Vertrauter“, der meiner Meinung nach ein wenig zu detailliert schilderte. Entweder war Bruce Wayne wirklich so arrogant, dass er seine Freunde in solch hohen Tönen von sich spucken ließ, oder Mr. Mielane war eben doch nur der Freund der Cousine des Bekannten des Managers. Ich schlug das Magazin zu und legte es auf den Schreibtisch.
Kelly sah von ihrer Französisch-Einkaufsliste auf.
„Er sieht sooo gut aus, nicht wahr?“
„Bruce Wayne?“
„Frank Sinatra, ja natürlich Bruce Wayne!“
„Zeig mal her.“ Ich schnappte mir das Blatt. „Gib mir mal einen Bleistift!“ Ich hielt die Hand auf.
„Ist schon wieder so viel falsch?“
„Nein, ich beug nur vor.“ Tatsächlich sah das Schriftstück nach meiner Korrektur etwas wüst aus. Ich war sehr großzügig gewesen, aber das musste Kelly ja nicht wissen, sonst verließ sie wohlmöglich noch der Mut.
„Okay, denkst du das kann ich morgen so abgeben?“
„Wenn du die Fehler noch verbesserst, dürfte es in Ordnung sein!“ Ich zwang mich zu einem aufmunternden Lächeln. Wie konnte es nur sein, dass man mit fast 16 Jahren so wenige Französischkenntnisse besaß und so lernunwillig war? Ich musste ja eigentlich ganz still sein...
„Noch was?“
„Nein, den Rest schaff ich allein.“
„Macht‘s dir was aus, wenn ich mich dann wieder auf den Weg mache?“
„Geh nur! Aber schau nochmal in der Küche vorbei, Mom hat extra zwei Brownies für deine Mutter gemacht!“
„Dankeschön, das ist lieb.“ Ich spürte eine jähe Zuneigung für Kelly und ihre Familie auch wenn sie sonst recht kühl wirkte. Kelly’s Mom war Abteilungsleiterin bei der GNB, der Gotham National Bank. Ihren Mann hatte sie in ihrem Studium kennengelernt. Er war die meiste Zeit auf Geschäftsreise im Ausland. Mehr wusste ich nicht über die Tylors. Ich hatte auch niemals das besondere Bedürfnis eng mit dieser Familie in Kontakt zu treten, doch solange sie mich einigermaßen schätzten und ich mir ein paar Dollar dazuverdienen konnte, sollte es mir mehr als Recht sein.
„Ciao, bis morgen!“
„Bye.“ Ich verließ den Raum. Kellys Zimmer war ein Traum. Nur nicht zu lange umschauen, Cam, sonst überkommen dich noch gar menschliche Laster wie Neid.
„Camilyn meine Liebe!“ Kaum war ich die Treppe heruntergekommen, kam mir auch schon Mrs. Taylor entgegen. Breit grinsend und mit einem auf Hochglanz polierten, silbernen Tablett, auf welchem zwei Brownies prangten.
„Das ist für dich, Camilyn. Aber beeil dich, ich muss gleich weg. Wo sagtest du nochmal wohnst du? Kann ich dich mitnehmen?“
„Nein, Ma’am ich glaube kaum.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Gloobyn wird wohl kaum auf Ihrem Weg liegen.“
„Das tut es in der Tat nicht. Schade. Wann kommt deine Bahn?“
„Ich werde eine erwischen...“ Mrs. Taylor war sicherlich schon Jahrzehnte mit keiner U-Bahn mehr gefahren, wenn sie es überhaupt jemals getan hatte.
„In Ordnung, dann beeil dich, hier sind deine Brownies.“
„Vielen Dank!“
„Bis Morgen, dann!“
„Bis morgen!“
Ich schlug die Tür hinter mir zu und lief los. Arkham... alles über diesen Ort saugte ich in mich auf wie ein Schwamm. Seit meinem Erlebnis vor drei Wochen hatte ich dieses Wort um die 50 mal im Internet eingegeben, gesucht, recherchiert, nachgefragt. Es schien, als wäre Arkham überall. Gotham wäre infiziert davon. Natürlich kam mir bereits nach meinen ersten Suchtreffern zu Ohren, wie gerne die Einwohner der Metropole diesen Ort in Grund und Boden gestampft sehen würden, eine schlechte Aura sei er, ein unnützer Fleck Nichtheilbarer, an welchen sich die Therapeuten die Zähne ausbissen, solange, bis sie dann selbst dem Wahnsinn verfielen. Niemand wollte dort arbeiten, oder in der Umgebung wohnen. Sondereinsatzkommandos patrollierten Tag und Nacht vor dem Hochsicherheitstrakt. Unter den Verbrechern und Taschendieben jedoch, hatte dieser Ort einen hohen Statuswert. Wer dort einsaß, hatte es geschafft. Das Polizeidepartment konnte sich dagegen einen Kindergarten nennen. Niemand wusste so genau, wo Arkham eigentlich lag. Es gab keinerlei genaue Auskünften, nur Ansätze. So sollte es zum Beispiel auf einer Insel, irgendwo stadtauswärts liegen. Andere Quellen behaupteten Arkham sei ein populäres Gebäude welches jedermann kenne, dessen wahres Gesicht jedoch verborgen blieb, so spekulierten man sogar, der Wayne Tower sei in Wirklichkeit die Nervenheilanstalt Arkham. Nicht wenige hielten sie für einen Mythos. Doch ich glaubte daran. Der Cop hatte so alarmiert geklungen, die drei Männer, die ich sprechen gehört hatte. Sie alle waren vollkommen von der Existenz Arkhams überzeugt gewesen.
Ich verließ die Bahn und betrat die Wohnung. Mom hatte Spätschicht und es wurde bereits langsam dunkel. Der Horizont leuchtete purpurrot. Nach einem langen, sehnsüchtigen Blick auf die in der Ferne liegenden Wolkenkratzer lümmelte ich mich lustlos auf das Sofa, fischte eine Packung Chips aus dem Schrank, nippte an meinem Eistee und ließ mich von den nivaulos-öden Dialogen einer Talkshow berieseln.

Harleens Schande

Ich hatte die Tür hinter mir zugeschlagen und sank zu Boden. Mein Herz pochte wie wild, meine Brust drohte zu zerschellen. Schweiß rann meine Schläfen hinunter. Kauernd, unfähig mich zu bewegen und starrte ich ins Leere. Ich konnte es einfach nicht mehr ertragen. Er würde mich dazu bringen alles hinzuschmeißen, alles, wofür ich so hart gekämpft hatte. Ich hatte mein Leben dieser Einrichtung verschrieben, ich würde sie übernehmen, sie erlangen, sie besitzen. Doch er...wie sollte ich jemals erklären welche Wirkung das alles auf mich hatte? Sie wussten es längst und sie hatten mich gewarnt.
„Jeder Patient ist in irgendeiner Weise therapierbar“, das hatte ich mir als Steckenpferd gesetzt, dass waren die Prioritäten, die Lehren, an die ich glaubte. Sollte er nun alles zerstören? Mich in meinen eigenen Prinzipien verraten? Ich zog die Knie an und umschlang sie mit meinen Armen. Niemals...niemals hätte ich es zulassen dürfen. War es nun also soweit? Es war unerträglich. Diese Schande, dieser Schmutz, diese unerträgliche Demütigung. Mir kamen die Tränen. Nein! Zerfließ jetzt verdammt nochmal nicht in Selbstmittleid, DU hast es zugelassen. Es ist deine Schuld. Heulen bringt dich nicht weiter! Mein Körper bebte. Es war so kalt. In der Ferne konnte ich Nebelhörner vernehmen. Die Großstadt...sie forderte ihren Tribut. Ich muss es beenden, bevor es zu spät ist. Es war bereits zu spät, das wusste er genauso gut wie ich. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Das Empfinden von Glück... ich hatte mich verstanden gefühlt, geborgen. Jetzt blieb nur noch eines: ein unbändiger Selbsthass, Scham und Unfähigkeit zu Vergessen. Eine plötzliche Übelkeit überkam mich. Sie ließ mich in ein tiefes Loch fallen, nahm mich völlig ein. Ich schlug die Badezimmertür hinter mir zu, sackte wenig später wieder zusammen. All meine Kräfte hatten mich verlassen, es war vorbei. Ich musste all dem ein Ende bereiten. Morgen schon würde es soweit sein.

Moody J

„Harley, Harley, Harley“, ich gluckste.
Es war stockfinster geworden. Man hatte mich zurück in den Hochsicherheitstrakt verfrachtet. Nach meiner kleinen, nennen wir es mal emotionalen Überreaktion, bestand keine Möglichkeit mehr auf einen Kompromiss, was die Lokalität und den Komfort meiner Zelle betraf. Kein Tageslicht, bedeutete keine Tageszeiten, bedeutete nichts. Leere. Absolute Stille, Isolation. Dachten sie etwa alle das brächte mich dazu den Verstand zu verlieren? Mein Lachen schallte von den Backsteinwänden wieder. Was wollten sie damit erreichen, mich hier festzuhalten?
Ich hatte genug. Es war langweilig geworden. Auch Harley. Was ich versucht hatte zu tun, war das, was ich am besten konnte: Menschen auf Batsys Level hinunterzubringen. Harley war so ein einfach gestricktes Objekt gewesen, beinahe wie ein kleiner Gummiball ha.ha.ha. Herausforderungen reizten mich nun einmal und sie war keine mehr. Sie schüttete mir ihr Herz aus, längst war sie zum Patienten geworden. Ich hatte es mir lange genug angehört, gegrübelt, was könnte ich mit diesem Geist noch anstellen, wie könnte ich ihn noch verformen, grotesk verzerren, bis zur Unkenntlichkeit entstellen? Und die Antwort war ebenso simpel wie unbefriedigend: nichts. Sie war nun mal nicht der Typ für komplizierte Gedankengänge, dementsprechend konnte man auch nichts dergleichen infiltrieren. Sehr schade. Es hätte so interessant werden können. Ich hatte genug von Arkham. Alles in allem doch ein sehr langweiliger Ort.





Zuletzt von JaneDoe am Sa Mai 28, 2011 2:59 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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JaneDoe

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BeitragThema: Re: ...and I can show you how to harm   Sa Jul 31, 2010 5:14 pm

Ihr Lieben,

man sagte mir soeben mein Beitrag sei zu lang, also werde ich hier einen neuen Post in Form einer Antwort aufmachen. Smile

Die oben genannten Kriterien gelten natürlich immernoch afro

Weiterhin viel Spaß!!


Breaking News

„Camilyn!“, die durchdringende Stimme meiner Mutter schallte durch die Wohnung.
„Na los komm, du bist spät dran!“ Ich betrat die Küche. „Sie liegen auf der Anrichte!“ Meine Mom wies auf zwei in Brotpapier gewickelte Sandwiches.
„Danke Mom.“ Ich busselte sie flüchtig. Es versprach ein regnerischer Tag zu werden.
„Viel Spaß in der Schule und viel Glück bei deiner Klausur!“
„Das werd ich brauchen“, murmelte ich, griff nach meinem Frühstück und verstaute es in der Tasche.
„In Ordnung, ich bin dann gegen halb drei wieder zu Hause.“
„Wir sehen uns morgen!“
„Ja.“
Ich hasste die Tage, an denen meine Mom Spätschicht hatte. Wenn sie nachhause kam, lag ich meist bereits schnarchend auf der Couch. „Ciao!“ Ich verließ den Raum und machte mich durch das große, graue Treppenhaus auf den Weg nach draußen.

In der Schule war alles beim Alten. Mit der Ausnahme das schleichende Panik die Luft verpestete. Es war die 1. Geschichtsklausur des Jahres, sie machte 50% der Gesamtnote aus. Dementsprechend hoch war der Druck. Gutgelaunt betrat Mrs. Johnson den Raum.
„Keine Spicker, keine Täuschungsversuche, stellen Sie die hier bitte zwischen sich.“
Sie teilte 20 große, weiße Pappwände aus.
„Thema der Klausur ist die Industrialisierung der USA, Sie haben zwei Stunden Zeit, viel Glück.“
Ich drehte mein Blatt um und begann zu schreiben. Zu meiner rechten vernahm ich ein verzweifeltes Schnauben. Ehrlichgesagt fiel es mir nicht sonderlich schwer. Hier einige Interpretationsarbeit, da ein paar Jahresdaten und Statistikauswertungen. Nichts, was ich nicht schon zum Wiederholten Male behandelte. So gesehen hatte ich also einen riesigen Vorteil.
Ich war beinahe eine halbe Stunde vor Abgabetermin fertig, durfte den Klassenraum also bereits verlassen und mich ein wenig in der Schuler herumdrücken. Wichtige Informationen und aktuelle Meldungen wurden auf großen Flachbildfernsehern überall in der Schule hängend, bekanntgegeben. So auch heute. Die Stimmung im Nachrichtenstudio schlug um, der Sprecher wirkte nervös.
„Guten Tag meine Damen und Herren. Wir bekamen soeben eine schockierende, neue Meldung. Aus der Nervenheilanstalt Arkham sind am frühen Morgen insgesamt acht Insassen ausgebrochen. Sie stahlen mehrere Waffen, überfielen zwei Sicherheitsmänner, beschädigten Türen und Fenster. Außerdem verletzten sie eine junge Psychologin. Äußerste Vorsicht ist das Gebot der Stunde, es wird davon ausgegangen dass sie großkalibrige Waffen bei sich tragen. Hinweise darauf, ob sich der Joker, zurzeit in Arkham inhaftiert, unter den Ausbrüchigen befindet, gibt es nicht. Auch nicht, ob der maskierte Kriminelle Batman etwas mit dem Massenausbruch zu tun hat. Er wird nach wie vor gesucht und ist nach jüngsten Angaben untergetaucht. SWAT-Teams und Sondereinsatzkommandos sind bereits seit Stunden im Einsatz um Ihnen schnellstmöglich wieder völlige Sicherheit garantieren zu können.“
Wie hypnotisiert wandte ich mich dem Fernseher zu. Ich merkte nicht einmal, dass ich mich dem Gerät näherte.
„ Das war Steven Pettersson von GCM!“
Arkham. Es hatte einen Massenausbruch gegeben? Wenn das hatte das zu bedeuten? Welch einen handfesteren Beweis konnte es also für die Existenz dieses Ortes geben? Sie waren unter uns. All diese Kriminellen, all diese Geisteskranken, verstörten Seelen, denen geholfen werden sollte. Wenn Mom davon erfuhr... Die Nachricht würde sich verbreiten wie ein Lauffeuer, Panik würde ausbrechen, es würde spekuliert werden. Bis schließlich, früher oder später alles wieder seinen gewohnten Gang gehen würde. Mich erschraken meine trockene Sichtweise der Dinge und die berechnenden Gedankengänge. Ich sollte auf der Hut sein, vorsichtig. Seelen wie diese zogen mich an, ich wusste es, ich konnte mich selbst so gut einschätzen, dass ich dies mit bestem Wissen und Gewissen sagen konnte. Halt dich fern, Cam. Halt dich fern von allem, was Ärger bedeutet! War es mein Gewissen oder einfach nur der schiere Überlebenswille? Ich konnte es nicht genau ausmachen. Gedankenversunken ließ ich mich auf einer der Pausenbänke nieder. Mir gegenüber in grellen Farben der Getränkeautomat. Ein hässlicher, knallpinker Flamingo strahlte mich mit seinem strahlendweißen Odol-Lächeln an. Herausfordernd... Du hast doch Durst, na komm schon. Werf einfach eine Münze ein und du hast freie Auswahl. Du weißt, dass du Durst hast. Ich bekam eine Gänsehaut. Drehte ich völlig durch? Oder wollte eine innere Stimme mich nur vor dem Schlimmsten bewahren? Natürlich hatte ich Durst. Ich hatte mir geschworen all dem ein Ende zu bereiten. Ich hatte es geschafft. Sollte nun dieses banale, völlig aus der Luft gegriffene Hirngespinst all meine guten Vorsätze zu Nichte machen? Ich sprang auf, um mich aus der Gegenwart dieses Automaten zu entfernen- es war die schlechte Aura, ganz gewiss!

Gotham General

Langsam und gleichmäßig atmete sie ein. Die Automaten summten leise vor sich hin. Aus der Ferne waren Stimmen zu hören, Schritte auf den Gängen. Sie konnte ihren eigenen Atem laut und deutlich vernehmen. Wie Wasser auf einem heißen Stein zischte er durch die Schläuche, welche sich in ihrer Nase befanden. Dann öffnete sie die Augen. Zum ersten Mal seit Stunden, obgleich sie auch schon lange wach gelegen hatte. Sie hatte es einfach nicht ertragen können, zu Boden geworfen, erniedrigt, getreten und doch noch überlebensfähig. Würden sie ihr doch wenigstens ein schnelles, erlösendes Ende bereiten, dann wäre all dieser Schmerz, all dieser Ekel und Hass vorüber. Dann wäre sie frei.
Die Sonne, welche durch die Jalousien fiel blendete sie unangenehm. Sie blinzelte, schloss die Augen und kniff sie wieder eng zusammen. Die Welt wollte sie ganz offensichtlich nicht haben, also konnte sie auch wieder gehen. Beinahe schmunzelnd über ihre Trotzreaktion verformten sich ihre Mundwinkel zu einem Lächeln. Dann überkam es sie. Kalter Schweiß rann ihr zu beiden Seiten der Schläfen herunter. Sie vergrub die Fingernägel tief in der Haut bis sie zu bluten begann. Auf bald Harley.

Sie schrie auf. Sie wollte ihn zerreißen, verbrennen, den schmutzigen Körper säubern mit lodernden Flammen der Vergeltung. Sie schrie immer lauter. Alles schmerzte, ihre Haut brannte, oh ja, sie musste bereits in Flammen stehen, bald musste es vorbei sein. Doch das war es nicht. Sie stand neben ihr, blickte auf sie hinab. Der Teufel musste sie sein. Sie hörte sich japsten, ächzten, flehen.
„Dr. Quinzel, beruhigen Sie sich. Es ist alles in Ordnung. Sie werden hier versorgt, kein Grund zur Aufregung. Kommen Sie zu sich, Dr. Harleen!“
Und mit einem Mal erwachte sie. Der Lärm verstummte. Hatte sie ihn erzeugt? Sie konnte sich nicht erinnern.
„Es ist...so still hier. Alles glitzert, es strahlt. Dieser Ort ist eine Wonne. So unbefleckt und rein...“
„Dr. Quinzel, ruhen Sie sich aus. Es ist alles in Ordnung.“
„Nein...er...sie...sie sind alle hier. Überall.“
Die Krankenschwester befestigte einen neuen Tropf.
„Schlafen Sie, Harleen. Sie haben genug ertragen müssen. Ich weiß Ihre Arbeit dort draußen wirklich zu schätzen, oh ja, das tue ich. Sie sollten sich jetzt wirklich ausruhen.“
Der Teufel...Sie schloss die Augen. Fort...weit fort.



Batman Joker returns

„Wieso verdammt nochmal ist sie im General?“ Ich spürte Wut in mir auflodern, eine tiefsitzende Wut, festverankert, eine zügellose, eine vollkommene. Diese verdammten, unwürdigen Bastarde. Wieso konnten sie die Anweisungen nicht befolgen? Jene, die ich, diehöhere Autorität ihnen erteilte. Mir schien, als bekamen sie diese Autoritätnicht genügend zu spüren.
„Habt ihr euch denn jemals auchnur ansatzweise Gedanken darüber gemacht, wie verdammt nochmal das totale Chaoszu Stande kommt und langfristig Bestand hat? Kommunismus, Anarchie...eben derganz große Spaß kann nur bestehen, wenn man sich zuvor der totalen Disziplin bewusst ist und diese auch bereit ist beizubehalten. Spaß ist harteA rbeit, auch das Chaos will sorgsam ausgeklügelt sein. Wie wäre es sonstmöglich es vollkommen auskosten zu können?“
Ich befeuchtete meine frischbemalten und wohlig nach roter Farbe duftenden Lippen.
„Es ist euch scheinbar nicht bewusst, worauf es hier ankommt.“
Alle trugen sie grotesk bemalte Clownsmasken. Das war normalerweise nur an hohen Feiertagen der Fall. Ich hattesie wieder um mich versammelt. Die traute Runde wieder vereint, der Stammtischendlich wieder vervollständigt. Diese Ehrbringung war also das mindeste.Langsam bewegte ich mich auf eines dieser Pestizide zu.
Wieso sollte ich mir die Mühemachen Namen zu erfragen und mir diese auch noch zu merken.
Nicht, dass ich es nicht geschafft hätte. So war es nicht. Ganz-und-gar-nicht. Ich neigte den Kopf leicht zur Seite.
„Was fühltest du als du sie so sahst?“
„Ich...die Frau...dieses Weib...sie hat sich mir in den Weg gestellt. Sie hat damit gedroht die Kommandos zu informieren. Ich musste es tun.“
„Du hattest also keine andere Wahl als sie zu erniedrigen, ja? Sie zwang dich dazu sie zu demütigen, auf den Boden zu werfen und ihr weiches, blondes Haar mit deinem bakterienverseuchten Speichel zu besudeln, war es nicht so? Sie bettelte darum deine vertrockneten, nikotinvergilbten Finger sich tief in ihre Haut graben zu spüren, gehe ichrichtig in dieser Annahme?“
„Boss...“
Erneut loderte die Wut in mirauf. Ich unterdrückte sie wobei mich ein hysterischer Lachanfall überkam.
„Sie flehte darum von dir berührt, beschmutzt und entehrt zu werden...“
„Ich hab nicht...verdammt nochmalich hab sie nicht gefickt...“

Ich wandte mich ab. Die Erleichterung, die von ihm ausging, war förmlich spürbar. Einen Schritt trat erauf mich zu. Scheinbar unsicher, ob er mich ansprechen sollte, oder es besser unterließ. Ich ließ ihn gewähren. Zu Frieden in die Runde schauend strich ichmir eine grüngefärbte Strähne aus dem Gesicht. Ich vernahm einen schweren Atemzug zu meiner Linken.
Ich war ihnen eine Last, meine Widerkehr war ihnen nichts als lästig, sie hatten mich für immer fort geglaubt, sie waren mich los gewesen. Mussten meine Launen nicht mehr ertragen, hattensich befreit gefühlt.
„War es nicht so?“, ich sprach laut aus, was mir die gesamte Zeit durch den Kopf geschossen war.Wiederschoss die Kalte Wut meine Brust hinauf. Ich drehte mich um, bewegte mich aufes zu, als sich plötzlich ein Messer in meiner rechten Hand befand.
„Genauso hat sie sich gefühlt!“ WarmesBlut spritze, der leblose Körper sank mit einem dumpfen Schlag zu Boden. Einigeder Umstehenden schlossen die Augen. Ich hörte, wie sich jemand erbrach, sichlangsam auf einen der großen Kartons sinken ließ.
„Der Schlüssel...ist der Batman. Wir könnten sowas wie ein Klassentreffen veranstalten, nicht wahr? Schließlichwurden wir in derselben Institution ausgebildet. Wir haben praktisch dasgleiche erste Hilfe Seminar besucht, das gleiche Rettungsschwimmerabzeichen gemacht, hihahaha“, ich hielt kurz inne. Ich konnte ein wahnsinnig, aberzugleich loyales Flackern in ihren Augen sehen, „wir haben ein gemeinsames Ziel- diese Stadt davor zu bewahren in ihrer eigenen langeweileverseuchten Luft zu ertrinken.“


Medieneiflüsse

Ich schlug meinen Collegeblockauf, blätterte in meinem Buch, begann zu schreiben. Ich sah auf. Nichts. Ich schrieb weiter. Was? Nichts. Ich versuchte mir klar zu machen, dass, je schneller ich die Hausaugaben erledigt hatte, desto eher sich Zeit für Zerstreuung finden würde. Ich setzte erneut an.Welches Fach bearbeitete ich gerade, welchen Stoff? Mein Füller kratzte überdas Papier. Ich stand auf. Ging in die Küche, holte mir eine Tüte Gummibärchen, steckte mir ein paar rosarot- farbene in den Mund. Legte sie auf die Fensterbank, griff nach dem Füller, schrieb einige Wörter. War es eine Fremdsprache oder Mathematik? Vielleicht bearbeitete ich eine Textaufgabe,vielleicht ein grammatikalisches Problem? Ich klopfte mit den Fingern auf die Schreibtischplatte. Das Telefon klingelte.
„Cammy? Macht es dir was aus, wenn es heute ein wenig später wird? Maria-Luísa, ist krank und ich muss für sie einspringen, das hat sie schließlich letzte Woche auch für mich getan undwir sind ja Kollegen und dann macht man das schon mal, du weißt ja wie das ist!“
Ich vernahm ein kehliges Lachenaus dem Hörer. Es schien mir mehr gekünstelt als herzlich und ehrlich.
„Wie spät?“, ich wusste, dass es genervt klang, aber es war mir egal.
„Fünf!“ Sie seufzte.
„In Ordnung. Ich wäre sowieso schon im Bett gewesen, also ist es mir auch egal...“
„Hör mal Cammy, es tut mir wirklich schrecklich leid und ich verspreche Dir, dass ich es wieder gutmachen werde, bei Gelegenheit, wir könnten in den Zoo gehen oder uns diesen Film ansehen, du weißt schon den mit Heath Ledger, den siehst du doch so gerne...“
„Ist schon okay, Mom.“ Ich unterbrach ihren Redeschwall etwas barsch. „Wir sehen uns dann morgen.“
„Ach ja und Cammy...“ ich tat noch ein letztes Mal hellhörig. „ich hab dich lieb und hoffe, deine Prüfung ist gut gelaufen.“ Ich lächelte.
„Das ist sie.”
„Schön!“
„Bis dann!“
„Bye!“ Ich setzte mich wieder an meinen Schreibtisch. Doch an Arbeiten war nicht mehr zu denken. Aus der Nervenheilanstalt Arkham sind am frühen Morgen insgesamt acht Insassen ausgebrochen...Ich hatte es immer gewusst. Wieso waren dieMenschen dieser Stadt nicht Tag und Nacht in Sorge gewesen, dass so etwas passieren könnte? Nach allem was ich darüber gelesen hatte, war ich mir ziemlich sicher gewesen, dass es früher oder später zu solch einem Ausbruchkommen würde. Diese Gewissheit? Ich wusste selbst nicht woher ich sie gehabt hatte. Doch irgendetwas...irgendetwas verband mich mit diesem Ort und ich war erpicht darauf diese Menschen kennen zu lernen, mit ihnen zu sprechen, wie eswar psychisch auffällige zu therapieren. Diese Frau, dieses arme Mädchen lag im Krankenhaus, was würde ich geben, um mit ihr sprechen zu können. Wenn ich doch wenigstens die Möglichkeit hätte, das Gebäude ausfindig zu machen... Es ist äußerste Vorsicht geboten. Verlassen Sie das Haus auf keinen Fall nach 20:00 Uhr und seien sie unter keinen Umständen allein unterwegs...Es war gerade sechs Uhr...doch verdammt, ich würde allein unterwegs sein.
„Hör endlich auf damit!“,erschrocken über meine hysterisch klingende Stimme schreckte ich zurück.
„Ich muss mir diesen Ort aus dem Kopf schlagen, muss ihn vergessen, frische Luft schnappen, genau, das wird’s sein. Ich bin übermüdet und brauch einfach nur ein wenig Sauerstoff.“ Mit diesen Worten sprang ich auf, knallte meinen Block auf die Couch undverschwand.

Unter diesem Vorwand war ich nun also doch draußen. Ich schlenderte am Pier entlang, welches mir immer Zerstreuung und Regeneration bereitet hatte. Der Kai war beinahe menschenleer. Alle wirkten sie besorgt, paranoid sah man sich um. Ich schien die einzig gut gelaunte, unbesorgte Person weit und breit. Man sah mich an als wäre ich entweder besonders lebensmüde oder als hätte ich jegliche Sinnesorgane vor den Medieneinflüssen dieser Stadt, oder besser, dieses Landes verschlossen. Eine ältere Frau fragte mich sogar, ob ich mich nicht lieber auf den Weg nach Hause machen wolle. Ich versicherte ihr, dass alles in Ordnung sei und sie mich unbesorgt zurücklassen könne. Ich ließ mich unter einer riesigen langsam ihre Blätter verlierenden Eiche nieder und schaute aufs offene Wasser hinaus. Die salzige Seeluft wehte mir entgegen und ich empfand sie als sehr erfrischend, beinahe reinigend. Es war doch völlig absurd. Was sollte schon passieren? Höchstwahrscheinlich war in Arkham bereits wieder Ruhe eingekehrt, man hatte die Ausbrüchigen in ihre Zellen zurückgebracht, nur die Medien, welchen ich mich darüber hinaus schon seit zwei Stunden schon nicht mehr zugewandt hatte, waren noch nicht informiert. Ausbrüchige Wahnsinnige, eine ominöse Nervenheilanstalt, deren Existenz lange Zeit verleugnet wurde, ein playboyartiger Imperiumerbe, welcher sich Woche für Woche in Boulevardzeitungen verpflichten musste, meistgesuchte, maskierte Kriminelle...ich fragte mich ernsthaft welche Heilung sich meine Mutter von diesem Ort versprach...



Lasst uns diese Stadt brennen sehen, von der Skyline, dem Gipfel dieser Welt...

Es hatte zu regnen begonnen. Die Sonne bereitete sich auf ihren Untergang vor. Genau wie diese Stadt...genau wie sie, hahaha. Ich schaute hinab auf das Lichtermeer. Es beleuchtete den Horizont, kämpfte tapfer, furchtlos. Meine Stadt. Diese gottverdammte Stadt. Oh Gotham. Wie sehr ich es vergötterte, wie sehr ich seine Bewohner doch verachtete. Sie wiegten sich bereits wieder in Sicherheit, nach all dem, nach all dem was ich ihnen aufgezeigt hatte. Offensichtlich musste ich ihnen noch einmal mit Nachdruck klar machen, auf welch labiler Basis die Ordnung, die Langeweile ihres geregelten Alltags doch stand.
Ich betrachtete den Lolli in Weltkugelform, welchen ich in der Hand hielt. Genüsslich biss ich hinein. Oh ja. Ich würde es ihnen noch einmal klar machen müssen. Sie hatten es sich ja selbst zuzuschreiben. Der graue, abgasverseuchte Regen begann heftiger zu werden. Orkanartiger Wind peitschte mein Haar durch die Luft. Ich näherte mich dem Abgrund. Der Dauerton der Nebelhörner in der Ferne rundete das Weltuntergangsbild zusätzlich ab. Die angeknabberte Süßigkeit in meiner Hand tat das allerdings auch.
Der Wind war so stark geworden, dass ich jeden Moment fürchtete in die Tiefe zu stürzen. Ich begann zu lachen. Es gab mir einen herrlich-belebenden Adrenalinstoß. Ich lachte lauter, der Wind wurde unberechenbarer. Der Untergang. Der Batman. Dann, endlich, nach so langer Zeit, würden wir wieder vereint sein. Der Gedanke an die Fledermaus bereitete mir einen wohligen Schauer. Sicherlich hatte er sich furchtbar gelangweilt, in der Zeit meiner Abwesenheit. Mochte er auch den Erleichterten gespielt haben, in Wirklichkeit war er innerlich zerrissen gewesen.

Das Kanonenfutter wartete bereits. Ich hatte ein wenig Zeit für mich gebraucht, welche mir während meines Aufenthalts in Arkham ja verwehrt geblieben war. Hahaha.
Ein weiterer Windstoß trieb mich näher an den Rand des Wolkenkratzers. Es war herrlich hier oben. Ich liebte es. Wind, Regen, die pulsierende Stadt unter mir, das Lichtermeer. Kein Reiseführer könnte es wiedergeben, dieses Gefühl, vermitteln, was es bedeutete, die vollkommene Unterwürfigkeit dieser Stadt von hier oben aus zu betrachten.
Es war das herrlichste Gefühl der Macht, Kontrolle. Ich würde sie heilen, diese Stadt. Auch wenn ich sie dazu zuerst einmal infizieren müsste. All diese ordinären, einfach gestrickten Geister. Die sich Unwahrheiten aneigneten, an ihnen klebten, sie alle wurden betrogen von der Obrigkeit, zu deren Nutzen gelenkt. Es wurde also Zeit, dass die Verbreiter der Unwahrheiten sich einmal ihren eigenen Unwahrheiten, ihren Schatten stellten. Und sie wussten genauso gut wie ich, wie es aussah, wenn sie es taten. Ich erinnerte sie nur zu gerne daran, wie es war, vor den ganz großen Lichtern dieser Stadt zu flüchten- den brennenden Gebäuden.



...bis nichts mehr von ihr übrig ist.

Es war nicht von Nöten Unfallberichte abzuwarten um zu wissen, dass er zurück war. Es war schließlich nur eine Frage der Zeit gewesen, oft genug hatte er bewiesen, dass er alles andere als ein gewöhnlicher Krimineller war. Er war nicht zu unterschätzen und auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte; auf eine abstoßende Art und Weise bewunderte er diesen Clown. Diese Bewunderung vermischte sich mit einem abgrundtiefen Hass, der totalen Bestürzung über seine Taten und seine fehlende Skrupel und einer gewissen Anerkennung für seinen Mut und die augenscheinlich vollkommene Bedeutungslosigkeit des eigenen Überlebens. Doch hatte er sich immer geschworen der Größere der beiden zu sein. Seit einigen Monaten war er sich in dieser Sache allerdings nicht mehr sicher. Alles hatte er verloren. Rachel...sie hatten heiraten wollen. Oh ja er hasste ihn, er hasste ihn wie niemanden sonst auf der Welt. Dieser obsessive Hass.
Und doch...er wurde unweigerlich genauso verfolgt wie der Clown. Hieß es also genau das, was er immer prophezeit hatte? Sie waren doch auf derselben Stufe? Zwei verdammte, verstoßene Seelen vom gleichen Schlag? Er verwarf diese Gedanken wieder. Es war an der Zeit, dass er sich dieser undankbaren Stadt, welche er vor langer Zeit getäuscht hatte um Harvey Dents Schein zu wahren, widmete, ihr ein weiteres gottverdammtes Mal zur Hilfe eilte, wie einer unerreichbaren Maid, welche er unzählige Male aus den Klauen des Drachen befreit hatte, deren Vater ihm jedoch niemals seinen Segen geben würde. Langsam fuhr er über seinen schwarzen, von Lucius Forks hochentwickelten Anzug, setzte behutsam seine Maske auf und betrachtete sein Spiegelbild.
„Wie sehe ich aus, Alfred?“
„Ich meine um die Mitte herum wäre er ein wenig eng geworden, Sir.“ Er lächelte.

Er presste den Rücken an den Ausgang des Lüftungsschachtrohrs. Unter ihm loderte das Feuer. Es stank nach Benzin, verbranntem Metall und Plastik. Die gesamte Kennedy Ave stand in Flammen. Von überall her waren Sirenen zu hören. Feuerwehr, Notarzt, Kriminalpolizei und eine wahrer Krankenwagenkonvoi. Menschen schrien, weinten, die Geräuschkulisse war unerträglich. Ein brennender LKW wurde gelöscht, sogar ein Wagen des SWAT brannte. Niemand war mehr sicher gewesen und niemand hatte es vorhersehen können. Der Regen, welcher am frühen Abend begonnen hatte, fiel geräuschlos und doch unheilbringend hinab. Von überall her strahlten blendend grelle Lichter. Hätte er nicht gewusst, dass er wach war, hätte er sich für in einem furchtbaren Albtraum befunden. Langsam schlich er hinter dem Rohr hervor. Es würde ihn ja doch niemand bemerken, zu verstörend war das sich gerade abspielende Ereignis. Er entdeckte Fernsehen, Presse, Journalisten überall. Er würde ihnen ganz sicher nicht die Schlagzeile des Abends liefern, also hielt er sich bedeckt. Er wollte nur sichergehen, sichergehen, dass ihm sein Verstand keinen Streich spielte, irgendetwas unternehmen, er konnte nicht tatenlos dasitzen und nichts tun. Nun, da Dent fort war, sah er es als sein allerheiligstes diese Stadt vor Unheil zu bewahren. Und er hatte versagt. Wieder war ihm der Clown zuvor gekommen. Er hatte es gewusst, vom ersten Moment an, hatte er es sicher gewusst. Der Ausbruch aus Arkham. Die Explosion der Tankstelle. Tote musste es geben, viele sogar, Schwerverletzte. Oh ja, er hatte sich mit einem wahrhaft eindrucksvollen Spektakel zurückgemeldet. Er kroch noch ein Stückchen weiter hervor. Sein Cape wehte im peitschte im Wind. Er musste extrem vorsichtig sein, nicht gesehen zu werden und gleichzeitig noch so viel vom Geschehen zu erhaschen, dass er wusste, wann die Luft rein genug war, sich der Situation anzunehmen.
Er lehnte sich an das Dachgeländer. Chemikalienverseuchte Abluft stieg ihm in die Nase, lies seine Augen brennen. Doch er konnte nicht anders. Würde er sich auch nur ein paar Zentimeter von der Stelle bewegen, würde er sicherlich bemerkt. Gefährlich nah war er herangetreten. Er sah hinauf zu einem etwas höheren Wolkenkratzer. Die schwarzen verspiegelten Glasverkleidungen loderten beinahe so tiefrot, als ständen sie selbst in Flammen. Er musste ihn nur erreichen, dann würde er sich hinter dem vollkommen zerstörten Tankstellengebäude herschleichen und die Sprengköpfe begutachten können.
Dann entdeckte er ihn. Wie ein alles überragender Racheengel stand er da, blickte voller Befriedigung, voller Wollust hinab auf dieses, sein Spektakel. Das violette, maßgeschneiderte Schwalbenschwanzjakett, das bleiche, vernarbte Gesicht, die blutrot geschminkten Lippen, die tiefschwarzen, unergründlichen Augenhöhlen. Obgleich er sie von hier nicht deutlich genug ausmachen konnte wusste er doch, dass er es war. Seine Körperhaltung, diese Ausdruckslose, aber doch tief befriedigte Haltung, kannte er nur zu gut. Kalter Schweiß lief seinen Rücken hinab. Der Tag an dem diese Stadt ihn nicht mehr braucht...du sagtest wir könnten zusammen sein. Er hangelte sich am Abgrund entlang, verließ das Gebäudedach der Gotham Central Bank und war mit einem Satz auf dem gegenüberliegenden Hochhaus.

Es war so...vollkommen. Eine tiefe Befriedigung, Genugtuung und auch ein gewisser Triumph stiegen in mir auf. Ich öffnette die trockenen Lippen um einen erleichterten Seufzer auszustoßen. Es tat so gut, wieder da zu sein. Dieser wohlige Duft von Sprengstoff, Benzin und anderen Chemikalien welche meinen Körper, meine Hände, mein Haar bedeckten, es war der Geruch der Freiheit. „Ich liebe diesen Job!“ Tiefe Erregung schwang in meiner Stimme als ich diese Worte hervor presste. Wieder atmete ich ein. Diese wunderbare städtische Nachtluft. Meine Stadt. Schritte hörend wand ich mich um. Ich traute meinen Augen nicht.
„Baatsy? Du enttäuschst mich also doch nicht...“ Eine Mischung aus Wut, Erleichterung und purem Vergnügen, ich konnte es nicht beschreiben.
„Meinst du nicht, er wäre ein wenig eng geworden? Der Anzug meine ich...“ Er trat näher. Eine American Airline Maschine im Landeanflug mischte die Geräuschkulisse zusätzlich auf. Ich strich mir eine triefendnasse Strähne aus dem Gesicht.
„Du musst wissen, ich habe exakt das gegenteilige Problem. Nichts zu Essen und kein Tageslicht tun dem Körper nicht gut...und der Psyche auch nicht haha. Und sowas nennt sich Nervenheilanstalt hahaha. Mir passt rein gar nichts mehr, welch eine Misere.“
Ich konnte seinen schweren Atem vernehmen. Wurde die Fledermaus etwa alt? Wohlmöglich war ihr dieses viele Herumgefliege zu viel geworden, haha. „Was sagst du zu meinem Comeback? Ist es deiner Meinung nach gelungen?“ Schrill begann ich zu lachen. „Ich hätte auf dem Höhepunkt meiner Karriere Schluss machen können, aber was sollte ich machen, ich brauchte das Geld.“
Er näherte sich mit größeren Schritten. Wurde er übermütig? Instinktiv langte ich nach der Brechstange, mit der ich zuvor noch herumgespielt hatte. Wut durchzuckte meine Brust, übertrug sich auf den Metallstarb.
„Ich hatte so sehr gehofft, sie würden dich in einer dieser Zellen verhungern lassen, du dreckiger Bastard.“ Der Klang seiner rauen Stimme jagte mir einen wohligen Schauer über den Rücken. Ich ließ die Brechstange fallen. Ihr Aufschlag war kaum zu vernehmen, so laut war es um uns herum, selbst hier, selbst in schwindelnder Höhe.
„Was möchtest du hören? Dass es mir Leid tut, dass du verfolgst wirst? Möchtest du das? Batsy, was redest du...sieh es doch positiv. Ein Gesetzloser warst du immer schon. Geb das Streben nach der Verkörperung eines weißen Ritters auf. Du bist nicht wie sie und du wirst es niemals sein. Tu das, wozu du wirklich geschaffen bist- sei ein Entertainer. Die Leute lieben sowas.“ Erneut lachte ich hysterisch. Sogleich spürte ich seine Hände meinen Hals grob umklammern, er stieß mich gegen eine Wand, von welcher sich bereits der Putz abschälte. Mein Puls beschleunigte sich.
„Du wirst es nicht noch einmal soweit bringen, nicht noch einmal wirst du diesen Terror, diesen Wahnsinn, deine kranken Idiotien über diese Stadt bringen, die Beleuchtung deiner Manege wird ausgehen, Clown.“
„Sie erstrahlt gerade in neuem Glanz Batsy.“ Ich fuhr mir mit der Zunge über die Lippen und hob die Augenbraunen, während ich versuchte seinen Griff zu lockern um klar sprechen zu können, „und übrigens, die Idiotien, und Verleumdungen bringst du über diese Stadt. Wie konntest du sie nur in diesem töricht falschen Glauben lassen Harvey Dent war oder könnte jemals gut für Gotham oder seine Bewohner sein? Ich kann nichts für deinen Selbsthass und deine unangebrachte und völlig verkrampfte Zivilcourage, Batsy, behellige mich nicht damit, es ist nicht meine Schuld, dass du nicht mit dir selbst klarkommst.“ „Es geht hier nicht um dich oder mich. Diese Stadt wird nicht noch einmal unter den Launen eines Kriminellen leiden. Die Menschen haben aus ihren Fehlern gelernt. Ich denke du erinnerst dich noch an dein missglücktes Feuerwerk.“
„Nichts haben sie gelernt. Sieh sie dir nur an! Noch ignoranter sind sie geworden, ich denke, du wirst mitbekommen haben, dass auch du mittlerweile die „Most-Wanted Plakate“ dieser Stadt zierst...“
„Ich tat es für ihren Glauben an das Gute.“
„Was bringt es ihnen wenn das Schlechte überwiegt? Dent ist tot, mit oder ohne geheiligten Schein, Batsy. Nun sind nur noch wir beide übrig, zwei vom selben Schlag.“
„Was muss man nur verbrochen haben um so abgrundtief schlecht zu sein, wie du?“ Er festigte seinen Griff. Es belebte mich.
„Rede nicht so, du weißt, dass es nicht stimmt. Du weißt wie aufopferungsvoll ich...“ Er nahm mir den Atem indem er mich gegen die gegenüberliegende Wand presste.
„Wie kannst du dich auch nur ansatzweise mit Menschen wie diesen vergleichen?“ Mit einer Hand deutete er hinab in das flammende Inferno.
„Du hast Recht, ihre Taten sind wirklich heldenhaft...beseitigen das Chaos, für das sie selbst verantwortlich sind.“ Er stieß einen markerschütternden Schrei aus. Ich begann zu lachen. Mein Körper bebte voller tiefempfundener Erleichterung. Also doch. Er erkannte sich nur zu gut in mir wieder. Bald würde er soweit sein...
„Also ist er es doch! Dein krankhafter Selbsthass, nicht wahr? So hat es auch bei Dent angefangen...oh ja, das hat es.“ Wieder befeuchtete ich meine Lippen, schnalzte kaum vernehmlich.
„Ich denke, Arkham benötigt eine kleine Finanzspritze, bei solchen Therapieerfolgen scheinen sie es wirklich nötig zu haben.“ „Du machst Scherze, Batsy, Batsy, Batsy. Ein Mädchen gab es dort, bedauernswerter kleiner Harlekin. Die hatte wirklich Talent. Oh ja, Talent besaß sie wirklich. Tag und Nacht hat sie mir in den Ohren gelegen damit, wie schlecht diese Welt doch ist und dass sie niemand versteht. Beeindruckende Geschichte, stimmt’s? Was ist schon Geld, hm?“
Seine tiefschwarzen Augen durchdrangen mich mit einem solchen Hass , dass ich mich für einen Moment ernsthaft danach sehnte, von seinen kräftigen, totbringenden Händen erledigt zu werden und ich fragte mich, aus welchem gottverdammten Grund ich immer noch zu den Lebenden gehörte. Ich begann zu lachen, ich gluckste und kicherte und konnte mich nicht mehr beruhigen. Er sah einfach so unglaublich...albern aus. Trotzdem war seine Erscheinung wahrlich beeindruckend. Ich war ihm körperlich mehr als unterlegen, doch diese Tatsache störte mich herzlich wenig.
„Es ist wirklich bedauerlich, was sich am heutigen Abend zugetragen hat, findest du nicht? Und all das nur weil diesen armen, süßen Bürgerlein der Treibstoff ausgegangen war...“
Mein schallendes Lachen durchdrang die lärmende Geräuschkulisse. Bevor der Batman mir einen kieferbrechenden Schlag ins Gesicht verpassen konnte, griff ich erneut nach der Brechstange und begann in blinder Wut auf ihn einzuschlagen. Er fiel, offensichtlich überrascht von meiner plötzlichen Aktion, nach hinten, prallte gegen die Notausgangstür, welche sich öffnette, den Alarm auslöste und die Menschen in hundert Meter Tiefe erneut in Panik versetzte. Der Batman rappelte sich auf, verbarg sein Gesicht, warf mir einen letzten hasserfüllten Blick zu, hangelte sich hinab zur Gotham Times und verschwand in der Nacht.
Obgleich ich es meine größte Triumphnacht seit langem nennen konnte und ich mehr als glückselig war, die Fledermaus wieder aus dem Aus aufs Spielfeld katapultiert zu haben, versetze mir dieser plötzliche Abgang einen Stoß. Leere, völlige Leere breitete sich aus. Ich gab ihnen ein Zeichen und meine Clownsoldaten, welche sich während der gesamten Zeit im Verborgenen gehalten hatten, platzierten sich zu beiden Seiten.
„Beeilt euch.“ Trotzig warf ich das Brecheisen in die Tiefe, nicht ohne einem meiner Handlangen einen letzten, kräftigen Hieb verpasst zu haben.


Die zweite Wirklichkeit


Der Regen hatte meine Stoffjacke durchweicht, ich umschlang meinen Oberkörper um mich warm zu halten. Ich rannte, wohin, das hatte ich einmal gewusst, war mir nun aber nicht mehr so sicher. Ich wusste nur eins: es war etwas Furchtbares passiert. Etwas, das hätte verhindert werden können. Wie weit wollte man es denn noch kommen lassen? Hörte diese Ignoranz denn niemals auf? Meine triefenden, dunkelblonden Strähnen gerieten mir immer und immer wieder in die Augen, sodass sie zu Tränen begannen. Die Straße war bereits wieder passierbar. Autos, Busse, Schwertransporter und Straßenbahnen rauschten an mir vorbei, während ich mich auf einen ganz bestimmten Punkt zubewegte. Wenn Mom jemals davon erfahren würde, würde ich mein Zimmer sicherlich nie wieder verlassen. Doch es interessierte mich nicht. Ich musste es tun, eine mich zur Selbstbestrafung zwingende Ader tief in mir brachte mich dazu mir all diese bis zur Unkenntlichkeit verbrannten und völlig entstellten Menschen anzusehen. Ich folgte dem stechenden Geruch. Es stank bestialisch. Ich presste mir meinen zu langen Ärmel auf den Mund. Etwas, was über all das hinaus hinausging, was ich bisher gerochen hatte drang in mein Inneres-und ich hatte bereits viele Gerüche vernommen. In bestimmten Zuständen hatte ich sogar jene, die niemand außer mir bemerkt hatte...

Ein Lastwagen hupte, bespritzte mich mit grau-grünem morastartigem Schlamm, welcher vom Regen aufgeweicht worden war. Ich strich meine Jacke glatt, fischte Teerstücke aus meinen Haaren und rannte weiter. Immer geradeaus, immer auf das blinkende Lichtermeer zu. Das hier war besser als es ein Trip jemals hätte sein können. Rot, Blau und Weiß waren die Farben des Abends. Und natürlich das alles umhüllende Schwarz, welches sich wie gasförmiges Zyankali durch die Stadt schlängelte und alles Leben erstickte. Nur noch einige hundert Meter und ich wäre dort. Ich beschleunigte meinen Schritt, bis ich zu rennen begann, immer schneller, immer kälter, atemraubender peitschte der Wind mir entgegen. Endlich, es schien als hätte ich eine Ewigkeit gebraucht, traf ich an der völlig zerstörten Tankstelle ein. Woher ich wusste, dass es eine Tankstelle gewesen war? Nein, zu erkennen war es weiß Gott nicht mehr, doch ich war hier schon einige Male mit ein paar Mädchen aus meinem Jahrgang langeschlendert, wir hatten uns mit Red Bull und Snickersriegeln eingedeckt. Immer noch brannten einige Metallteile, man hatte die Brände allerdings unter Kontrolle gebracht. Einige neongelbe Absperrbänder grenzten den Bereich rund um die Autofracks, Trümmerteile, Krankenwagen, Fahrzeuge der Sondereinsatzkommandos und natürlich den Polizisten, Ärzten und der Kriminalpolizei ab. Ich schlich mich von Südosten heran, versuchte mich unbemerkt unter einem der Bänder hindurch zu schleichen. Ohne Erfolg.
„Das Betreten des Tatorts ist Zivilpersonen untersagt, Ma’am.“ Eine raue Stimme brachte mich in die Realität zurück.
„Sir, ich wollte nur...ob ich mich wohl kurz umsehen dürfte?“
„Wie heißen Sie, Ma’am? Können Sie mir einen Ausweis zeigen?“
„Mein Name ist Camilyn Moore und nein, ich kann keinen Ausweis vorweisen aber, Sir...“
„Dann kann ich Ihnen keinen Zutritt gewähren.“ Er drängte mich sanft, aber bestimmt zurück auf die andere Seite des im Fahrtwind der vorbeifahrenden Autos flatternden Crime Scene- Bandes.
„Denken Sie dieser Anschlag hat etwas mit dem Ausbruch in Arkham zu tun?“ Er sah mich aus großen, jedoch gleichgültig wirkenden Augen an. „Sie sind von der Presse, nicht wahr? Sie wollen sich eine Story zu Recht spinnen, wohlmöglich befördert werden. Und da kommt ihnen das Leid dieser Menschen gerade recht. Wie skrupellos die Medien doch geworden sind...“
„Ich bin keine Journalistin, Sir. Und ich habe auch nicht vor mir die Informationen, die sie mir geben werden, in irgendeiner Form kommerziell zu nutzen zu machen. Ich frage lediglich weil...nun ja wie soll ich es Ihnen erklären...“
Ich fand nicht die richtigen Worte. Wie sollte ich es beibringen, ohne ihm, ihnen allen indirekt vorzuwerfen zu ignorant, unvorsichtig, zu leichtsinnig und gutgläubig gewesen zu sein? Würde er mich für verrückt erklären, wenn ich ihm riet, der Anstalt in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zu schenken?
„Hören Sie, Ma’am. Ich habe hier zu tun, wenn Sie mich also entschuldigen würden...“
Ich ballte die Hände zu Fäusten. Ich war völlig umsonst hergekommen. Ich würde doch nicht die richtigen Worte finden können, für das, was ich ihnen so dringend mitteilen wollte. Auch wenn ich selbst nicht genau wusste, was es war.
Ich wandte mich also ab, entfernte mich einige Schritte und befand mich auf dem parallel zulaufenden Piquin Square. Ich ballte meine Fäuste so fest, dass sie schmerzten. Im Augenblick brauchte ich diesen Schmerz, er belebte meinen Geist, brachte mich dazu, klarer zu denken. Mein Körper wurde von wunderbar frischem Blut durchflutet. Der Regen ließ mich erzittern, so durchweicht war meine Kleidung bereits. Ich lehnte mich gegen eine Hauswand und sog laut vernehmbar die Luft ein. Wie hatte ich mir nur einbilden können Gehör zu finden? Es war aussichtslos. Ich selbst wusste nicht einmal, was es war, das ich glaubte ihnen voraus zu haben. Ich sackte langsam zusammen, bedeckte meine Hände mit den viel zu langen dunkel violetten Ärmeln meiner Sweatshirtjacke. Dann ließ ich den Kopf langsam auf die Knie sinken. Ich schaff das einfach nicht. Gotham...wird mich umbringen. Nein, es war nicht die Stadt selbst, die das hier mit mir anstellte. Es war ihre Nervenheilanstalt. Von der ersten Minute an hatte mich dieser Ort fasziniert, angezogen und doch so unglaublich beängstigt, dass ich aufgewacht war, mich übergeben hatte und dann, in völlig benommenem Zustand die Nacht auf dem Badezimmerboden verbracht hatte. Sie ließen mich nicht los, diese Ängste, diese Menschen und die Gewissheit, wieso dies so war, verstörte mich am aller meisten.

Ich saß auf meinem steril weißen Bett. Um mich herum stank es fürchterlich, es stank nach purer Reinheit, nach Desinfiziens- und Putzmitteln. Ich schüttelte mich vor Unbehagen. Dann begann mein gesamter Körper zu brennen, zu jucken, zu schmerzen. Ich suchte nach einer Befriedigung nach einer Erlösung aus diesem unerträglichen Reiz aus diesem furchtbaren Leben. Ich konnte es nicht mehr ertragen, doch man hatte mir die Hände an die Bettpfosten gebunden, zu oft hatte ich es schon versucht, zu vernarbt waren meine Unterarme. Ich schrie, ich schrie so laut, wie ich es noch niemals im Leben getan hatte. Ich begann fürchterlich zu schwitzen, der Schweiß lief zu beiden Seiten meiner Schläfen herunter. Ich rief nach meiner Mutter und nein, es war nicht ihre Anwesenheit, die ich begehrte, es war das Morphium, welches sie mir verschaffen konnte.
„Gebt mir Morphium! Ich brauche dieses beschissene Morphium!“ Ich brüllte mir die Seele aus dem Leib mit der furchtbar ernüchternden Gewissheit, dass mich niemand hörte, sie zumindest so taten als hörten sie mich nicht. Ich wälzte mich auf dem Bett. Ich versuchte die Fesseln zu entfernen, zerkratzte meine Waden bis sie bluteten. Sie hatten mir die Nägel geschnitten, ganz so, damit ich mich nicht mehr verletzten konnte, aber ich ertrug es einfach nicht. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Wenn es wirklich eine Hölle gab, dann befand ich mich gerade in ihr. Ich schrie immer lauter und meine Schreie hallten von den Wänden wieder, bis sich die Tür öffnete, meine Mutter eintrat und am ganzen Körper zitternd und völlig außer sich nach einer Krankenschwester rief:
„Gebt ihr das gottverdammte Morphium!“
Niemals zuvor hatte ich sie so leiden sehen...und ich wusste, dass es meine Schuld war.


Als ich zu mir kam bebte ich. Salzige Tränen liefen meine Wangen hinab und spülten all den Schmutz, all den Regen fort. Um nichts in der Welt konnte ich zulassen, dass sich solch ein Szenario wiederholte. Ich fürchtete mich zu sehr davor, komplett den Verstand zu verlieren, dass es mich schon beinahe anzog und dass war es, was mich wirklich beängstigte. Ich bedeckte meinen Kopf mit den Händen. Ich wollte sie, meine Schande verbergen. Doch sie war mehr als offensichtlich. Ich trug diese Narben für jedermann sichtbar. Ich strich meinen Pulli nach oben. Tiefe Wunden, tiefe Schnitte. In Kombination mit meinen Tränen begannen sie wieder zu brennen. Dann rappelte ich mich auf. Ich konnte es nicht ertragen hier, in Gegenwart all diesen Unglücks mein trauriges Dasein zu fristen. Also rappelte ich mich auf, ging einige Schritte auf die Umfallstelle zu. Dann wandte ich mich wieder ab. Ich entschied, dass es nicht gut war, sich noch einmal der bitteren Realität zu stellen.

Dann entdeckte ich etwas, dass mich mit einem Mal all meine dunklen Gedanken und Depressionen vergessen ließen. Etwas so grotesk-farbenfrohes, dass es beinahe eine Frechheit war, es hier in dieser rabenschwarzen Nach herumliegen zu sehen. Eine Karte, eine quietsch-bunte Spielkarte. Ich hob sie auf, betrachtete sie einen Moment lang. Ein kleiner, zynisch lächelnder Clown auf schneeweißem Hintergrund. Nicht weit davon entfernt, noch eine, daneben eine weitere. Es schien als habe jemand eine gesamte Spielbank regnen lassen. Ich strich mit dem Finger darüber, drehte sie einmal in der Hand. Auf der Rückseite waren mit spitzer Feder die Floskeln Haha geschrieben. Stechend rot leuchteten sie mir entgegen. Dies war sicherlich der merkwürdigste Fund, den ich in den gesamten letzten Wochen gemacht hatte (ausgenommen Mikes völlig versiffte Turnschuhe in meinem Spint). Ich strich mir eine Strähne aus der Stirn, trocknete meine Augen mit dem Baumwollärmel. Dann ließ ich die Karte in meine Hosentasche gleiten und wollte mich gerade umdrehen, als ich jemand einen markerschütternden Schrei ausstoßen hörte. Im nächsten Moment packten mich zwei kalte Hände und schütteln mich.

„Camilyn was tust du hier?!“, der Schrei meiner Mutter durchdrang die Nacht und ließ mich aus meiner Trance erwachen. Durchnässt, mit hellbrünetten Strähnen im Gesicht, blickte mich angsterfüllt, beinahe panisch an.
„Wie kannst du dich nur hier herumtreiben? Mitten in der Nacht, weißt du wie spät es ist? Und nach allem was hier geschehen ist!“ Ich schaute sie aus großen Augen an.
„Cammy!“ Sie schlug mir zu beiden Seiten auf die Wangen.
„Cammy hörst du mich? Hey!“ Ich öffnette meine Lippen, wollte etwas sagen, brachte jedoch keinen Ton heraus. Sie lehnte sich zu mir hinab, stützte die Arme auf die Knie.
„Hey! Ich rede mit dir! Was ist geschehen?“
„Was machst du hier?“
„Wie bitte?“
„Was machst du hier? Es war alles in Ordnung, bis du aufgetaucht bist. Ich kam wunderbar klar, mir wäre nichts geschehen. Ich kann auf mich selbst aufpassen, Mom. Und überhaupt dachte ich du müsstest arbeiten. Dein ach so toller Job scheint dir ja wichtiger zu sein, als deine eigenen Tochter.“ „Wichtiger? Wichtiger? Du glaubst mein Job sei mir wichtiger? Ich arbeite damit du etwas zu essen hast und nicht im Freien schlafen musst, mein Fräulein. Denk mal darüber nach...“, tiefe Bestürzung schwang in ihrer Stimme, doch ich konnte, oder wollte sie nicht wahrnehmen.
Stattdessen begann ich wie wild auf sie einzuschlagen. „Verschwinde von hier! Lass mich in Ruhe!“ Sie kreuzte mir grob die Arme vor der Brust, sodass ich keine Bewegung mehr machen konnte.
„Du kommst jetzt sofort mit nach Hause!“
Ich wehrte mich nicht mehr. Völlig perplex starrte ich auf das ausgebrannte Tankstellengebäude in der Ferne, wandte mich immer und immer wieder um nach den Spielkarten um. Es war vorbei. Sie sollte mich nur fortbringen. Ein Wrack war ich, durchnässt und verwundbar. Fühlte mich nackt und an den Pranger gestellt, nun da ich auf offener Straße zusammengebrochen war. Natürlich hatte mich niemand bemerkt, oder das bildete ich mir zumindest ein, aber die bloße Gewissheit, die bloße Gewissheit meiner Furcht trieb mich in den schieren Wahnsinn. Wie eine regungslose Puppe hing ich in den Armen meiner Mutter und schluchzte leise. Niemand würde es bemerken. Noch nicht einmal ich selbst.










Zuletzt von JaneDoe am Sa Mai 28, 2011 3:05 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: ...and I can show you how to harm   Fr März 04, 2011 1:23 pm

Helau und Alaaf meine Lieben!

Im Zuge meiner freien Tage wollte ich euch eine kleine Freude machen und ein paar neue Kapitel hochladen.
Ich musste erneut einen neuen Beitrag aufmachen, da der alte zu lang geworden ist.

Die oben genannten Kriterien gelten natürlich immer noch, Feedback würde mich sehr freuen. (also liebe ghost-reader...outet euch lol! )


...



Das Los der Fledermaus

„Ich wusste es Alfred, immer habe ich es gewusst.“
„Sir?“
„Dieser Clown, immer war mir bewusst gewesen, dass er zurückkehren würde. Mein Opfer war völlig umsonst.“
Er lief auf und ab, die völlige Dunkelheit wurde lediglich von den Lichtern draußen und einer Nachttischlampe durchdrungen.
„Mit Verlaub, Master Wayne, das sehe ich nicht so. Ohne Ihr Opfer hätte diese Stadt den Glauben in das Gute bereits gänzlich verloren. Seine strahlende Erinnerung erhält sie am Leben.“ „Aber es ist keine strahlende Erinnerung...jene, die ich an ihn habe. Habe ich sie also nur belogen?“ Er drehte die Fledermausmaske in seinen Händen, strich behutsam darüber, während er gedankenversunken in die Nacht blickte, hinweg über Gotham City, dem wunderbarsten, dem atemberaubendsten Lichtermeer der gesamten Ostküste. Bruce Waynes Penthouse war ohne Zweifel die beste Aussichtsplattform der Stadt.
„Ihr habt das bewahrt, woran die Menschen glauben wollten. Nicht das, was dieser Mann aus ihm gemacht hat. Das, Mr. Wayne, ist die wahre Größe Ihrer Tat.“
„Der weiße Ritter ist fort. Selbst wenn er wunderbare Taten verbracht haben mag, sein Stern ist untergegangen. Nun ist diese Stadt schwarz, trist, ohne jegliches Licht. Eingehüllt in ewigen Nebel. Sieh ihn dir doch an, Alfred. Ein maskierter Rächer ist er, der Batman. Eine nachtschwarze Fledermaus, die nicht eine Spur hinterlässt, wo immer sie auch ist. Ich wollte einmal für das Gute in den Menschen einstehen. Aber nun denke ich, dass ich zwischen Selbstjustiz und Vorurteilen hin und her gerissen bin. Ich bin geblendet, voreingenommen. Diese Stadt braucht einen Helden mit einem Gesicht- dringender denn je.“
„Nun, das mag sein Mr. Wayne. Doch Batman steht für all das, was diese Stadt im Augenblick benötigt- er kontrolliert, überwacht und behütet, er belehrt und erhellt.“
„Er erhellt? Alfred...er löscht Leben aus, wenn auch nicht aktiv, so tut er es Tag für Tag, während er tatenlos zusieht wie dieser...Mann andere in den Tod treibt, ihr Leben zur Hölle macht, diese Stadt verseucht, infiziert, wie eine Schlange windet er sich durch die Straßen und zerstört alles auf seinem Weg.“
„Doch ohne den Batman, der, ohne Zweifel die momentan einzige Hoffnung der Stadt ist, neben dem Police Department versteht sich, wäre diese Stadt bereits vor langer Zeit gänzlich evakuiert und aufgegeben worden.“
„Vielleicht wäre es besser gewesen...in einer einsamen Stadt voller verlassener Gebäude- dem Clown wäre ganz sicher bald langweilig geworden.“
„Doch dann hätte er sich ein neues Spielfeld gesucht. Dieser Mann braucht seine Marionetten, ohne sie ist sein Kabinett nichts wert, es ist nicht vollständig, etwas Elementares fehlt.“
„Das mag sein...aber stehen wir, stehe ich jetzt besser da? Alfred“, er war auf sein frisch überzogenes, strahlend weißes Bett gesunken und hatte den Kopf auf die Hände gestützt, „sag mir, was soll ich tun?“
„Ich werde Ihnen keine befriedigende Antwort darauf geben können, genauso wenig, wie ich es vor einem halben Jahr konnte...Sie müssen es ertragen. Der Batman kann es aushalten und das ist sein großer Vorteil.“
„Und was wenn er es nicht mehr ertragen will? Was wenn er es nicht mehr ertragen will, sich von allem lösen möchte? Ich schwor mir diese Stadt zu reinigen und vor Unheil zu bewahren, doch stattdessen verseuche ich diese Straßen von Tag zu Tag ein wenig mehr. Es macht keinen Sinn mehr. Der Tag, an dem diese Stadt ihn nicht mehr braucht...Rachel...wir hätten zusammen sein können...“ Er merkte nicht einmal, dass seine Stimme sich gehoben hatte. Lediglich Alfred Pennywoods perplexer Gesichtsausdruck verriet ihm, was gerade geschehen war. Er hatte die Beherrschung verloren, wie so oft in den letzten Wochen.
„Ich kann es nicht mehr ertragen, Alfred. Es ist aus. Ich schade dieser Stadt. So lange es mich gibt, wird dieser Wahnsinn über Gotham herrschen, solange ich existiere wird der Clown nicht ruhen mich wieder auf das Trapez zu rufen.“
„Sir, gebt Ihr den Batman auf, gebt Ihr auch diese Stadt auf. Sie haben gesehen, dass es durchaus Menschen gibt, die an das Gute in Gotham glauben. Lassen Sie uns ihnen diese Überzeugung nicht nehmen.“
Bruce Wayne blickte auf. Seine Augen waren gerötet und klein. Es war eine lange Nacht gewesen und doch würde er so schnell keinen Schlaf finden können. Er wusste, dass Alfred Recht hatte, doch er, Bruce Wayne konnte es nicht mehr ertragen. Sollte ihm das Wohlergehen dieser Stadt also teurer sein als sein eigenes? Sollte er sich etwa ganz dieser dreckigen, zwielichtigen, menschenverseuchten Metropole hingeben? Er hatte die Entscheidung schon vor sehr langer Zeit getroffen und das wusste er nur zu gut. Er hatte keine Wahl.

Die Dekadenz Gothams

Die Sonne war gerade aufgegangen, als ich mir den Schlaf aus den Augen rieb. Ich fühlte mich besser, so viel besser als noch paar Stunden zuvor. Etwas hatte sich verändert, etwas, das sowohl lichtbringend als auch erlösend war- ich mir meiner Sache sicher, ich hatte mich entschieden. Nicht mehr in der Luft zu schweben, neue Wege vor mir zu sehen, das war es, was ich immer angestrebt hatte. Und nun, endlich, war es soweit. Ich hatte ein Ziel. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich ein Ziel, sah meine Zukunft klar vor mir, nicht mehr verzerrt, verschwommen oder gar schwarz. Dieses eine, alles erfüllende, Glückseligkeit versprechende Ziel, würde ich erreichen, würde es niemals mehr verlieren, alles tun um es zu erreichen...alles. Der Schmerz und die Zweifel waren gewichen. Ein klarer Weg...Plan, hatte sich vor mir aufgetan. Ich musste ihn nur beschreiten. Langsam erhob ich mich. Gefesselt an dieses verdammte Bett, bemerkte ich, dass zu allererst all diese Schläuche entfernen musste, um mich losreißen zu können. Ich wusste, dass sich der Zivildienst im Altenpflegeheim einmal auszahlen würde.

Bald darauf hatte ich mich befreit, war zum Fenster geschritten und blickte erfüllt von einer inneren Wärme hinaus, auf den wunderbar sonnigen Tag. Der Regen der letzten Nacht war gewichen- auch jener, in meiner Seele. Endlich war ich frei. Ich streifte den grauweißen Kittel ab und ging langsam auf den Schrank zu, in welchem sie meine Garderobe aufbewahrten. Als ich jedoch die schwere weiß gestrichene Holztür öffnette überkam mich eine erneute Welle der Verzweiflung und inneren Leere. Niemals, niemals wieder würde ich diese Sachen tragen. Sie waren ein Indiz für mein altes, nöliges und vollkommen verpfuschtes Leben. Und doch, es hatte die glückliche Fügung gegeben ihn zu treffen. Ich stand einige Minuten da, bis ich bemerkte, dass ich mich lediglich in Unterwäsche befand. Ich hörte Schritte vor der Tür. Kurz wand ich mich um, dann schritt ich wieder zum Fenster. Dann begann ich meine Kulturtasche, welche sich in meinem Cardigan befand zu durchsuchen. Und endlich, ich fand das Gesuchte. Einen Kajalstift sowie blutrotes Lippenbalsam. Bisher hatte ich weder noch jemals benutzt. Nun sollte sich das ändern. Ich befeuchtete meine Lippen und trug eine Schicht dünne wohlig schmeckenden Rotes auf. Danach befeuchtete ich sie abermals, zog einen Taschenspiegel heraus und beobachtete mein Werk. Zufrieden grinsend machte ich mir mithilfe des tiefschwarzen Kajals an meiner Augenpartie zu schaffen. Nichts würde mehr so sein, wie es war. Diese Stadt würde sich verändern- das lag in der Luft, beinahe aufdringlich, dekadent.

Er hatte mich nicht verlassen...zumindest nicht für immer. Ich würde ihm folgen, ihn begleiten, ihn niemals mehr allein lassen, würde seine treuste, seine ergebenste Gefährtin sein. Nur dafür war ich geboren worden, nur das war meine Bestimmung auf dieser Erde. Harley Quinn, sie war meine Gegenwart und würde nun meine Zukunft sein. Ich betrachtete mein Spiegelbild und begann zu lachen. Ich konnte mich nicht mehr beruhigen, mein Bauch schmerzte, als ich auf dem Bett zusammensacke. Nur dafür war ich geboren worden...


Jim Gordon

Ich lag auf meinem Bett, starrte an die graue Decke. Das hier musste das Ende sein. Ich war bereits tot, hatte es nur noch nicht realisiert. Und doch, in der Ferne konnte ich immer noch die Nebelhörner vernehmen, klar und deutlich durchdrangen sie den Morgen. Ich war zu schwach den Kopf zu heben. Es war vorbei. Ich wollte nur noch die Augen schließen und entfliehen. Doch es war unmöglich, glühende Eisenzangen hielten sie offen. Nicht einmal dies war mir vergönnt. Wieder schob ich den Ärmel meiner immer noch völlig durchnässten Jacke hinauf und betrachtete meine vernarbten Unterarme. Bereits damals hätte mir klar sein müssen, auf welch grausame Art und Weise es einmal enden würde. Ich zog meine Beine zu einer Fötusstellung an, kugelte mich auf die rechte Seite, sodass ich auf die kalte Wand starrte. Als ich mit meinen Fingern meine Wangen berührte, war ich verschreckt, wie kalt diese doch waren, wo doch mein Körper wie eine brennende Hölle war. Dieser Nebel...er umgab mich und nahm mir die Sicht. Dies war nun wirklich und endgültig der Untergang. Und doch...ich spürte die Spielkarte deutlich in meiner Hosentasche. Sie war dort, genau da, wo ich sie Stunden zuvor platziert hatte. Ich war völlig allein. Mom hatte mich nach Hause gebracht, war wieder zur Arbeit geflüchtet. Ja, ich verwendete dieses Wort ganz bewusst, sie flüchtete vor dem, was ihr Kummer bereitete- sie flüchtete vor mir. Ich schloss die Augen. Wieder brannten sie wie glühendheiße Steine, sie schmerzten als würden sie gar zerplatzen. Ich rollte mich auf den Rücken und tastete nach der Spielkarte. Der kleine, beinahe beängstigend grinsende Clown verhöhnte mich förmlich. Ich wandte verschreckt den Blick ab.
„Was hast du dort gemacht, hm?“ Ich drehte den etwas verknickten Gegenstand in der Hand. Und plötzlich, war es der Fernseher, den meine Mom angelassen hatte und welcher die sommerliche Schwüle durchbrach oder eine gewisse Intuition- erwachte ich mit einem Mal aus meiner Trance, sprang auf und hechtete in das Wohnzimmer um den Kanal etwas lauter zu drehen "...Jokerkarten, welche als eindeutiges Indiz in direkter Umgebung des Tatorts gefunden wurden."
Der Nachrichtenbanner lief abermals durch das Bild, welches die verstörenden Bilder der letzten Nacht zeigte: Schockierende Details zum Terroranschlag im Eastbound Viertel an diesen Morgen; es wird dringend angenommen, dass sich Gothams meistgesuchter Krimineller, der Joker unter den Ausbrüchigen der Nervenheilanstalt Arkham befindet und einen erneuten Terrorakt auf die Stadt verübt hat. Zu dieser Erkenntnis führten zahlreiche Jokerkarten, welche als eindeutiges Indiz in direkter Umgebung des Tatorts gefunden wurden. Reflexartig griff ich abermals in meine Hosentasche und betrachte die Karte, welche sich in meiner zitternden Hand befand. Ein Joker.
In diesem Moment verließ der Sender das Studio des GCM und der Zuschauer befand sich in einer Art Schlachterei, genau war es nicht auszumachen. Ein Mann war zu sehen, gefesselt und geknebelt, mit glasigen Augen aufsehend. Ohne jeglichen Lebenswillen, einer leblosen Hülle gleichend, hing er dort, die Arme hinter dem Rücken verschränkt.
„Sag ihnen wie du heißt“, eine markerschütternde Stimme durchdrang die Stille. Was genau diese Stimme so grausam machte, auch das vermochte ich nicht zu sagen, nur so viel; kalter Schweiß rann meinen Rücken hinab.
„Brian.“
„Und bist du der echte Batman?“
„N...nein!“
„Und wieso kleidest du dich dann wie er?“ Hysterisch begann die Stimme aus dem Off zu lachen, eine Hand erschien, ein Arm, dann strich sie dem geknebelten ruckartig, beinahe hysterisch über die Wange, bevor er ihm eine schallende Backpfeife verpasste.
„Er ist ein Symbol dafür, dass wir vor Abschaum wie dir nicht fürchten müssen!“
„Oh du schon Brian, du auf jeden Fall!“
"...diese schockierenden Bilder erreichten uns vor ca. einem halben Jahr. Damals, als der Schrecken über Gotham her niederbrach, die Menschen getrieben von der Terrorherrschaft des Jokers die Stadt kurz vor der Evakuierung stand, Harvey Dent tragisch ums Leben kam und der mysteriöse Kriminelle Batman für immer verschwandt, wurden diese Aufnahmen getätigt und wurden heute Nacht abermals aktueller denn je. Es gibt keine Zweifel, dass der Joker dahinter steckt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sich erneut an die Medien wenden wird, um seine Forderungen zu stellen.“
Mein Atem hatte sich beschleunigt. Natürlich hatte ich all diese Geschichten der Evakuierung, der Sprengung des Generals, der Verbrechen des Batman und dem tragischen Tod Dents bereits zur Genüge gehört. Doch ich hätte mir niemals träumen lassen, dass sich auch nur ein Fünkchen Wahrheit darin befinden würde. Natürlich, die Ereignisse selbst waren kaum zu leugnen...doch übertrieben hatte bereits jede mir bekannte Großstadt gerne um die Touristikbranche am Leben zu erhalten. Doch diese Grausamkeit, dieses eiskalte Wasser in welches ich geworfen wurde, löschte meine Zweifel aus, als hätte es sie niemals gegeben. Der Joker. Ich hätte den Zusammenhang bereits bemerken müssen, als ich diese Spielkarte fand, die Polizei verständigen müssen...vielleicht hätte man mir dann Gehör geschenkt. Mom würde verlangen, dass ich die Karte sofort verschwinden ließe, mich raushielt aus all dem. Doch ich hatte nicht mehr vor mir von ihr, noch irgendjemand anderem einen Rat erteilen zu lassen. Ich würde mich losreißen von allem, wenn die Menschen dieser Stadt mir nicht glaubten, dann musste nun eben die Stadt selbst dran glauben...welch grausam zynisches Wortspiel.

Ich hatte meinen Entschluss gefasst. Ich musste es ihnen sagen, die Welt musste davon erfahren, ich würde nicht eher ruhen bis ich sie aufgeklärt, sie von meinen Beobachtungen unterrichtet hatte. Mein Atem beschleunigte sich. Ich hatte nur ein Ziel; das Police Department. Dort würde man mir Gehör schenken. Ich brauchte Hilfe- dringlicher denn je! Ich lief und japste, den schier ausgetrocknet, die Kehle brannte und doch blieb ich nicht stehen. Zu meiner Linken rasten Lastwagen und in der Sonne glitzernde Sportwagen den Highway hinab. Staub wirbelte auf. Meine langen brünetten Haare fielen mir immer und immer wieder ins Gesicht, trotz, dass ich sie zu einem Zopf zusammengebunden hatte. Einzelne Strähnen hatten sich gelöst und vernebelten meine Sicht. Endlich stand ich keuchend und schnaufend vor dem Eingangsportal, passierte die Schiebetür und befand mich im Foyer.
„Ich muss dringend mit...Commissioner Gordon sprechen!“ Ich wusste selbst nicht genau, wieso ich gerade nach ihm verlangte, doch Gordon war der einzige Mitarbeiter, dessen Name mir partout einfiel. Man erzählte sich viel über ihn, darüber, dass er durch die Hand des Batman beinahe seine Familie verloren hatte, man nannte ihn auch den „Held des Gotham Generals“, bewies Zivilcourage, war die tragende Kraft bei der Evakuierung der Stadt.
„Der Commissioner ist zurzeit nicht zu sprechen.“
„Bitte! Es ist dringend!“ Schweißperlen standen auf meiner Stirn und ich hoffte inständig, dass diese zur Intensivierung meines Unternehmens beitragen würden.
„Ich werde sehen, was ich tun kann.“ Sie nahm den Hörer ab und wählte eine kurze Nummer, ehe sie leise und schnell mit der Person am anderen Ende zu debattieren begann.
„Die Sicherheitsvorkehrungen wurden aufgrund der jüngsten Vorkommnisse verschärft. Können Sie einen Ausweis vorweisen Miss...?“
„ Moore! Camilyn Moore.“ Ich kramte in meiner Tasche. „Bitteschön.“
„Nun gut, gehen Sie durch diese Tür. Der Commissioner erwartete Sie.“ Sie drückte eine weitere Taste und die Flügeltür öffnette sich.
„Haben Sie vielen, vielen Dank.“

Meine Schritte hallten an den weißgestrichenen Rauputzwänden wider, schallten durch die hellhörigen Flure. Zimmer 423, Commissioner Gordon. Ich klopfte zaghaft, wartete einige Sekunden und wurde dann aufgefordert einzutreten.
„Miss Moore.“ Ein freundlich kantiges Gesicht mit kastanienbraunem Schnurrbart lächelte mir von dem vor einer riesigen Fensterfront stehenden Schreibtisch herzlich entgegen. Spannung lag in der Luft, ich konnte sein Herz beinahe pochen hören, er hatte furchtbare Augenringe und sah schrecklich ausgelaugt aus.
„Commissioner, ich habe Ihnen einige Beobachtungen mitzuteilen.“
„Setzten Sie doch erst einmal. Einen Kaffee?“
„Nein“, lehnte ich ab. Ich war kaum noch zu bremsen. Endlich, endlich konnte ich der Welt mitteilen, was ich so dringend zu sagen hatte.
„Letzte Nacht, ich war in Eastbound...ich weiß ich hätte nicht da sein dürfen aber ich...lassen Sie mich erklären.“
Gordon gluckste. „Das werde ich. Aber beruhigen Sie sich doch bitte.“ Ein wenig geniert röteten sich meine Wangen.
„Als die Tankstelle an der 55. Opfer eines Attentats wurde, war ich unmittelbar danach am Tatort und versuchte Ihren Kollegen mitzuteilen, was ich Ihnen jetzt gleich sagen werde. Von dort an überschlugen sich die Ereignisse. Ich hatte eine furchtbare Erinnerung und sackte völlig zusammen. Dann brachen die Gedanken nur so über mich hinein, diese dunklen Bilder verfolgten mich. Und plötzlich war da meine Mom...“
„Moment, Moment, Moment. Sie sagen also, Sie seien am Tatort gewesen?“
„So ist es. Ich entfernte mich kurze Zeit später, ohne Gehör gefunden zu haben.“ Er zwirbelte an seinem Bart und runzelte die Stirn.
„Das müssen Sie entschuldigen Miss Moore. Wissen Sie...wir dachten wir hätten ihn ein für alle Mal ...“Er schaute so tief enttäuscht drein, dass ich das dringende Bedürfnis verspürte ihn in eine Umarmung zu ziehen.
„Dass Terror und Angst erneut über uns hineibgebrochen sind, ist für viele hier ein Vertrauensbruch, müssen Sie wissen. Erneut wird Angst und Schrecken verbreitet. Doch was soll ich tun? Von hier verschwinden? Meine Familie nehmen und einfach fliehen? Das könnte ich niemals...“
„Wissen Sie, Commissioner...ich bin erst vor einiger Zeit hierher gezogen und muss ehrlich sagen; nie zuvor sah ich einen solchen Ort wie Gotham.“
„Oh ja, Miss Moore, wie wahr, wie wahr...aber erzählen Sie doch weiter. Sie entfernten sich vom Tatort, bogen in eine Seitenstraße ein trafen auf ihre Mutter...?“
„Moment, Moment vorher entdeckte ich...“ In diesem Moment griff Gordon nach einer sich auf seinem Schreibtisch befindenden Fernbedienung.
„Verzeihung.“ Er schaltete den Ton des Fernsehers wieder ein, der in der anderen Ecke des Büros hing.
Das Bankenviertel, aus schwindelnder Höhe von einem Wolkenkratzer aus betrachtet. Die Aussicht war atemberaubend. Gotham Bay, Downtown und sogar die Randbezirke waren auszumachen.
„Guten Abend, meine Damen und Herren.“ Ein hysterisches Kichern. Das gleiche markerschütternde Lachen, welches ich heute bereits schon einmal gehört hatte...
„Willkommen zurück im Spiel. Nun ja. Ich würde es vorziehen diesen rührenden Moment mit Ihnen gemeinsam zu feiern, doch das wird mir leider nicht möglich sein, nein, nein, nein. Stattdessen möchte ich Ihnen die Gelegenheit geben sich persönlich ein Bild davon zu machen, was sich in der letzten Nacht ereignet hat. Sie werden sicher bereits informiert sein, mein Ruf eilt mir ja bekanntlich voraus, ha, ha, ha.“
Seine Stimme wurde dunkler, er klang aufgebracht.
„Ist es nicht so? Die Wahrheit wird so gerne verrissen, verfälscht...nur damit...diese schlagzeilengeilen Journalisten etwas zu Schreiben haben...wie Hunde jagen sie unerbitterlich einem einzigen Stück Fleisch hinterher und ruhen nicht eher bis sie es er-legt ha-ben...doch lassen wir das.“
Die Kamera drehte sich und brachte ein blasses, von Narben entstelltes Gesicht, welches jedoch faszinierend, intensive Augen besaß, zum Vorschein. Mit einer Hand fuhr sich der Clown durchs Haar, bevor er mit bebender Stimme erneut ansetzte.
„Es ist ja nicht so, dass ich meine Wünsche und Vorhaben nicht klar genug angekündigt und ausgedrückt hätte...den Stimmen aus dem Untergrund werden leider viel zu wenig Gehör geschenkt...bis sie dann erdbebenartig an die Oberfläche stoßen, ha, ha, ha.“
Die Kamera begann erneut zu zittern. Eiskalter Schweiß rann meinen Rücken hinab. Wende den Blick ab, Cam!
„Diese Menschen starben nicht umsonst. Das faire Chaos allein hat ihr Schicksal bestimmt, es war nichts persönliches, niemand muss sich auf den Schlips getreten fühlen.“ Er gluckste. „Baaaatsy. Sollte dich das hier erreichen: Ich erwarte dich. Irgendwann müssen selbst Fledermäuse zur Ruhe kommen...ha, ha, ha.“ Erneut wurde die Skyline eingeblendet.
„Und vergesst nicht; niemandem wird etwas geschehen, ich bin ja schließlich kein Terrorist...hihahaha."
Von einem heftigen Lachanfall geschüttelt, fuhr es sich mit der Zunge über die Lippen.
„Oh nein...das bin ich wirklich nicht. Ich stelle klare Forderungen und erwarte, dass diese erfüllt werden, wer würde nicht gelegentlich ein wenig überreagieren?“
Flinke Hände eingehüllt in violett-farbene Lederhandschuhe führten einen geschickten Kartentrick vor.
„Und übrigens...ich vermisse eine von denen hier. Denn auch wenn es den Anschein hat, ich besitze keineswegs ein Endlosrepertoire. Ich wäre dir also sehr verbunden, wenn du...“, seine dünne Fingerspitze berührte das Objektiv, „genau du, sie mir zurückgeben könntest, ha, ha, ha.“
Erneut brach er in schallendes Gelächter aus. Ich hatte so stark zu zittern begonnen, dass es mir so vorkam als würde der Boden unter mir vibrieren. Auch der Commissioner starrte entgeistert auf den flimmernden Bildschirm, welcher nun wieder eine Nachrichtensondersendung übertrug. Jegliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen.
Nach endlosen Sekunden des Schweigens erhob er sich und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen erhob auch ich mich. Ich verließ das Büro, den Trakt, das Gebäude und rannte. Ich rannte um mein Leben. Ich musste weg. Weit weg. Irgendwohin wo er mich nicht finden konnte. Willkommen zurück im Spiel.

Das Spiel

Ich sackte zusammen. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Wieso? Ich hätte zu Hause bleiben sollen in jener Nacht, ich hätte einfach friedlich schlafend den nächsten Tag erwartet und wäre niemals, niemals mit dieser Karte in Berührung gekommen. Doch es war zu spät. Ich besaß sie nun einmal und er forderte sie zurück. Würde er mich nicht finden, müsste ich es tun. Ich musste sie loswerden und zwar schnell.
„Verdammt ich weiß es doch!“ Meine Stimme klang gebrochen, tränenerstickt. Ich lehnte gegen diese schmuddelig-vermoderte Hauswand und starrte in die Ferne. Ich war zurückgekehrt. An jenen Ort, welcher mich auf solch geheimnisvolle und doch grausame Weise anzog. Das verlassene Fabrikgebäude sah in der hereinbrechenden Dämmerung sogar noch heruntergekommener aus, als ich es in Erinnerung hatte, die Skyline wirkte noch dekadenter. Ich erhob mich langsam. Griff zunächst in meine rechte, dann in die linke Hosentasche. In der einen Hand die Jokerkarte, in der anderen ein Feuerzeug. Ich wusste, dass ich es tun musste, er würde mich finden und dann...ich wollte es mir nicht vorstellen. Ich wusste um die ungeheure Wirkung, die er auf mich hatte, würde ich ihm aber erst gegenüber stehen...ich schüttelte mich vor Selbstverachtung und Ekel. Wie konnte ich nur so denken? Ich hatte offensichtlich nichts dazu gelernt. Doch es war mir egal. Mein Leben war eine einzige Katastrophe. Wieso noch danach fragen? Eine Mutter die einen nicht versteht, vom Vater verlassen, die Fixerfreunde weit, weit weg. Niemand würde sich mehr um mich sorgen, niemand meinen Verlust betrauern. Ich konnte mein Leben also voll auskosten, ich musste nach niemandem mehr fragen, konnte tun und lassen, was ich für richtig hielt. Mit einem leisen Klick entzündete sich das Feuer. Ich schritt in Richtung Kai, hielt das bereits kokelnde Objekt weit von mir weg, den langen Arm ausgestreckt. In dem Moment in dem ich es vollkommen den Flammen übergeben wollte, riss mich eine vor Erregung erstickte Stimme in die Realität zurück.
„Das würde ich an deiner Stelle nicht tun.“
Verschreckt drehte ich mich um, ließ die Karte fallen. Ich konnte nicht genau ausmachen woher die Stimme kam, wusste nur, dass sie unerträglich hoch und aufgebracht klang. Ich hörte ein Rascheln und entdeckte eine auf der Kaimauer sitzende, pralinenschachtel-bunt gekleidete Person. Das dünne blonde Haar zu zwei verspielten Rattenschwänzen zusammengebunden, der Oberkörper bedeckt von einer Korsage, auf welche riesige, schwarz-weiße Karos gedruckt waren und die große Puffärmel hatte. Die Korsage verlief in einen weit geschnittenen Rock, welcher einen niedlichen Spitzenunterrock besaß. Das Bild wurde abgerundet von einer ebenfalls schwarz-weiß karierten Leggins und glänzend-schwarzen Lederstiefeln. Alles in allem eine sehr niedliche wenn auch skurrile Erscheinung, wäre da nicht die im Abendrot bedrohlich glitzernde Waffe gewesen, die sie zwischen der rechten und linken Hand jonglierte. Lässig ließ sie ein Bein baumeln, das andere hatte die Frau angezogen und ihre behandschuhte Hand darum geschlungen.
„Unartiges Kind, ja, ja, ja. Versuch nicht es zu leugnen, Süße.“ Ich umklammerte das Feuerzeug als wäre es eine 12-Zentimeter Knarre und könnte mich vor jeglichem Unheil bewahren.
„Mr. J wäre sehr wütend, oh ja. Was hast du dir nur dabei gedacht?“
„Wer sind...?“ Sie sprang hinab und kam langsam, jedoch mit unübersehbarem Stolz auf mich zu. Mein Atem stockte. Meine Lunge gefror zu Eis. Gleichzeitig war mir so heiß, dass ich glaubte zu verbrennen. Ich hörte ein leises Knistern. Das Feuer hatte sich von selbst gelöscht, ein verbrannter Grashalm flog in die Nacht hinaus, weit über das Hafenbecken hinweg.
„Du bist also die kleine Göre, die heute Mittag bei den Cops war, nicht wahr?“ Sie stand nun unmittelbar vor mir, ich konnte ihren heißen Atem spüren.
„Nein, nein, nein, seeehr ungezogen. Für wen arbeitest du, hm? Du stielst Mr. J’s Visitenkarten, hütest sie wie deinen Augapfel und dann...so etwas! Schließlich hast du nichts Besseres zu tun, als bei der nächsten Gelegenheit brav zu Onkel Gordon zu laufen und ihm von all deinen Beobachtungen zu unterrichten.“
„Ich hab versucht diesen Wahnsinn zu stoppen, ich...“
„Oh, das hat die Fledermaus auch gesagt...und ähm...sieh dir doch an, was aus ihr geworden ist.“
„Da! Nehmen Sie ihre verdammte Karte und lassen Sie mich in Ruhe. Bringen Sie sie zu ihrem Mr... J?...und vergessen sie’s okay? Ich werde niemals...“ Sie hatte die Hände um meine Arme gelegt, ein stechender Schmerz durchzuckte mich.
„Verschwinden Sie!“, kreischte ich, „Sie haben doch alles, alles was Sie wollen. Nehmen Sie das verdammte Ding und verschwinden Sie!“ Sie drehte sich um. Ihre Rattenschwänze peitschten mir beinahe ins Gesicht, ich vernahm einen kalten Luftzug.
„Wieso denn so aufgebracht, Liebes, hm? Beruhige dich doch. Wovor fürchtest du dich? Es gibt keinen Grund zur Sorge...“ Sie löste sich von mir, stieß mich von sich und geistesgegenwärtig fuhr ich herum, um nicht im Wasser zu landen. „... nicht heute...“
Ohne einen weiteren Blick darauf zu verschwenden, ließ sie die Spielkarte im Staub zurück, drehte sich um und verschwand in der gerade hereingebrochene Dunkelheit. Unfähig eine weitere Bewegung zu machen, starrte ich mit weit geöffneten Augen ins Leere. Das Spiel hatte begonnen...und ich war seit dem heutigen Tag mehr denn je darin involviert...

Das Gordon-Mädchen

Es hatte zu regnen begonnen. Nächtlicher Regen beruhigte mich auf irgendeine Weise, auch wenn er dieser gottverdammte Gegend noch einen viel intensiveren Grauton verpasste. Nichts stimulierte mich mehr als das leise Pochen an den zersprungenen Scheiben, dieser herrliche beißende Geruch des feuchten Asphaltes. Süßer Duft des Triumphes. Ich sog ihn in mir auf, als wäre er mein Lebenselixier. Mit angewinkelten Beinen auf der zersprungenen Fensterbank sitzend beobachtete ich dieses...Gesindel beim Abendessen. Und ja, sie teilten sich die Nadeln. Brüderlichkeit ist hier das oberste Gebot. Einzig Zusammenhalt sichert in diesem Milieu das Überleben oder eben das gemeinsame Dahinsiechen. ha, ha, ha. Ich strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Zufriedenheit...tiefe Befriedigung. War es das wonach sie strebten? All diese zivilisierten Menschen? Eine innere Befriedigung? Ich fürchtete es beinahe. Ich nahm einen letzten, kräftigen Zug und drückte die Zigarette an der völlig verdreckten Fensterscheibe aus.
„Boss? Es gibt da jemand der Sie sprechen möchte!“ Rasend aufgrund dieser unverblümten Störung sprang ich auf, war mit einem Satz bei ihm.
„Und wieso sollte mich das kümmern?“
„Sie sagt es sei etwas Wichtiges. Es geht um das Gordon-Mädchen.“ Meine Miene erhellte sich. Frisches Blut durchflutete meine Adern, ließ mich klarer denken, erheiterte mich.
„Lass sie nicht warten!“
„Na los, na los, na los beeil dich!“ Ich beendete meinen Satz mit einem schlangenartigen Zischen aus Zorn über derartige Trägheit. Er hechtete los, verschwand in der Dunkelheit und tauchte dann mit einem zierlichen, sich in geduckter Haltung befindenden Geschöpf schattenspielähnlich zurück ins Neonlicht der Deckenstrahler. Ich musterte die Gestalt. Das Licht tauchte sie in goldene Farben und enthüllte ihre Identität. Als sie sich näherten traute ich meinen Augen kaum.
Harley?“ Ich brach in schallendes Gelächter aus, schüttelte mich, bebte gar vor Belustigung. „...du bist zurückgekehrt. Mein lieber, kleiner Harlekin hat mich also doch nicht für immer verlassen, hm?“
„Nein, Mr. J. Das habe ich ganz sicher nicht. Und ich bin gekommen um Sie zu begleiten...Ihnen zur Seite zu stehen.“ Ich lachte noch lauter, meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich kam auf sie zu, zog ihr Gesicht näher an das meine heran.
„Harley, du liebenswertes, kleines Ding. Hast du dir das auch gut überlegt, hm? Auf ewig mit Papa J? Du musst wissen ich leite kein Asylum, wie jenes, das du kennst und dem du dein ganzes Herzblut geopfert hast.“
Was auch immer mit der prüden Harleen Quinzel aus Arkham geschehen war, das hatte ich sicherlich nicht erreichen wollen. Eine devoter Schatten ihrer selbst war sie geworden, widerstandslos würde sie sich ergeben, sich allem beugen, was ihr aufgetragen.
„Oh ja, Mr. J!“, ihr Wangen röteten sich, „hielte es doch auf ewig!“
Doch vielleicht, schoss es mir durch den Kopf, würde sich diese Neuerung noch als nützlich erweisen. Die Umstehenden schienen belustigt, woraufhin ich ihnen mit einem vernichtenden Blick klar machte, sie sollen verschwinden. Sogleich verließen sie den Raum, strömten zu allen Seiten nach draußen. Ich machte einen weiteren Schritt auf sie zu, ich konnte ihren heißen Atem spüren, ihren angenehmen Duft förmlich schmecken. Sie schloss für einen Moment die Augen. Vorsichtig legte ich meine Fingerspitze auf ihre Lippen. Sie keuchte leise auf.
„Und was sollte mich dazu veranlassen, dich auf ewig an meiner Seite ertragen zu wollen, Liebling?“
„Das Gordon Mädchen... ich kann Ihnen so viel über sie erzählen, Mr. J.
„Dann fang doch einfach mal an.“ „Ich war unten am Kai als ich...das hier fand.“ Ein Ausweis. Es schien, als hatte die süße Harley doch etwas gelernt.
„Sie hat Ihre Karte! Ich habe sie dabei erwischt, als sie sie vernichten wollte! Sie wollte sie einfach vernichten!“ Ihre Stimme hatte einen hysterisch hohen Tonfall angenommen.
„Ganz ruhig, Liebes. Ich bin sicher, du konntest sie davon abhalten?“
„Natürlich Mr. J, natürlich!“ „Das ist Papas Mädchen.“ Ich grinste zufrieden und fuhr ein weiteres Mal über ihre Lippen. Obwohl ich meine violetten Handschuhe trug, spürte ich, wie weich sie waren. Erneut schloss sie die Augen. Dann sprach sie weiter.
„Ich schaffte es ihn aus ihrer Tasche zu fischen.“
„Gooblyn hm?...interessant.“ Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft öffnete sie die Augen.
„Sie war böse, sie hat uns verraten uns alle! Sie ist es nicht wert die Karte zu besitzen, Mr. J, nicht wert!“ Erneut waren die letzten Worte mehr ein Kreischen als eine verständliche Aussage.
„Ist ja schon gut, Harley. Sie besitzt sie nicht mehr, richtig? Also geh und hol sie!“ Meine Stimme hatte sich verfinstert. Nun wollen wir ihre Loyalität einmal auf die Probe stellen...
„Aber woher wissen Sie...?“
„Hättest du sie besessen, wäre dies dein größter Trumpf gewesen, nicht wahr? Du hättest sie mir als Zeichnen deiner Treue sofort ausgehändigt. Und nun...fehlt dir sozusagen das Ass im Ärmel...ha.ha.ha.“ Angsterfüllt blickte Harley mich an, während ich sie wegstieß. Dann rappelte sie sich auf und eilte fort.
„Unartiges Kind...tz, tz, tz. Komm nicht ohne sie zurück.“ Mit Nachdruck machte ich ihr mein Anliegen klar.
„Ja, Mr. J.“ Fluchtartig, stürzte sie hinaus und verließ sie die Halle. Zu beiden Seiten betrat meine Gefolgschaft den Raum. Entgeistert starrten sie ihr hinter.
„An die Arbeit.“

Fahrplanänderung

Ich hatte sie einfach zurückgelassen. Ob diese Entscheidung richtig oder falsch gewesen war, war mir egal. Ich musste fort. Wieder einmal. Wie oft war ich schon um mein Leben gerannt, seit ich in Gotham angekommen war? Ich konnte es nicht mehr zählen. Heilung, Trost und Ruhe sollte mir dieser Ort bringen...dass ich nicht lache! Es war mehr als die blanke Panik. Es war die Gewissheit, dass er es wusste. Dass er wusste, dass ich es war. Und er würde mich nicht aufgeben. Ich wusste es, ich spürte es. Irgendetwas sagte mir, dass es besser war zu rennen. Und zwar schnell. Ich musste es nur nach Hause schaffen, dann würde ich entfliehen. In den Schlaf. Tröstend und wärmend. Vielleicht würde er mich töten. Das war mir egal. Besser als diese Angst, dieser Verzehr tief in meiner Seele. Meine Mom...er dürfte sie nicht kriegen, führte ich ihn doch genau zu ihr. Doch wo sollte ich hin? Erneut ins Department? Ich konnte niemandem mehr trauen, am allerwenigsten mir selbst. Würde ich mich wieder bei der Polizei melden, hätte er einen neuen Anhaltspunkt, könnte mich vielleicht sogar orten, denn eines war gewiss: dort gab es einen Maulwurf. Ich eilte die Stufen hinab in den Untergrund. Das tägliche Treiben schien unverändert, wenn auch gespannt, nervös, gehetzter als gewöhnlich. Immer wieder sahen sich die Menschen besorgt um, ganz so, als erwarteten sie etwas Unheilvolles. Kurze Zeit Später erhaschte ich eine Bahn und versuchte mich so unauffällig wie möglich zu einer freien Bank zu bewegen. Wohlmöglich irrte ich mich. Wohlmöglich war dieses Mädchen ein fanatisches Copy-Cat gewesen und hatte keinerlei Kontakte zu ihm. Vielleicht wusste er nichts von mir und meinem Aufenthaltsort. Die Subway raste geräuschvoll viele Meter unter Gotham dahin. Es war beruhigend, befreiend. Ich lehnte mich zurück. Ein Fenster über mir war geöffnet und auch wenn es nur der muffige Geruch des nachtschwarzen Tunnels war, erfrischte mich der Fahrtwind. Ich schloss die Augen. Es würde alles gut werden. Ich machte mir zu viele Sorgen. Diese Frau hatte vollkommen den Verstand verloren, wohlmöglich machte sie sich einen Spaß daraus, Hafenarbeiter zu belästigen. Mit einem Mal hörte ich einen Schrei, die Bahn stoppte.
„Verdammte Scheiße, wer von Ihnen hat nun schon wieder den Nothahn betätigt?“ Der genervte Kontrolleur, trat aus einem toten Winkel hervor und machte sich auf den Weg zum Zugführer. Das Licht flackerte und erlosch schließlich gänzlich.
„Meine sehr verehrten Fahrgäste der U23, Ihr Zug wird sich voraussichtlich um einige Minuten verspäten, hahaha.“ Aus den Lautsprechern, welche überall im Wagen angebracht waren drang eine hysterische, kalte Stimme. Mein Atem gefror zu Eis. Die Menge rückte enger zusammen.
„Bitte bewahren Sie Ruhe!“, rief einer der Sicherheitsleute.
„Ihr solltet besser tun, was er sagt, wir wollen doch nicht, dass jemandem etwas zustößt...nein, nein, nein.“ Er hat mich gefunden.
„Sie alle befinden sich zurzeit in einem stickigen, sauerstoffarmen und völlig luftundurchlässigen Tunnel in Gothams Untergrund...und zu allem Überfluss ist das nette, kleine System ausgefallen... Ich mache es also kurz: in diesem Zug gibt es eine gewisse Camilyn Moore, wenn diese sich also bitte zu erkennen geben würde...“
Es klang gelangweilt, beinahe so als habe sie bei einem Gewinnspiel mehrere tausend Dollar gewonnen und die Summe immer noch nicht abholt, sodass der Gewinn innerhalb der nächsten Tage an eine dritte Person ausgezahlt werden würde. Ich biss mir auf die Lippen, versuchte mir nichts anmerken zu lassen und sah zum Fenster hinaus. Vielleicht würde er mich nicht bemerken.
„Camilyn? Hast du mich nicht gehört? Andererseits...wenn du möchtest, dass du mit all den lieben Bürgerlein zu Grunde gehst, bitteschön. Im.wahrsten.Sinne.des.Wortes. hihahaha.“
Kalter Schweiß rann meinen Rücken hinab, es gab keinen Ausweg. Ich saß in der Falle. Und niemand wusste das besser als er.
„Wisst ihr diese Welt ist ja so egoistisch. Die süße Camilyn hier könnte euer Leben retten, stattdessen riskiert sie es nicht ihr eigenes zu gefährden. Was liegt mir daran? In diesen Tunneln sieht man ja die Hand vor Augen nicht...und der nächste Zug kommt bestimmt...“
Ich konnte das Schluchzen eines kleinen Mädchens vernehmen, der sich unter dem beinahe bodenlangen Mantel der Mutter zu verstecken versuchte. „Verdammt“, schrie ein korpulenter Mann aus dem hinteren Teil des Zuges,
„Camilyn, geben Sie sich zu erkennen.“
„Wir können sie doch nicht einfach ausliefern“, wand eine brünette Frau ein.
„Dann werden wir alle sterben!“, schrie ein älterer Mann mit Krückstock und einem speckigen, beigen Hut.
„Ach ja ich vergaß zu erwähnen, dass, sollte es durch verhängnisvolle Wechselwirkung der Kollision zweier vollbetanken Züge Widererwartens zu keiner Explosion kommen, habe ich natürlich bereits vorgesorgt. Es wird also in jedem Fall ein Abschlussfeuerwerk geben, keine Angst hihahaha!“
Ich konnte sie nicht sterben lassen, ich musste es tun. Ich hatte es insgeheim ja immer gewusst...gewusst wie es enden würde. Er hatte mich ausgewählt, lange bevor ich die Jokerkarte gefunden hatte. Es war mir vorbestimmt gewesen ihm zu begegnen. Doch wollte ich wirklich für den Tod all dieser Menschen verantwortlich sein? Ich dachte an Mom während ich mich zitternd erhob. Ich hatte ihr so viel Leid zugefügt, nun würde es mein Tod sein, der sie erneut tief in die Depression stürzt. Und wieder war es allein meine Schuld. Meine Hände waren eiskalt, ich atmete tief ein, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
„Ich bin Camilyn.“
In diesem Moment ruckte die Bahn, fuhr dann aber in gewohntem Tempo weiter. Ich fiel zurück, wurde unsanft gegen eine der Türen geschleudert, welche sich sogleich ruckartig öffnette. An der nächsten Haltestelle drängten sich erneut Menschen in den Zug. Alle Augen waren auf mich gerichtet. Ich verstand nicht. Niemand verstand. Plötzlich verpasste mir irgendetwas einen Stoß und ich kam der Länge nach unsanft auf dem Bahnsteig auf. Ich spürte kaltes Metall an meiner Schläfe, zwei grobe Hände meine Arme verschränken.
Als ich nach Luft schnappen wollte, keuchte auch mein Entführer laut auf, sein Griff lockerte sich, was mir die Chance gab sich seinen großen, totbringenden Händen zu entwinden. Eh ich mich versah lag ich am Fuß einer Rolltreppe vor mir eine Menschentraube, kreischend, schreiend und flüchtend, ich fürchtete bereits man würde sich gegenseitig zertrampeln, als ich eine mannsgroße Fledermaus entdeckte, welche sich einen erbitterten Ringkampf mit einem wahren Kollos lieferte. In seiner Hand entdeckte ich die Waffe, die noch vor wenigen Sekunden meinen sicheren Tod bedeutet hätte. Die Fledermaus verstand es den Riesen mit wenigen Schachzügen bewegungsunfähig zu machen, ließ ihn außer Gefecht gesetzt am Gleis zurück, stürzte auf mich zu und riss mich mit sich. Die Menge kreischte, eine wahre Massenpanik brach aus. Die Augen weit aufgerissen, die blanke Panik in Ausdruck und Haltung hatte jeder nur noch eines im Sinn: Das eigene Überleben. Kinder gingen beinahe völlig in der Menge unter, weinend und klagend versuchten sie verzweifelt auf sich aufmerksam zu machen. Die Erwachsenen keiften, rangelten. Sogar Handys und Kameras waren gezückt worden. Ich versuchte mich zu befreien, kämpfte, strampelte. Der Fledermausmann festigte seinen Griff jedoch, sodass ich gezwungen war, die Tortur hilflos über mich ergehen zu lassen. Der Lärm des U-Bahn Schachts schmerzte stetig in meinen Ohren als endlich die stechend kalte Nachtluft meinen Rachen ausfüllte. Unfähig mich zu bewegen, oder auch nur einen Atemzug zu tätigen, wurde mein wehrloser Körper durch die Dunkelheit gewirbelt. Dem Ersticken nahe wurde ich schließlich unsanft in den Staub geworfen. Ich konnte das Geräusch vorbeirauschender Züge über mir vernehmen, ebenso wie das aufgeregte Hupen und die Laute der Martinshörner in der Ferne. Riesige Stahlträger über mir- eine Brücke. Ich musste mich in der Nähe des Hafens befinden. Der erbärmliche Gestank um mich herum untermauerte meine These. Eine schwarze Gestalt bewegte sich mit schnellen Schritten auf mich zu, das Knirschen der Kieselsteine verriet ihre Ankunft. Zaghaft berührte ich meine Lippen, welche zu bluten begonnen hatten. Salzig-frisch schmeckte die rote Tinktur die sich zu beiden Seiten meines Kinns ausbreitete.
„Ich wusste doch, dass die Ader deiner krankhaften Zivilcourage wieder zu pochen beginnen würde, Batsy.“ Er war hier. Ich sah Schatten, vernahm ein tiefes Schnauben.
„Das hier ist eben deine größte Schwäche, es zu leugnen wäre zwecklos!“ Das schreckliche Geräusch dumpfer Schläge drang an mein Ohr. Reglos, offenbar überwältig vom plötzlichen Auftauchen des Angreifers, blieb die Fledermaus liegen. Der zweite Schatten beugte sich nun über den leblosen Körper und flüsterte leiste:
„Und soll ich dir was verraten? Es ist auch die meine.“ Alles was ich in völliger Dunkelheit ausmachen konnte, waren dunkle Schatten und die grün-braune Kloake, die sich in unmittelbarer Nähe meines bewegungsunfähigen Körpers ihren Weg bahnte. Wieder hörte ich Schritte, dann spürte ich eine behandschuhte Hand mein Kinn umklammern, es langsam anheben.
„Na, Kleines? Viel Cabosh um nichts, wie ich immer zu sagen pflege, was? hahaha.“ Ich spürte seinen heißen Atem auf meiner Haut, meine glühende Stirn begann zu brennen, die Schmerzen waren so unerträglich, dass es mir schwerfiel die Augen offen zu halten.
„ Tut mir übrigens Leid, dass du den Umweg über den Berufsverkehr nehmen musstest!“ Er gab ein unkontrolliert-hysterisches Kichern von sich. Unsere Körper bebten unter seinem festen Griff.
„Hätte es gerne reibungsloser hinter mich gebracht.“ Ich hob meine Hand um die seine von meinem Gesicht zu entfernen.
„Na, na, na.“ Mit der linken Hand strich er sanft über meine Wange, mit der anderen fixierte er immer noch mein Kinn.
„Hast du die hier schon mal gesehen, hm? Kommt sie dir bekannt vor, hm?“ Er hielt das unheilvolle Stückchen Papier welches ich noch vor wenigen Stunden verzweifelt loszuwerden versucht hatte direkt vor mein Gesicht.
„...ja. Und ich denke...“ presste ich hervor. Ich musste es irgendwie schaffen zu atmen, ohne würgen zu müssen. „ich denke, das wissen Sie auch!“ Zorn schwang in meiner Stimme.
„Ich habe es jedem erzählt. Ich teilte es jedem mit, indem ich zu unvorsichtig war, ja zu ehrlich!“
„Das ist das harte Los unserer Gesellschaft. Indem du dich an Werten wie Aufrichtigkeit festklammerst bringst du es nicht weit, Honey. Oh nein.“ Ich hob meinen Blick. Zum ersten Mal sah ich nun in seine Augen. Es war, als träfe mich der Schlag. Die unergründlichen Höhlen, so kalt und doch so tiefgründig blickten sie mich an, den Ausdruck gespannt und voller Energie. Ein Blitz durchfuhr mich, ich zitterte am ganzen Leib. Eine plötzliche Übelkeit überkam mich, sodass ich mich losreißen musste um diesem, meinem Schicksal nicht direkt aufs Jackett zu kotzen. Ich spürte seine Hände meinen Rücken berühren und mich erneut aufrichten. Ich wischte den Mund ab, wobei das Blut, welches immer noch zu Strömen mein Gesicht übergoss meinen Ärmel tiefrot färbte.
„Jaja. Die Erkenntnis dessen ist schmerzhaft. Wirklich nicht leicht zu ertragen, oh nein. All dieses Gerede von Ehrlichkeit und Moral...ich meine, sieh dir Batsy da drüben an.“ Er nickte in Richtung des Fledermausmannes, welcher immer noch regungslos dalag. Er hat versucht mich zu retten...
„Er ist ein Gejagter, ein Ausgestoßener...dabei war alles, was er immer erreichen wollte, genau das, was sie alle vorgeben zu wollen. Gerechtigkeit und Ordnung. Wie laaangweilig!“ Er gähnte theatralisch.
„Ist es nicht so?“ Sein Tonfall war deutlich aggressiver geworden, ich spürte einen erneuten Stich, sein Griff hatte sich gefestigt.
„Der Batman ist ein Freak. Er zerstört sich durch seinen Hass und seine Unfähigkeit sich einzugestehen, dass Selbstjustiz ihn zu seinen grausamen Taten treibt. Nichts anderes.“ Er schüttelte sich unter heftiger Erregung, Genugtuung, offenbar im Glauben, seine Worte fänden Anklang. Dann zog er mein Gesicht näher an das seine. Ich konnte seine dick aufgetragene Schminke riechen, roch seinen Atem, seinen Körpergeruch, Schweiß, Rauch, Dynamit. Eine süßliche Mischung, totbringend, vernichtend und doch...anziehend. Ich wollte mich losreißen, wohl wissend, dass ich nicht in der Lage war, auch nur eine Bewegung zu machen. Er leckte sich über die rubinroten Lippen ehe er fortfuhr:
„Ich meine, du hast sie gesehen. Kaum fühlen sie im Geringsten ihr ödes Leben bedroht, mutieren sie zu einer Stampede wilder Tiere. Animalisch, kannibalisch und anarchisch, oh ja. Übrigens kennst du den König der Löwen? Hihahaha.“ Ein kalter Schauer jagte den nächsten. Ich konnte nicht mehr klar denken, flehte, betete, dass es aufhörte, dass die Fledermaus erwachen und mich befreien würde. Oder ich selbst, wie sie am Boden liegend, nichts mehr spüren müsste, kein Leid, kein Schmerz, dem ewigen Glück entgegen sehend. Irgendwo hin, weit weg von hier. Der stinkende Abfluss lockte Ratten an, welche sich überall um uns versammelten, bewegten sich auf die leblose Gestalt im seichten Wasser zu und begannen an ihrer Kleidung zu knabbern. Kein Zweifel, der Batman war...tot.
„Aber lass uns das nicht weiter diskutieren...zumindest nicht an einem Ort wie diesem.“
Er entfernte sich langsam, schritt gemächlich ins veralgte Wasser, sodass sein bodenlanges Jackett beinahe bis zu den Knien in der Kloake versank. Ich erhob mich hastig, machte aber keine Anstalten die Flucht zu ergreifen. Er würde schneller sein. Ich wusste zwar nicht wie aber er würde schneller sein. Er beugte sich zaghaft über die in der Dunkelheit versinkende Gestalt stich sanft über seinen Anzug. Meine Knie gaben nach, ich war nicht länger fähig mich auf den Beinen zu halten, mein Kreislauf brach völlig zusammen. Alles was ich noch wahrnahm war völlige Schwärze um mich herum und die allgegenwärtigen Martinshörner in der Ferne.

Der fast perfekte Augenblick

Es hätte eine solch schöne Nacht werden können. Doch was hätte sein können, war nun nicht mehr wichtig. Das leise Knirschen der Kieselsteine hinter mir, signalisierte mir, dass sie zusammengebrochen war. Ich hob die Hand, fuhr langsam über seinen nachtschwarzen Anzug. Ich wollte diesen Moment auskosten, sog die mit Exkrementengestank verseuchte Nachtluft ein, als sei sie mein Lebenselixier. Dann beugte ich mich über die geschlossenen Augen der Fledermaus und stich sanft über ihre Wangen. Das Messer gezückt, setzte ich die Klinge an und fuhr langsam über seine Lippen. Dann durchdrang die Schneide seine Mundwinkel. „Zaubern wir ein Lächeln auf dein Gesicht, Batsy. Glaub mir, du hast es in diesen Tagen nötiger denn je.“ Ich tätschelte ihm die reglose Hand. Mit einem Mal fuhr er hoch. Grün-Braune Brühe vernebelte meine Sicht, brannte in meinen Augen, in meinem Mund. Mein Körper wurde völlig eingenommen von den vernichtenden Fluten und ich genoss es. Selbst hier, selbst in der geräuschlosen Unterwasserwelt konnte ich mir ein schallendes Lachen nicht verkneifen. Hände packten mich und zogen mich zurück an die Oberfläche.
„Du hättest sie nicht retten dürften, Batsy. Ich sage es dir gerne noch einmal. Dann wäre dir dieser Ärger erspart geblieben.“ Hilflos hing ich an seiner starken Brust.
„Und würdest du mir bitte das...“ Ein belebender Schmerz durchzuckte meine Glieder und schleuderte mich zurück ans Ufer. Auch der Batman erhob sich, war mit einem Satz am Ufer, packte das Mädchen und blickte mich an.
„Niemals...“ Er ließ das Messer über die blanken Kiesel zu mir hinübergleiten. Ich verzog die Mundwinkel zu einem Grinsen. Eine Welle der Wollust durchfuhr mich. Also doch. Dann verschwand er in der Nacht. Ich sank zu Boden, kugelte, kringelte mich vor Lachen.
„Also doch Batsy.“ Mein Gelächter schallte wider, von Brückenpfeilern, Schiffscontainern und Fabrikhallen.
„Oh ja du brauchst es...du bist dem ganzen genauso sehr verfallen, wie ich."

In die Haut gebrannt

Ich spürte ihr schwach schlagendes Herz an meiner Brust. Ein immer größer werdender Fleck färbte ihre Bluse dunkelrot. Ich hatte versagt. Schmerz durchfuhr meinen Körper. Unfähigkeit. Ich hatte es nicht schaffen können, sie zu schützen, genauso wenig wie ich die Stadt vor einem weitern Ausbruch des totalen Chaos bewahren hatte können.
„Master Wayne?“
„Schnell Alfred! Hol Verbandszeug und Kompressen!“
„Master Wayne, was...?“
„Bitte!“ Ich sah ihn flehend an. Seine sanften, alten Augen verrieten mir Verwirrung und Besorgnis. Behutsam trug ich sie zum Sofa und legte sie der Länge nach hin. Der Fleck breitete sich immer mehr aus, er wuchs sekündlich.
„Master Wayne, was ist geschehen?“ Ich konnte Alfreds Stimme dicht hinter mir vernehmen. Ich antwortete nicht, sondern trat zur Seite, damit er das Mädchen verarzten konnte. Alfred hatte seinen Zivildienst im Lazarett der U.S. Amerikanischen Truppen absolviert und auch wenn dieses Ereignis außerordentlich lange zurücklag, wusste er doch noch genau, was er tat. „Keine Schusswunde?“, fragte ich besorgt.
„Nein, Master Wayne. Kein Einschussloch, keine Kugel. Es ist eine Schnittwunde. Sehen Sie nur!“ Er deutete auf einen tiefen Schnitt, wenige Zentimeter oberhalb ihrer Brust, welcher sich vertikal nach unten zog.
„Ein Zeichen?“
„Oder eine versteckte Nachricht...“
„Eine ziemlich schlecht versteckte...“ Alfred knöpfte die Bluse weiter auf. Schon bald trat das gesamte Werk des Clowns in Erscheinung.
„Ein J?“
„Er hat sie gekennzeichnet...gebrandmarkt.“
„Wie grausam.“ Nachdem Alfred Pennywood die Blutung vorübergehend gestoppt hatte, säuberte er die Wunde provisorisch.
„Es wäre besser gewesen Sie hätten sie in ein Krankenhaus gebracht...es ist doch etwas länger her, seit ich das hier das letzte Mal...“
„Um zu riskieren, dass wieder einmal eine reizend-hochexplosive Krankenschwester ihren Weg kreuzt? Glaub mir, Alfred. Vom General habe ich genug. Sie bleibt vorerst hier.“
„Master Wayne...“ Ich wusste, dass es fahrlässig war, dass es meine Pflicht gewesen wäre, sie Profis anzuvertrauen. Doch ich konnte nicht sicher sein, was der Joker vorhatte. Nur eines war unwiderlegbar deutlich geworden: er hatte sie zu einer seiner Spielfiguren gemacht, indem er sie als die seine brandmarkte. Ich hatte mich fortgedreht, blickte hinab auf das endlose Meer aus Gebäuden, Straßen und der Autos.
„Was passiert hier Alfred?“ Er gab keinen Laut von sich. Zum ersten Mal in meinem gesamten Leben antwortete mir mein Haushälter, Berater und treuer Freund nicht auf meine Frage. Immer hatte er mir Trost und Verständnis gespendet. Doch heute war es anders. Ich widerte ihn an, ich wusste es. Ich selbst widerte mich an. Ich verschränkte die Arme über dem Kopf es war so furchtbar hell trotz der tiefen Dunkelheit in welche mich die Nacht hüllte. Ich brach völlig zusammen. Lichter, überall, Stimmen...eine Stimme...Alfred. Als ich erwachte lag ich auf einem strahlend weißen Bett. Wie viel Zeit war vergangen? Stunden, Minuten oder doch nur Sekunden? Ich versuchte den Kopf zu heben um nach einer Uhr zu suchen.
„Ruhen Sie sich aus, Master Wayne.“
„W...wie?“
„Es geht ihr besser. Sie wird bald wieder auf den Beinen sein.“ Ich schloss die Augen. Erleichterung strömte aus jeder Pore meines Körpers. Ich musste nicht für einen weiteren Tod verantwortlich sein.
„Sie wissen, was nun zu tun ist?“ Ich nickte. Ich wusste es besser denn je. Er würde es nicht wieder schaffen, nicht noch einmal. Es musste ein Ende haben. Ich hatte mich lange genug vom Department ferngehalten. Es war Zeit für einen Besuch bei Gordon, keine von uns würde es allein schaffen. Erneut schloss ich die Augen und schlief ein, nur so, das wusste ich nun, war es mir möglich meinen Frieden noch zu finden.

Mrs. Moores Klage

„Sie müssen sie doch gesehen haben“, ihre Stimme klang ungewöhnlich hoch, Tränen strömten zu beiden Seiten ihrer Wangen hinab, das Telefon in der rechten Hand zitterte fürchterlich. „Ich möchte sofort wissen, was Sie mit meiner Tochter gemacht haben, ich will wissen, wo mein Mädchen ist!“
„Ma’am, hören Sie, ich sagte Ihnen doch bereits...“
„Es ist mir egal, was Sie sagen. Ich möchte wissen, wo meine Tochter ist. Zuletzt befand Sie sich in Ihrer Obhut, was ist mit ihr geschehen?“
„Commissioner Gordon war in dieser Sache der leitende Ermittler, ich kann Ihnen...“
„Dann stellen Sie mich zu ihm durch! Ich möchte ihn auf der Stelle sprechen!“
„Ma’am, der Commissioner befindet sich in einer wichtigen Besprechung er ist zurzeit...“
„Dann werde ich mich eben vor Ort über den Verbleib des Commissioners informieren ich werde auf der Stelle...!“
„Ma’am!“ Der Scham darüber, die Beherrschung verloren zu haben, war ihm deutlich anzumerken. „Ich bitte Sie, Ma’am, wir alle verstehen Ihre helle Aufregung, wir selbst sind in einem tiefen Loch der Verzweiflung und Angst gefangen, aber bitte, bitte glauben Sie nicht, wir würden nicht alles tun, um Ihre Tochter ausfindig zu machen! Sie wissen nicht wie viele Leute in den letzten Tagen bei uns anriefen, in Panik, ihre Tochter, ihr Sohn, ihr Partner könnte auf dem Nachhauseweg von der Schule, vom Kino oder der Arbeit verschwunden sein...bitte geben Sie uns etwas Zeit. Und ich flehe Sie an glauben Sie nicht, was die Medien Ihnen versuchen zu vermitteln. Wir sind keineswegs tatenlos, wir sehen weder einfach zu, noch haben wir uns gar mit dem Feind verbündet. Wir sind schlichtweg rat- und machtlos. Doch wir werden alles daran setzten, diesen Wahnsinn zu stoppen. Bitte, glauben Sie mir das. Auch meine Mädchen befinden sich jeden Tag auf dem Heimweg...“, er holte für einen kurzen Moment Luft, ein schweres Seufzen, das sich mehr nach einem Schluchzen angehört hatte, war am anderen Ende der Leitung zu hören, „er rottete bereits unser halbes Präsidium aus. Ich werde nicht zulassen, dass er meine Familie bekommt...“

Im kalten Morgenlicht...

Die Dämmerung war bereits hereingebrochen, als sie sich auf dem Dach des Gotham Police Departments begegnet waren. Sie hatten sich lange und trostspendend umarmt. Es war das Wiedertreffen alter Freunde gewesen, die aus unerklärlichen Gründen viel zu lange voneinander getrennt worden waren. Sein Cape wehte in der kühlen Nachtluft, Nebelhörner, Sirenen und Abgasgestank umgab sie selbst hier oben, selbst in solch schwindelnder Höhe. Gordon hatte sich einen Schritt von ihm entfernt, offensichtlich in Sorge, die Degradation zum Schwerverbrecher könnte wohlmöglich doch ihre Spuren hinterlassen haben. Es schien gar, als schäme er sich in sein Gesicht zu sehen, überwältigt von Schuldgefühlen und tiefer Bewunderung.
„Sie befindet sich nun in meiner Obhut.“ Die Stimme des Batman war rau und einschneidend wie seit jeher.
„Aber was ist mit ihrer medizinischen Versorgung?“, es beunruhigte den Commissioner zutiefst über die möglichen Folgen einer unterlassenen Hilfeleistung nachzudenken. „Ich sorge dafür.“
„Sie können sie nicht allein versorgen. Es benötigt Expertenteams um schwerwiegendere Infektionen auszuschließen!“
„Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe alles unter Kontrolle.“
„Ich bitte Sie...“
„Wollen Sie ihm wieder die Gelegenheit bieten, sich in eines der Krankenhäuser einzuschleusen um es schlussendlich dem Erdboden gleich zu machen? Glauben Sie mir, dieses Mädchen ist keinesfalls eines seiner gewöhnlichen Opfer. Er hat sie gezeichnet...grausam entstellt. Ich weiß nicht, was mit ihr geschehen ist, kann nur erahnen welche psychischen Qualen sie erlitten haben muss. Sie ist nun sicher, vorerst. Diese Sicherheit kann ich jedoch nur garantieren, wenn sie in meiner Obhut bleibt.“ Er zögerte.
„Also gut.“ Gordon seufzte. Er stützte sich auf den metallenen Rand des völlig Zerstörten Bat-Signals, welches sich nach wie vor in einer in den Nachthimmel ausgerichteten Position befand. Scherben lagen überall verstreut, niemand war seit dem Bruch mit der Fledermaus je wieder hier oben gewesen. Der Commissioner blickte auf
„Ich bin froh, Sie wieder als Partner begrüßen zu dürfen.“
„Nun ja, ich hoffe Ihnen ist klar, dass sie somit dem meist gesuchten Kriminellen der Stadt Zutritt zu Ihrem Team gewährt haben.“ Er zwang sich zu einem gequälten Lächeln. Eines muss man ihm lassen, dachte Gordon, Galgenhumor hat er ja. Sie reichten sich die Hände und schüttelten sie symbolisch.
„Lassen Sie uns also so schnell wie möglich beginnen. Jede untätige Minute verhilft seinem kranken Geist zu neuer Inspiration.“

Für immer dein


„Mr. J, Mr. J?!“ Langsam schlug ich die Augen auf. Über mir ein rundes, angeschwollenes Gesicht, welches mich aus großen roten Augen anstarrte.
„Mr. J, ich habe überall gesucht...nirgends konnte ich sie entdecken. Es ist ganz furchtbar Mr. J. Es tut mir so leid.“ Ich musste nicht erst richtig wach werden um zu verstehen, wovon sie sprach. Natürlich hatte sie sie nicht entdecken können. Bereits vor Stunden hatte ich mich selbst über den Verbleib meiner Besitztümer vergewissert. Als ein viel größeres Problem würde es darstellen, sich ihrer erneut zu entledigen, sie war mir doch zu lieb und teuer für irgendwelche schmutzigen Geschichten, ja das war sie mir in der Tat, armer kleiner Harlekin, hahaha. „Das stellt uns durchaus vor ein Problem, Harley.“ Mein abrupter Aufschwung hatte sie zurückzucken lassen. „Oh Mr. J!! Ich wollte nicht, dass das passiert, ich wollte es nicht.“ Dicke Tränen kullerten ihre Wangen hinab.
„Wie konntest du das nur zulassen, du dummes Kind? Du hast mich schwer enttäuscht, oh ja, Harley, das solltest du wissen!“ Ich hatte die Stimme gehoben, sie von mir weggestoßen. Ich genoss es, mit ihrer Devotion zu spielen, sie war so verwundbar naiv, ein herrliches kleiner...Spielball.
„Mr. J.“ Sie ließ sich nun zu meinen Füßen auf den Boden fallen. „Ich habe versagt, verzeihen Sie mir, Mr. J, ich habe es nicht mit Absicht gemacht. Es wird nie mehr geschehen, ich verspreche es!“
„Es geht hier nicht darum, ob es noch einmal geschehen würde, Harley. Deinem Versagen werde ich nicht noch eine zweite Gelegenheit geben Fuß zu fassen! Ich habe dich um einen überaus simplen Gefallen gebeten und was tut dieses unartige Gör? Ich sollte das nächste Mal wirklich jemand anderen in solch vertrauliche Angelegenheiten einweihen...“
„Nein!“ Sie klang hart und bestimmt. Genau so wie ich es erwartet hatte. Ich bückte mich zu ihr hinab, hob ihren Kopf sanft von dem völlig verdreckten Erdboden auf und blickte direkt in ihre verheulten und angsterfüllten Augen.
„Wieso bist du zurückgekommen?“
„Weil ich hierher gehöre.“ Ohne das geringste Zögern waren ihr diese Worte entwichen und mit einem Mal befand sich ein beinahe fanatisch ergebenes Glitzern in ihrem Blick.
„Ich werde immer bei Ihnen sein, Mr. J, denn das, nur das ist meine Bestimmung.“ Vorsichtig strich ich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Für einen kurzen Moment streifte meine Hand ihre schweißnasse Stirn, was sie unter dieser Berührung zusammenzucken ließ. Dann hob ich sie sanft auf einen der umstehenden Stahltische. Ihr Kopf sank sogleich in eine demütige, beschämte Haltung, sie vermied es, mich anzusehen. Den Rock verdreckt, die Rattenschwänze beinahe völlig aufgelöst glich sie mehr einer Schaufensterpuppe als einem lebendigen Wesen. Auch ihre Wangen waren nicht gerötet wie sonst, sondern denen einer Toten sehr ähnlich, bleich und hohl. Sie saß dort, so unschuldig und doch zutiefst verdorben, dass es mir eine Genugtuung war sie anzusehen. Sie war von Kopf bis Fuß mein Werk, sie war mein. Ich näherte mich ihr erneut, streifte meine Handschuhe ab, zückte ein im Licht der aufgehenden Sonne erwartungsvoll blitzendes Rasiermesser. Sie hob den Blick und beobachtete neugierig meine Handlungen. Dann näherte ich mich gemach und bedacht, wie ein Raubtier, das seine Beute anvisiert. Mit einem Finger fuhr ich langsam ihre schmale Schulterpartie entlang, schob dann den Puffärmel ihres Kleides ein Stück weit hinab. Sie gab einen undefinierbaren, leicht animalisch anmutenden Laut von sich. Unter der Berührung der kalten Schneide erneut zusammenzuckend, streifte ich schließlich den gesamten Ärmel hinab und entblößte somit ihre porzellanfarbene Schulter. Sie schloss die Augen, begann immer schneller und schwerer zu atmen.
„Bist du mein Mädchen, kleiner Harlekin?“
„Ja, oh ja, das bin ich!“
Mit einer Welle tiefer Befriedigung bearbeitete meine vor Erregung zitternde Hand ihr noch jungfräuliches Fleisch mit der scharfen, funkelnd silbernen Klinge.

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JaneDoe

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BeitragThema: Re: ...and I can show you how to harm   Sa Mai 28, 2011 11:49 am

Ihr Lieben,

nun ist es bereits über ein Jahr her, dass ich diese Geschichte, welche anfänglich als eine kleine Ablenkung in großer Langeweile began zum Leben erweckt habe, ich schrieb daran, wann immer mir ein wenig Zeit und Muse zuteil wurde und kann nun mit Stolz sagen, sie vor über zwei Monaten abgeschlossen zu haben.
Es ist ein Ende, welches ich von vorne rein geplant habe, Anfang und Ende sind meist schon da, am Zwischenstück lässt sich häufig noch feilen Razz
Ich postete diese Fanfic auch auf zahlreichen anderen Plattformen, aber ihr wart immer die ersten, welche den neuen Teil zu Gesicht bekamen und so soll es nun auch mit diesem Ende sein.
Ich wünsche euch, wie immer, viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass euch dieser "Abgang" gefällt und ihr "...and I can show you how to harm" in guter Erinnerung behalten werden. (und sie nicht zum Albtraum eurer schlaflosen Nächte wird lol!)

xx
Eure Jule



Musikalische Inspirationen und Musen in Zeiten der Schreibblockade:

Hollywood Undead _ Swan Songs
AFI _ Sing the Sorrow, Love like winter
Rihanna _ Rated R
Saliva
30 Seconds to Mars
Run it! _ Ich weiß nicht wieso und schäme mich xD
eminem_ insbesondere Recovery
A perfect circle_ Leitthema "Passive"
Disturbed_ Indestructible
Cobra Starship
Collide_ Chasing the ghost
Placebo
Linkin Park
Crazy_ Katie Noonan
Marylin Manson
Emilie Autumn
Ella Edmondson
Skylar Grey_Coming home







Gebrandmarkt

„...das war es in der Tat“, er zwinkerte und zauberte seiner Gegenüber ein Lächeln auf die Lippen.
Es war die erste Regung seit Stunden. Alfred Pennywood war nur allzu froh darüber, verglichen mit all den Mühen, die er gehabt hatte sie zu beruhigen, sie davon abzuhalten sich an die letzten traumatischen Stunden zu erinnern, die dunklen Schatten zurückkehren zu lassen. Master Wayne würde niemals davon erfahren. Es würde ihm Sorgen bereiten. Und davon hatte er im Augenblick bereits mehr als genug.
„Was für eine schöne Geschichte“, ihre Gedanken drifteten ab. „Ich habe niemals solche wunderbaren Dinge erlebt.“
„Kopf hoch, Miss Moore“, er strich ihr sanft über den Rücken, „die Dämmerung wird bald, schon sehr bald anbrechen.“
Sie blickte ins Leere, tief in Gedanken versunken hatten ihre Augen einen tiefblauen, leblosen Ausdruck angenommen.
„Ich kann nicht bleiben, Alfred.“
„Das verstehe ich.“ Trotz Bruce Waynes ausdrücklichen Anweisungen hatte er nicht vorgehabt, sie je länger als bis zu ihrer Genesung in ihrem Penthouse festzuhalten. Sie musste ihren eigenen Weg gehen, sie würden sie nicht beschützen können, auch wenn Master Wayne nichts davon hören wollte. So war es bereits bei Rachel Daws gewesen. Am besten ließ man seine Traumwelt unberührt, hatte er doch bereits genug Grauenvolles erlebt.
„Sie können gehen, wann immer Sie wollen.“
„Ich fühle mich schon so viel besser, ich danke Ihnen sehr.“ Alfred hatte sie neu eingekleidet, ihr einen alten Collegepulli überlassen und ihre Jeans ausgebürstet. Von der krebsroten Narbe auf ihrer Brust wusste sie jedoch noch nichts und es war besser, entschied er, wenn dies möglichst lange so blieb. Sie würde es früh genug erfahren.
„Camilyn, Ihnen ist klar, dass Ihnen etwas zu Teil geworden ist, das noch niemand zuvor zu Teil wurde?“ Sie schwieg.
„Ihnen ist hoffentlich auch klar, dass es sich hier um die Wahrung eines großen Geheimnisses handelt, dessen Enthüllung den Untergang Master Waynes, ja, ganz Gothams bedeuten könnte.“ Die Brünette nickte zaghaft.
„Deshalb bitte ich Sie niemandem, nicht einmal sich selbst jemals die ganze Wahrheit dieser Angelegenheit zu offenbaren. Batman handelte recht , doch wäre es niemals recht, was die Menschen aus seinen Taten machen würden. Seien Sie sich dessen bewusst!“ Sie nickte abermals.
„Vielen Dank...für alles, was sie für mich getan haben.“
„Es war mir ein Vergnügen, Miss Moore.“ Sie stand auf, patrollierte vor der gigantischen Fensterfront, wie schon am Abend zuvor bereits Bruce Wayne getan hatte.
„Wissen Sie, Alfred, ich kam her um Ruhe zu finden, einen Neuanfang zu wagen...“
„Ich weiß, was sie denken, Camilyn.“ Er blickte sie, auf dem cremefarbenen Ledersofa sitzend, verständnisvoll an. „Würden Sie Gotham vor fünfzehn, ja vor zehn Jahren sehen, Sie würden es nicht wiedererkennen.“
„Es ist meine Schuld, dass wir hier sind. Ich habe meine Mutter und mich in Gefahr gebracht und nun bringe ich auch Sie in Gefahr.“
„Das ist der Lauf der Dinge. Doch wir können ihren Lauf verändern, indem wir versuchen sie zu lenken.“
„Doch wie, Alfred? Meine Welt ist völlig aus den Fugen geraten!"
„Oh glauben Sie mir, Miss Moore, die unsere ebenfalls, die unsere ebenfalls...“ Während er etwas Unverständliches murmelte schritt er zu ihr hinüber, öffnette ihre Hand und legte ein kleines, pergamentfarbenes Stück Papier hinein.
„Nehmen Sie das.“ Dann führte er sie zum Aufzug.
„Leben Sie wohl, Alfred.“
„Leben Sie wohl, Camilyn.“ Sie umarmten sich ein letztes, inniges Mal, bevor Alfred, der den Aufzug gerufen hatte, zur Seite trat und den Weg freigab. Während sich die chromenen Türen schlossen, öffnette Camilyn behutsam die von Alfred hinterlassene Botschaft. Lauf!

Ich öffnette die Tür und fiel in ihre Arme. Ich weinte heftig, schluchzte bitterlich. Auch sie strich mir mit zitternder Hand über den Rücken.
„Camilyn, ich habe mir solche Sorgen gemacht. Ich dachte...“, ein heftiger Schluchzer überwältigte sie, „ich dachte, ich hätte dich für immer verloren.“
„Mama, es tut mir so leid. Ich wollte nicht...“
„Psssst.“ Sie legte mir sanft den Finger auf die Lippen. Minutenlang standen wir ins einer tiefen Umarmung da. Die Zeit verstrich und es wurde Abend, dann brach ein neuer Tag an. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Ich wollte einfach nur so verharren, sie für immer festhalten, vergessen, welch grausames Schicksal mir widerfahren war.
„Ich habe die Polizei informiert. Du bleibst hier, Cam. Wir verlassen Gotham, wir verlassen diesen Ort. Ich werde keine Minute länger hier...“
„Wir müssen bleiben!" Meine eigene Aussage überraschte mich. Wieso hatte ich das gesagt, wir müssen weg hier, weg... Doch was auch immer hier geschah, ich konnte diese Stadt nicht verlassen, nicht jetzt.
„Was redest du das, Cammy? Du bist ja völlig durch den Wind, ist ja auch kein Wunder...“ Sie drückte mich sanft aufs Sofa.
„Mom, wir können nicht verschwinden!“
„Ich will dich nicht verlieren.“ Erneut standen salzige Tränen in ihren Augen. „Ich würde es mir nie verzeihen dich...“ erneut brach ihre Stimme.
„Mom, vertrau mir. Nur ein einziges Mal.“ Ich hatte die Hand auf ihren Arm gelegt. Mit einem Mal war ich wieder völlig gefasst und zielstrebig.
„Cammy...?!“
„Bitte.“ Sie sah mich an. Ihre geweiteten roten Augen waren der Spiegel einer langen, schlaflosen Nacht.
„Ich kann nicht zulassen, dass...“
„Mom...ich flehe dich an, vertrau mir.“ Sie seufzte, verharrte einen Augenblick.
„Nun gut mein Kind, ich vertraue dir, ich vertraue dir."
Sie drückte mich erneut an sich und trotz dieses Liebesbeweises wusste ich, dass dem nicht so war.
Wir hielten uns und wieder verstrichen Stunden, Minuten, Sekunden. Es war wie in einem Zeitraffer, niemand würde je genau sagen können wie viele Augenblicke wirklich vergangen waren. Sie war eingeschlafen, hing regungslos in meinem Arm. Langsam legte ich sie auf der Couch nieder, stand auf und schritt behutsam ins Badezimmer. Ich fror fürchterlich, mein Körper bebte, während meine Zähne klapperten und mit leisem Knacken die Stille durchbrachen. Ich zündete eine Kerze an, die sich auf einem Sideboard gegenüber des Waschbeckens befand. Langsam streifte ich meine Kleidung ab, bewegte mich zielstrebig auf die Dusche zu. Warmes Wasser, das war es, was ich nun brauchte. Das flackernde Licht der Kerze enthüllte meinen nackten und ausgelaugten Körper. Er war völlig zerstört, am Ende. An den Schultern traten die Knochen deutlich hervor und die Armbeugen waren bis zur Unkenntlichkeit vernarbt. Dann fiel mein Blick auf etwas rubin-rotes, von dunkler Kruste umgeben wand es sich meinen Oberkörper hinab wie eine Schlange. Es schmerzte fürchterlich, brannte, durchzuckte meine Brust, als wolle es mein Herz herausreißen.
Ich schrie, doch im selben Moment verstumme ich, sank zu Boden. Ich begann zu zittern, meine Lippen bebten. Ich rollte mich auf dem kalten Fußboden zusammen, zog die Beine an. Der lauwarme, leicht modrige Duft, welchen der Boden absonderte durchströmte meine Lunge. Ich würde erfrieren, schoss es mir durch den Kopf, ich würde sterben. Mein Körper brannte und gleichzeitig glaubte ich einen eiskalten Todeskuss zu empfangen. Langsam strich ich mit dem kleinen Finger über die noch frische Wunde. Flach atmend, hielt ich die Luft für einen Moment an. Es war zu spät. Er hatte gewonnen. Ich war sein. Mit Haut und Haaren.

Der perfekte Plan eines Hundes, der Autos jagt.

War es das pulsierende Leben unter mir, oder schlicht und einfach meine gute Stimmung, die mich heute zu kreativen Höchstleistungen anspornte? Ganz egal, denn das war es, wofür es sich zu leben lohnte, auch wenn ich nie sehr viel auf diesen Umstand gegeben hatte. Ich sog die kalte Nachtluft ein, belebend, durchdringend und inspirierend. Es reichte nicht aus. All dies reichte nicht aus. Ich hatte es immer noch nicht geschafft jeden einzelnen dieser erbärmlichen Spielfiguren aufs Feld zu locken. Ich konnte nicht länger warten, konnte nicht mehr darauf hoffen, dass sie den Weg alleine fanden. Ich schritt auf und nieder, auf und nieder, beobachtete meine Schritte, machte Halt, blickte auf, lief weiter. Ich hatte genug. Es konnte nicht mehr weitergehen. Ich würde sie leiten müssen, sie an die Hand nehmen und führen. Doch wie, wenn sie sich meinem unausweichlichen Griff immer und immer wieder entwanden? Es musste einen anderen Weg geben.
„Mr. J?“ Ich wand mich um.
„Mein kleiner Harlekin, es ist sehr unhöflich Daddy in seinem Gedankenfluss zu unterbrechen, wer weiß, vielleicht wäre ihm eine nette kleine Idee für den Abend gekommen?“
„Es tut mir leid, Mr. J.“ Beschämt ließ sie den Kopf sinken. Ich schritt auf sie zu.
„Heute, mein Kleines, wirst du Zeuge der größten und eindrucksvollsten Spiele, das dieser Stadt jemals zuteilwurde.“ Sie blickte langsam auf, unterwürfig und doch zugleich erwartungsvoll.
„Was wird es sein, Mr. J?“ Ungeduldig hüpfte sie von einem Bein auf das andere. Ich lächelte.
„Na na na, wer wird denn so neugierig sein, hm? Kleiner Harlekin, du wirst dich noch ein wenig gedulden müssen, denn wie sagt man so schön, gut Ding will weilen, nicht wahr?“ „Natürlich, Mr. J, natürlich.“ Wieder neigte sie den Kopf zur kieselbedeckten Erde.
„Ich verrate dir nur so viel; Ich habe eine offenkundige Schwäche für Forschung und Medizin. Und wie du weißt ist es mein tiefstes Anliegen diese Stadt von Langeweile und der daraus hervorgehenden Seuche zu heilen...da ließe sich bestimmt etwas arrangieren...“ Ich gluckste beim Anblick ihrer verwirrten Züge. Mich wunderte es lange nicht mehr, dass in Arkham immer wieder Patienten an einer Überdosis der ihnen verabreichten Medikamenten starben. Bemerkenswert kompetentes Personal, das musste man dieser Nervenanstalt lassen...
„Du darfst also gespannt sein!“ Führte ich meinen Monolog fort, befeuchtete meine Lippen und kehrte ihr den Rücken zu.
„Halt dich bereit.“ Ich wandte mich um, von plötzlicher Wut erfüllt, spürte sie meinen Körper durchzucken.
„Nun geh!“ zischte ich und lauschte ihren sich entfernenden Schritte. Gesindel.

Die Klage der Fledermaus

„Nein, das ist nicht möglich.“
„Sie ist einfach verschwunden, ich war einige Minuten in der Küche, wollte ein kleines Abendessen vorbereiten und...“
„Das ist nicht möglich! Alfred wie konntest du sie nur gehen lassen? Wieso hast du nicht besser aufgepasst?!“
„Master Wayne, bitte beruhigen Sie sich, es geht ihr bestens, sie ist wieder wohlauf.“
„Er hat sie gebrandmarkt. Verstehst du, was das heißt? Er wird sie suchen, er wird sie finden und zu einer seiner Spielfiguren machen und sie wird nicht etwa ein Springer sein, sondern seine Dame, sein Ass im Ärmel!“
„Master Wayne, wir alle müssen unsere eigenen Wege gehen, sie wird es schaffen, ganz sicher.“
„Was redest du da? Ich habe Gordon und die Sondereinheit benachrichtig, sie alle werden sich für den Kampf gegen ihn wappnen und du lässt seineFiguren einfach so laufen? Ich habe dich gebeten auf sie Acht zu geben, ich habe dich angewiesen sie nicht aus den Augen zu lassen. Verstehst du denn nicht? Wenn er sie findet und sie zu der seinen macht, wird sie ihm alles erzählen können, wir werden nicht die geringste Chance haben, diesen Wahnsinnigen jemals zu vernichten. Es wird genau das eintreten, was er immer prophezeit hat. Die Meute wird sich auf mich stürzten, sie wird mich zerfetzen. Diese zivilisierten Menschen werden sich gegenseitig fressen!“
Es schockierte ihn zutiefst, dieses, seine Prophezeiung ausgesprochen zu haben. Doch er hatte Recht gehabt, mit allem hatte er Recht gehabt. Er durfte nicht noch einmal Recht behalten. Alfred sah besorgt und zugleich tieftraurig drein.
„Ich habe sie gehen lassen, Master Wayne.“
„Was?!“
„Ich habe sie gehen lassen, weil es ihre einzige Chance ist zu fliehen. Sie hier zu behalten, das würde sie nur noch mehr in die Sache involvieren. Das dürfen wir nicht zulassen!“
„Hier wäre sie sicher gewesen!“
„Nein, das wäre sie nicht. Der Joker tauchte einmal hier auf, denken Sie er würde es nicht auch ein zweites Mal tun? Sie muss laufen, sie muss verschwinden, das allein ist ihre Chance!“ Bruce ließ sich auf das die Bettkante fallen. Er hatte jegliches Gefühl in den Beinen verloren, wischte sich mit einer Hand den Schweiß von der Stirn. Dann ließ er einen tiefen, klagenden Seufzer verlauten.
„Bisher habe ich deinen Rat immer sehr geschätzt und ich vertraue dir mein Leben an, das weißt du. Ich werde es auch diesmal tun. Doch bitte Alfred, sag mir, was soll ich deiner Meinung nach tun? Wie soll ich mit dieser Schuld leben?!“ Wieder schwieg sein Freund und Berater. Der Fledermausmann vergrub den Kopf in den Händen.


Die Gezeichneten

Der Wind durchdrang meine poröse Haut, unablässig, unweigerlich und unbeugsam. Ich hatte einige Schritte getan, hatte mich zögernd umgesehen, den Weg überdacht, den ich im Begriff war einzuschlagen. Doch ich tat es. Tief in meinem Inneren wusste ich, ich musste es tun. Er diktierte mich zu sich, wie eine innere Stimme, wie eine Berufung kam es mir vor und doch, ich war unweigerlich vom ersten Moment an der Überzeugung gewesen, dass es so kommen würde. Oder nicht? Ich konnte mich nicht mehr erinnern, doch nun schien es so als führten alle Wege, alle Straßen gleichermaßen zu einem einzigen Ziel. Ich hatte keine Wahl, ich hatte sie noch niemals gehabt. Also tat ich es. Als ich die Tür schloss hörte ich Mom geräuschvoll atmen. Ich würde niemals zurückkehren. Nicht einmal eine Notiz hatte ich hinterlassen; Ich war eine fürchterliche Tochter. Doch das war jetzt egal. Ich musste es tun. Ich wollte es tun, er rief mich zu sich, ich würde zu einer der seinen werden. Ich hatte das, was man weitläufig als Verstand bezeichnete, längst verloren.

Lange schon hatte ich sie kommen sehen, hatte sie gewittert, mit Haut und Haaren. Sie war ein solch einfach gestricktes Muster gewesen. Der Batman hatte nichts tun können, dies war ihm klarer als jedem anderen. Er hatte die Sache nur unnötig hinausgezögert, aber das war nun nicht mehr von Bedeutung. Da stand sie, den Blick aufrecht, die Schultern gespannt, ihre Haltung verriet Würde und Stolz. Das war es, was ich von ihr verlangen würde, ihr Leben lang und das war es, was vielen von ihnen fehlte. Ihre Augen glühten, durchbohrten mich, zollten mir Respekt und Dank. Ihre Haut war nicht annähernd so porzellanfarben wie Harleys ebenso wenig wie das mahagoninfarbene Haar. Sie waren Gegensätze durch und durch und doch waren sie sich so ähnlich. Sie teilten eine entscheidende Eigenschaft und diese Eigenschaft war es, die ich gedachte zu pflanzen, gedeihen zu lassen und schließlich in vollen Zügen auszuschöpfen.
„Du bist zurückgekehrt.“ Ich hatte niemals vorgehabt viele Worte zu verlieren und so war es mir nur Recht, dass sie, gegensätzlich zu Harley, ihre Gedanken und Gefühle zu kontrollieren wusste, ihr Mundwerk im Zaum hielt und nur leicht den Kopf beugte um mir zu signalisieren, dass meine Annahme sich bewahrheitet hatte. Ich gebot ihr einen Schritt näher zu kommen. „Du weißt, warum ich dich verpflichtet habe?“ Sie nickte abermals. Ich strich ihr sanft über die Wange. „Ich weiß, warum du hier bist, Liebes. Wir, du und ich, sind Gezeichnete. wir sind Aufgestoßene“, ich entblößte ihren vernarbten Unterarm.
„Wir teilen unsre tiefsten Wunden und das ist es, was wir ihnen demonstrieren werden. Auch diese Stadt wird ihre Narben davontragen, oh ja, das wird sie, und es beginnt heute Nacht.“
Sie sank zu meinen Füßen und begann zu schluchzen. Ich hielt ihre zitternde Hand in der meinen.

Kein Weg zurück

„Ich habe es Ihnen schon mehrfach gesagt, Sie müssen sich kooperativ zeigen, Sie haben keine Wahl!“ Der Commissioner schnaubte wütend, schlug geräuschvoll mit der Faust auf den Tisch. „Ist es Ihnen lieber, ein Phantom zu jagen oder das augenscheinliche Böse zu bekämpfen? Es drängt sich unweigerlich in den Vordergrund und es ist Ihre Aufgabe, Ihre Bürger nach bestem Wissen und Gewissen zu schützen. Vergessen Sie den Aberglauben, blicken Sie in die Zukunft, die, sollten Sie nicht augenblicklich handeln, eine sehr dunkle sein wird!“ Anthony Gracia blickte vorsichtig von seinem Schreibtisch auf. Er zog es vor, sich hinter meterhohen Aktenstapeln zu verschanzen um der Person, die vor ihm stand, nicht direkt in die Augen sehen und so seine Unsicherheit und Ausweglosigkeit preisgeben zu müssen. Der Geruch nach schwerem Papier und Druckerschwärze beruhigte ihn unweigerlich.
„Der Batman ist ein Krimineller. Welches Gefühl wird es den Menschen geben, wenn wir ihm die Verfolgung seiner Gleichen gestatten? Wird man uns für Verräter halten, für Meuchler? Man wird uns als bestechlich bezeichnen, wenn nicht als Auslieferer unsrer eigenen Bürger.“
„Genau das werden Sie werden, wenn der Batman nicht im Spiel ist. Verstehen Sie denn nicht? Niemand, außer ihm ist auch nur ansatzweise im Stande, diesen Mann irgendwie zu erreichen. Er ist ihm vertrauter, als jedem von uns, wenn man bei einer solchen Persönlichkeit überhaupt von Gedankengängen sprechen kann. Ich bitte Sie, ja ich appelliere an Sie, auch im Sinne Ihrer Bürger, erlösen Sie den Batman aus der Verbannung, geben Sie ihm eine Chance uns zur Hilfe zu kommen!“
„Und wie soll ich das tun? Wir wissen rein gar nichts von diesem selbsternannten Rächer, diesem Fledermausmann. Was, wenn er uns hintergeht? Was wenn er Sie hintergeht? Was, wenn er sich dem Joker anschließt und sie uns gemeinsam vernichten? Woher soll ich wissen, dass wir ihm vertrauen können? Herrgott, wieso sollte ich Ihnen noch länger vertrauen, nun da Dent fort ist?!“
Der Commissioner zog bei der Erwähnung Harvey Dents reflexartig eine Augenbraue nach oben. Nun war es an Bürgermeister Gracia die Faust auf die harte Schreibtischplatte zu schlagen. Gordon wandte sich zu Gehen. „Sie haben keine Wahl.“

Der Regen fiel unbarmherzig und totbringend hinab. Es war kalt geworden, eisig. Bald würden die ersten Flocken fallen. Die Tropfen brannten sich in seine Haut, in seinen von schwarzem Leder geschützten Körper, doch es war nicht die Kälte, die ihn erschaudern ließ. Es war soweit. Wenn er es nicht schaffte, würde er es niemals schaffen. Er blickte in die Ferne, hinweg über die niemals schlafende, unter seinen Füßen bebende Stadt, die doch so viel friedlicher, soviel behaglicher schien, als sie es ihm grauen Tageslicht tat. Er war ein Geschöpf der Nacht, getrieben, gejagt, verfolgt und doch konnte er die Freiheit intensiver schmecken als der Rest der Welt. Seine Taten und Grundsätze, seine Gedanken und Beweggründe, sie alle waren frei und niemand konnte sie erahnen. Er schloss für einen Moment die Augen, atmete die belebende Nachtluft ein. Dann breitete er die Flügel aus und stürzte hinab in die Tiefe.

„Guten Abend, Sir.“ Anthony Gracia senkte ehrfürchtig den Kopf, vermied es aber abermals, dem Neuankömmling direkt in die Augen zu sehen. Gordon saß in einem dunkelblauen Ledersessel, einige Meter von der tiefschwarzen Fensterfront entfernt, die nur von wenigen fernen Hochhausfenstern erhellt wurde.
„Sie haben um meinen Rat gebeten.“
„Ja, das habe ich in der Tat.“ Der Bürgermeister war aufgestanden. „Auf wärmste Empfehlung des Commissioners.“ Er verwies kurz auf Jim Gordon, ohne sich die Mühe zu machen, seiner Stimme den Ausdruck tiefer Verachtung zu nehmen.
„Sie müssen wissen, dass es mir ganz und gar nicht gefällt Sie in all dies involvieren zu müssen. Aber es schmerzt ebenso sehr sagen zu müssen, dass wir nicht in der Lage sind, diesen Kampf alleine zu bestehen.“
„Sie müssen nichts erklären.“ Der Batman hatte sich nicht von der Stelle bewegt. Seit seiner Ankunft stand er nur wenige Meter im Raum, befeuchtete den Boden mit kalten Regentropfen. Es schien als bringe er mit einem Mal all die Kälte und Verwüstung dieser Welt in das warme, geborgene Büro. Die Blicke des Commissioners und die der Fledermaus trafen sich für einen Moment. Plötzlich sprang Gracia auf. Die beiden fuhren herum. Sein Blick war auf den kleinen Fernseher in der Zimmerecke fixiert, er drehte den Ton lauter.
„...Ihnen mitteilen zu müssen, dass es eine weitere Geiselnahme gegeben hat, Zeitpunkt und Aufenthaltsort sind bisher unbekannt.“
„Meine Damen und Herren“, eine kalte Stimme räusperte sich und schien ihre Gedanken zu sammeln. „...Sie alle haben es nicht anders verdient, das sei Ihnen zunächst einmal gesagt. Ich hoffe nun, dass wir uns nach diesem unschönen, kleinen...Zwischenfall wieder auf die wesentlichen Spielregeln konzentrieren können, doch Konsequenzen müssen folgen, jaja.“ Anthony Gracia hatte zu zittern begonnen, stütze sich auf seinem Schreibtisch ab und ließ einen kurzen Schrei vernehmen, als die Kamera weiterfuhr und einen sterilen, stechend-weißen Raum preisgab, in welchem sich Kühlfächer und Seziertische befanden- eine Pathologie. Auf einem der ausgefahrenen Bahren, auf der sich für gewöhnlich Tote befanden, saß ein junges Mädchen, etwa fünfzehn Jahre alt, das schwarze, glänzende Haar bedeckte beinahe gänzlich die eingefallenen, bleichen Wangen, die Arme hatte sie um die Brust geschlungen, zitternd vor Kälte. Die Kamera fuhr näher heran, während eine hysterische Stimme im Hintergrund lachte.
„Es ist dein großer Moment, Liebes. Teil ihnen dein Anliegen mit.“ Ihre kirschroten Lippen öffneten sich für einen Moment um bebend und in zitternder Stimme die Worte:
„Daddy, hilf mir!“ zu formen.

Das Totenbett

Sie blickte langsam und schwach auf. Ihr Kinn zitterte unter heftigen Tränengüssen, welche zu beiden Seiten ihrer Wangen hinabliefen.
„B...bitte, er kann nichts dafür. Das können Sie meinem Dad nicht antun. Er hat damit nichts zu tun.“
„Nichts damit zu tun sagst du, hm...?“ Sie lachte glockenhell.
Ihre Rattenschwänze wippten auf und nieder während sie, den Blick unablässig auf dem von langen dunklen Haaren umrahmten Gesicht geheftet, von einem auf das andre Bein hüpfte.
„Dein Daddy ist der Bürgermeister Gothams, und da willst du immer noch behaupten all diese Vorkommnisse ließen ihn völlig kalt? Du solltest ihr wirklich besser kennen, Darling, ambitioniert wie er ist!"
„Aber was soll er schon ausrichten können? Er und all die anderen...sie können nichts gegen diesen Wahnsinn tun. Sie haben keine Chance.“
„So spielt das Leben, Sweety. Und in ihrer Unfähigkeit haben sie sich an einen Mann gewandt dem sie weder vollends vertrauen, noch restlos durchschauen können...“ Ihr Blick hob sich. „...den Batman...“ Sie zog dieses Wort genüsslich in die Länge, sodass man den Eindruck haben konnte, es befinde sich ein Kaugummi in ihrer porzellanfarbenen Hand. „Zunächst verurteilen sie ihn und dann schließen sie ein Bündnis mit ihm, jaja das ist der Lauf der Dinge. Und noch in dieser Nacht wird er uns allen zeigen, wer er wirklich ist. Der Batman wird sein wahres Gesicht enthüllen!“ Sie erwiderte nichts. Sie fand keine Worte um ihre Angst, ihr Entsetzten und ihren stummen Ekel ausdrücken zu können.

Ich zitterte, ich fror, ich hatte Todesängste, Verzweiflung machte sich in meiner Brust breit, blanke Panik. Doch am meisten fürchtete ich um meine Eltern. Was würde mein Daddy tun wenn er wüsste, was mit mir geschieht? Würde man ihn herbringen um mich sterben zu sehen? Würde man mich dazu bringen ihn sterben zu sehen? Allenfalls wurde er in eine Sache hineingezogen, die ihn in Gefahr brachte und es war meine Schuld. Eine feinzügige Hand umklammerte mein Kinn und brachte es gefährlich nah an das Gesicht der freudig grinsenden Person, welche mir gegenüberstand und deren Zöpfe in einem grausigen Reigen auf und nieder hüpften. Sadistisch lachte sie, als bereite ihr die Ausweglosigkeit meiner Situation tiefe Genugtuung. Immer wieder strich sie mir übers Haar, immer wieder glättete sie die Falten meines zerknitterten Anoraks. Plötzlich hörte ich ein Geräusch quer durch den Raum dringen und die Stille durchbrechen. Ich hatte davon gehört, dass man Geiseln für gewöhnlich die Augen verband und ich sehnte mich, ja ich lechzte nach einer Binde, nach einem Knebel, irgendetwas, was mich davon abhielt, auf Fragen antworten, das Geschehen mit ansehen oder hören zu können. Ich erbettelte die totale Isolation, die Flucht, die Taubheit. Ich wollte nicht, dass die Welt mitansah, was mit mir geschah, wie schwach ich war, mitansah, wie ich meinem Daddy Schande bereitete. Ich sah mich um und bemerkte zwei Personen den Raum betreten. Der Joker stieß die Frau, welche mich in den letzten Minuten „betreut“ hatte, unsanft beiseite und beugte sich zu mir hinab.
„Mach dir keine Sorgen, Liebes. Dein Daddy hat unsre nette, kleine Botschaft erhalten und wird bald hier sein um dich zu retten. Nein, besser noch, er wird dich retten lassen, er wird den Batman schicken um seine kleine Prinzessin zurückzuholen...“
„Den Batman?“, es kostete mich jegliche noch vorhandene Widerstandskraft ihm zu antworten. „Niemals! Der Batman ist ein Krimineller. Mein Vater steht für Gerechtigkeit und Ordnung dieser Stadt. Er würde niemals...“
„Du redest ja beinahe wie er, Kleines. Im Wahlkampf wärst du sicherlich ein nicht zu unterschätzender Trumpf hihahaha. Wie auch immer, der Batman ist ein strahlender Ritter in schwarzer Hülle, ha ha ha. Würdest du ihn kennen, nur halb so gut wie ich es tue, wäre es dir befremdlich so von ihm zu reden.“
„Dass Sie gut mit ihm auskommen ist sehr verständlich.“
„Wären wir nicht alle gern gesetzlos? Anarchie und Vogelfreiheit...das totale Chaos ist ein erstrebenswerter aber bedauernswerterweise nur temporärer Zustand, wenn wir nicht alle unsren Teil dazu beitragen, Kleines.“ Ich spürte plötzliche Übelkeit in mir aufsteigen, welche mich wie eine Welle überkam und ich erbrach mich auf seinem violett- farbenen Jackett.
„Wie kannst du es wagen?“ Die blonde Frau neben mir schrie schrill auf und schlug mir hart ins Gesicht, sodass meine Nase zu bluten began.
„Na na, Harley. Der Anzug war nicht billig, verstehst du?“ Er wandte sich wieder an mich.
„Fühlst du dich schuldig, deinem Daddy solche Sorgen zu bereiten?“ Ich blickte auf. Seine unergründlichen, kalten Augen durchbohren die meinen mit besonderer Intensität.
„Daddy hatte nie viel Zeit für dich, was? Er hat viel zu tun, hat keine Zeit sich um Kindereien zu kümmern...er hat wichtige Geschäfte zu erledigen, ja, ja, ja.“
Ich spürte wie sich meine Augen mit feuchter Tränenflüssigkeit füllten und hasste mich dafür. Alles wollte ich tun, nur diesem Monster nicht durch meine Reaktion Grund zur Annahme geben, dass seine Vermutungen der bitteren Realität entsprachen. Ich schloss die Augen. Weg, ich musste fliehen, musste verschwinden.
„Camilyn, würdest du bitte...“
„Ja, Mr. J.“ Der devote, willig-erregte Tonfall war mir fremd und doch erkannte ich ihre Stimme. Ich riss die Augen auf:
„Camilyn?!“ Ich sah meine Klassenkameradin, in der ich immer ein ebenso stilles wie höfliches und zuvorkommendes Mädchen gesehen hatte auf mich zuschreiten. Ihre Augen glitzerten, doch schien sie der Wahnsinn in einen noch nicht ganz so tiefen Sog gezogen zu haben, wie es bei der blonden Frau zu meiner rechten der Fall war.
„Camilyn, was tust du hier? Hilf mir, verdammt nochmal!“ Sie lächelte nur spitz, dann wandte sie sich ab.
„Es ist Zeit für unsre zweite Botschaft in der Nacht der Enthüllungen, Liebes.“ Der Joker sprach mit einer seidig-sanften Stimme, einem ganz anderen Tonfall, als er ihn vor wenigen Minuten gegenüber der Blonden an den Tag gelegt hatte. Dieser schien das nicht verborgen geblieben zu sein, schaute sie doch verstört drein. Ihre Augen glitzerten voller glühender Eifersucht, als sie ihren Auftraggeber Camilyns Schulter berühren, und sie so mit sanfter Gewalt zu einem der freien Seziertische geleiten, sehen konnte. Und plötzlich geschah es. Ich spürte einen kurzen, stechenden Schmerz in meinem linken Unterarm und wurde im nächsten Moment von einer lähmenden Ohnmacht heimgesucht, welche mich der Länge nach auf das eisige Totenbett sinken ließ.


Die letzte Chance


„.. spürt sie bereits die langsam dahinsiechende Existenz, welche sich in diesem Moment in ihren Venen ausbreitet...und sie wird den umso qualvolleren Tod finden müssen, wenn der Batman sich nicht binnen einer Stunde stellt.“
„Herrgott, tun Sie es endlich! Tun Sie irgendetwas!“ Anthony Garcia war über seinem Schreibtisch in hemmungsloses Schluchzen ausgebrochen, sein Oberkörper zitterte rhythmisch zu den markerschütternden Klagelauten, welche sich einen Weg durch seine Kehle bahnten.
„Mein Mädchen, mein kleines Mädchen, er wird sie töten, er wird sie töten, dieser Wahnsinnige...er wird sie töten!!“ Der Bürgermeister war in einem Anflug abgrundtiefer Verzweiflung aufgestanden und hatte einen der hellbeigen Vorhänge seines Büros heruntergerissen. Vor der großen Fensterfront kniend blickte er hinab.
„Ich muss etwas tun, ich werde ihn finden, ich werde nicht zulassen, dass er...“ Der Batman blickte auf. Die gesamte Zeit hatte er regungs- und wortlos zu Boden gesehen.
„Ich werde es tun.“
„Dann tun Sie es verdammt nochmal! Sie haben doch gehört, was er meinem Mädchen antun will. Gott, Herrgott, er wird ihr Leben auslöschen, er will uns auslöschen!“ Gordon blickte ebenfalls auf. Er hatte sich zur Seite des Bürgermeisters positioniert und sah diesen nun mitfühlend an.
„In Ordnung, ich werde die Sondereinheiten informieren, wir werden ihn finden, es gibt keinen Ort in Gotham an dem er...“ Er brach seine Stellungnahme abrupt ab und blickte dem Batman hinterher, welcher soeben den Raum verlassen hatte.
„Wir können ihm nicht trauen.“ Dicke Tränen rannen über das Gesicht Gracias, seine Unterlippe bebte. „Er ist ein Krimineller, er ist ein Ausgestoßener.“
„Er ist unsre letzte Chance.“
Gracia erwiderte nichts.

Als ich erwachte fühlte ich mich schwach und ausgelaugt. Meine Lebensgeister schwanden merklich und ich wusste, es würde nicht mehr lange dauern. Mein Haar war zu beiden Seiten über mein Gesicht gefallen und bildete nun einen undurchdringlichen und zugleich tröstenden Schleier. Das war also meine Art des Selbstschutzes. Ich spürte das Blut in meinen Adern schwinden, fühlte, wie man mir das Leben langsam auszuhauchen versuchte, wollte die Augen schließen, fliehen, bis ich eine kalte Hand auf meiner Wange ausmachte. Wohlmöglich hielt man mich bereits für tot und wollte nur noch einmal testen, ob man mir den Atem gänzlich geraubt hatte. Vermutlich war dies der Fall. Dies musste ein Traum sein. Bald war alles vorüber...

Ich hatte immer gewusst, dass dieser Tag einmal kommen würde. Nun war es soweit, es war an der Zeit für den maskierten sich zu offenbaren, die Maske abzulegen, der Welt zu zeigen, wer er wirklich war. Ich wusste dies wäre nicht nur das Ende Batmans, es war auch das meine. Einmal, nur einmal noch würde ich diesen Moment genießen, diese Stadt, die schon so lange darauf wartete, dass man die Karten auf den Tisch legte, den maskierten Rächer enttarnte, welcher sich Nacht für Nacht auf der Seites des subjektiven Selbstjustiz schlug. War es rechtens gewesen? Niemals. Ich sog die Nachtluft tief ein. Der Joker hatte es geschafft. Der Rächer würde abdanken, noch würde Bruce Wayne weiterhin existieren können. Er war zu weit gegangen. Damals hatte er Dent zur Spielfigur machen können, nun hatte der Joker ihn selbst auf das Spielfeld diktiert. Gracias Tochter würde nicht schuldlos ihr Leben verlieren, denn das war es, was ihr bevorstand, nachdem die Injektion des Jokers ihren Zweck erfüllt hatte. Er schüttelte sich vor Abneigung über die Perversion dieser Tat. Über die Perversion dieses Mannes, Kriminellen; Freaks. Es war vorbei. Er konnte dies nicht länger tun, Alfred würde es verstehen, er würde nicht länger auf seinen Rat vertrauen, er würde selbst handeln, denn er war es, der all das Unheil über Gotham brachte, nicht sein treu ergebener Freund und Berater. Dies war eine Sache zwischen ihm und dem Mann, der ihm in brutaler aber unleugbarer Weise die Augen geöffnet hatte, Recht oder Unrecht, kannte er nun ganz genau. Der Joker hatte Recht gehabt. Es widerte ihn an, so zu denken, doch es war die Wahrheit. Instinktiv tastete Bruce Wayne nach der Fledermausmaske und nahm diese von seinem Kopf. Er betrachtete sie lange, drehte sie in der Hand, strich sanft darüber, bevor er sich ein letztes Mal in den schwarzen Ritter verwandelte.

Der perfekte Wahnsinn

Ich hatte erwartet ihn hier oben anzutreffen und doch erfüllte mich sein Anblick mit tiefer Befriedigung. Er hatte mich nicht im Stich gelassen, mein alter Freund, oh nein, das könnte er nicht. Ich näherte mich langsam seiner schwarzen Silhouette und damit dem todbringenden Abgrund. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, mein strähniges, grünes Haar vernebelte mir für einen Moment die Sicht, welche ich im nächsten Moment wiederzuerlangen vermochte. Ich berührte sanft seine Schulter, seine Haltung führte mir seine Niedergeschlagenheit, seine Selbstzweifel vor Augen. Seine hängenden Schultern, sein dem Abgrund zugewandten Kopf, sein ausdrucksloser Oberkörper und doch wusste er, dass er das Richtige tat, dass ich das Richtige tat. Ich hatte gewonnen, er hatte es sich eingestanden, es war die Nacht meines Triumphs. Niemals hatte ich beabsichtigt, wirklich zu erfahren, wer der Batman war, niemals war es meine Intension gewesen sein möglicherweise enttäuschendes wahres Ich zu Gesicht zu bekommen, es war so viel...mysteriöser wie es war. Ich hatte gewonnen und er wusste es. Mehr als jemals zuvor hatte ich ihn in dieser Nacht ins Spiel um Leben und Tod involviert, mehr als jemals zuvor spürte er unsre tiefe Verbundenheit, meine Nähe, meinen nahenden Triumph, seine Niederlage, seine Ergebenheit, sein Eingeständnis. Dass es meine Versprechungen waren, die sich erfüllt hatten, dass es mein Spiel war, dessen Regeln sie alle erlegen waren, konnte er nicht mehr leugnen. In den letzten Wochen hatte es mehr als achtunddreißig Morde in Gotham City gegeben, das Chaos, die Verzweiflung und Angst herrschten auf den Straßen dieser Stadt und wie ich es prophezeit hatte, unterstützten sich die Menschen nicht, sie fraßen sich, wie wilde Tiere fraßen sie sich und verletzten sich, sie zerstörten sich gegenseitig. Das Gordon-Mädchen und die niedliche kleine Harley waren das gewesen, was als fehlende Puzzleteile meine Galerie vollendete. Harleen Quinzel, eine ebenso ambitionierte, wie biegsame Psychologin und die liebe Camilyn, deren tiefe Abgründe iniemand auszumachen vermochte und doch waren sie es, die sie letztendlich zu mir führten. Sie waren nur das Rohmodell der vielen verstümmelten Seelen dieser Stadt und sie gehören mir...hätte jemand erwarten können, wozu all dies führen würde? Nicht einmal ich selbst hatte dieses Ausmaß kommen sehen, doch das war nun egal. Es war meine Nacht. Ich konnte die aufgebrachten Massen hören, die Martinshörner, welche zu hunderten und aberhunderten die Straßen durchstreiften, auf der Suche nach Vermissten, um erste Hilfe zu leisten um frisch gebackene Schwerverbrecher zu verfolgen, nur um sie kurze Zeit später in einer Schießerei zusammen mit dem eigenen Leben zu verlieren. Gebäude brannten, Wälle fielen, Züge und Wagen kollidierten, vielen war es eine Berufung, manchen nur ein Vorbild gewesen. Die Stadt lag in Trümmern, die Menschen im eigenen Blut und Anthony Gracia in den zitternden Armen seiner weinenden Frau. Er wusste, was mit seiner Tochter geschah und war doch ohnmächtig etwas dagegen zu unternehmen. Diese Ohnmacht war es, die sie dazu brachte den Verstand zu verlieren. Sie wussten, was mit ihnen geschah, konnten aber nichts dagegen tun. Und genau das war meine Welt.

Der Batman zuckte unter meiner Berührung zusammen. Er wand sich um, langsam und kraftlos und blickte mir in die Augen. „Sie sind gekommen um mich zu holen.“ Er deutete in die Tiefe auf eine der ausgestorben wirkenden Straßen jener Stadt, welche man im Begriff war zu evakuieren. Eine Sondereinheit, bestehenden aus SWAT-Fahrzeugen und unzähligen Streifenwagen hatte sich vor dem Wolkenkratzer positioniert, dazu bereit, jeden Moment das Gebäude zu stürmen.
„Ich habe es dir immer gesagt...“ Ich griff nach seiner Hand. Eine Gruppe Sondereinheitsmitglieder deutete auf die Stelle, an welcher der Batman stand und passierte den Eingang. „Weshalb bist du gekommen? Wegen der Kleinen? Wegen Gordon? Wegen...mir? Ich grinste schälmisch.
„Ich konnte nicht länger zulassen, dass Menschen wegen mir sterben. Wenn sie mich hier oben finden, werden sie mich dazu bringen, mich zu stellen...dann ist alles vorbei. Ich wollte nur noch einmal...hierher zurückkehren...“
„Das ist dein Problem, siehst du Batsy. Und ich dachte wirklich, du hättest etwas dazu gelernt. Es geht hier nicht um diese Stadt, es ist nicht um deine Fehler, du kannst nichts dagegen tun. Es geht einzig und allein um die Abgründe der menschlichen Natur. Und ich hatte Recht, siehst du...“
Ich strich sanft über das Fledermaus-Signal, welches man vor so langer Zeit zerschlagen hatte, um jeglichen Kontakt mit dem Batman ungeschehen zu machen...
„Es ist vorbei, da hast du Recht. Doch du hast nicht gewonnen. Mein Opfer wird die Menschen wieder dazu bringen, Hoffnung zu schöpfen, an die Gerechtigkeit zu glauben...“
„Hörsz du dich sprechen, Batsy? Ein Krimineller, der sich stellt, sich dazu bekennt, für Chaos und Verzweiflung in dieser Stadt verantwortlich zu sein soll diesen lieben, kleinen Bürgerlein also wirklich wieder Mut machen, ist es das, was du glaubst? Und wenn es nicht aufhört? Was, wenn sich das wie ein nicht enden wollender Nebel der Dunkelheit durch ihr Leben zieht?“
Der Batman hatte offensichtlich weder seine vertraute Kraft, noch die Angriffslustigkeit um mir die Stirn zu bieten. Er stieß mich nicht von sich, er schlug mir nicht hart, er schrie nicht auf, wehrte sich nicht gegen meine Worte. Ich machte einen weiteren Schritt auf ihn zu, war ihm nun so nah, dass unsre Oberkörper sich beinahe berührten.
„Du brauchst mich, Batsy. Du bist nichts ohne mich. Und ich brauche dich. Du machst mich... vollkommen, so wie ich dich vollkommen mache. Du brauchst das hier, richtig...?“ Er schloss die Augen, legte den Kopf zur Seite, blickte ein weiteres Mal hinab zur zeterenden und schreitenden Sondereinheit, welche nun einer nach dem anderen das Gebäude zu stürmen began. Der Regen wurde heftiger, der Sturm heulte in nie gekannter Lautstärke. Die Dunkelheit erreichte ihren Höhepunkt, kein Stern, nicht die dünnste Sichel des Mondes erleuchtete den Nachthimmel. Die Nacht war schwarz...schwarz war die Seele dieser Stadt.

Ich hatte mich auf den Weg gemacht, ihn zu suchen. Gracias Tochter war tot, oder zumindest in einem vergleichbaren Zustand. Seine Instruktionen waren klar gewesen und doch, es kam mir vor, als beriefe mich eine innere Stimme dazu, diesen Weg erneut einzuschlagen. Es war alles so...glasklar. Seine Nähe, seine Gunst, alles, alles würde ich tun, immer, immer würde ich ihm folgen. Und so machte ich mich auf den Weg zum Police Department, denn ich wusste, wo ich ihn finden würde. Dieser Auftrag, alles, alles würde ich tun für ihn, doch noch länger könnte er mich nicht im Ungewissen lassen. Stunden hatte ich mit dieser Göre verbracht, würde ihm nun davon berichten, dass alles seine Richtigkeit hatte, würde den Batman fallen und Mr. J triumphieren sehen...dies war unsre Nacht.


Es war unsre Nacht, das wusste ich genau. Als ich das Dach des Departments erreichte, keuchte ich laut auf, als ich den Batman am anderen Ende der Plattform entdeckte. Unentdeckt suchte ich hinter einem der Lüftungsrohre Schutz. Es hatte mich viel Zeit gekostet diese Entscheidung zu treffen, doch ich würde es tun.

Ich würde die Erste sein, die bei ihm war, in diesen Stunden des Triumphes. Ich würde dabei sein, wenn der Batman seine Maske fallen ließ und ich würde Mr. J zur Seite stehen, wie ich es immer getan hatte...immer. Ich erblickte ihn auf der anderen Seite des Daches, in seiner unmittelbaren Nähe befand sich der Batman. Ich duckte mich, um unsren Triumph unbemerkt auskosten zu können.


Dies war der Moment, auf den ich immer gewartet hatte, ich ließ ihn meinen Triumph spüren, ich wollte, dass er ihn genauso intensiv spüren konnte wie ich, wollte ihn daran teilhaben lassen. „Du und ich, wir sind vom selben Schlag, Batsy. Zwei Ausgestoßene, die nicht töricht genug waren, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Man wird uns noch dankbar sein, oh ja, das wird man. Wir haben ihnen die Augen geöffnet, haben ihnen gezeigt, was sie schon allzu lange wussten. Es ist unser Verdienst, oh ja das ist es.“ Ich machte eine ausschweifende Handbewegung über die tausenden und abertausend Lichter tief unter uns. Bis zum Horizont glitzernde sie wie funkelnde Sterne. Meine Stadt...unsre Stadt. Ich zog sein Gesicht näher an das meine. „Wir beide sind dazu verdammt das hier auf ewig zu machen... und weißt du was? Ich könnte ohne diesen ganzen Spaß nicht leben...“ Er drehte sich nicht weg, sondern sah mir tief in die Augen. Ich umklammerte sein Kinn und zog es näher an mein Gesicht, sodass es meinen Atem spüren konnte. „Sie werde immer den dunklen Ritter in dir sehen, niemand wird es je erfahren." Ich hörte die nahenden Stimmen der Einheit, Martinshörner überall, der Wind berauschte mich, zog mich in den Strudel tiefen Verlangens, als sich unsre Lippen sanft berührten.

Ich hasste mich, ich hasste mich dafür, dass er Recht hatte, er hatte Recht, dieser verdammte, kleine Bastard und doch presste ich meinen Körper fester an den seinen, ich umschloss seine Lippen, erwiderte seine Berührung, tiefe Verachtung, Brutalität lag in unsrer Umklammerung und obwohl sie nur den Bruchteil einer Sekunde andauerte, bereute ich sie so sehr wie ich niemals zuvor etwas im Leben bereut hatte. Nun wusste ich, was Reue, wusste, was Hass war. Ich schloss die Augen und stieß ihn von mir. Ein triumphales Lächeln lag auf seinem Gesicht, seine tiefschwarz umrandeten Augen glitzerten voller Genugtuung, als er hämisch grinsend mit dem Finger über seine rot-geschminkten Lippen fuhr. „Ich würd’s wegwischen, Batsy, nur als Tipp. Man könnte sonst noch behaupten das Make-up des Jokers sei nicht ähm...kussecht.“ Er lachte schallend und verschwand in der Nacht. Ich ließ ihn gewähren, ja ich ließ ihn tatsächlich gewähren. Dann stürzte auch ich mich in die tröstende Umarmung der Dunkelheit.

Ich hatte mich weit nach vorn gelehnt um das Geschehen zu beobachten und tatsächlich konnte ich die Stimme Mr. Js in durch den rauschenden Wind schwach vernehmen. Er würde ihm die Wahrheit sagen, er würde sich stellen, die Fledermaus würde heute Nacht ihren letzten Flug unternehmen... Ich lehnte mich soweit streckte meinen Oberkörper soweit in ihre Richtung, dass mein Versteck kaum noch ausreichte, um meine Anwesenheit zu verleugnen und doch schien mich keiner der beiden zu bemerken. Ich konnte sie lediglich beobachten, observieren beinahe, doch konnte ich nicht vernehmen, was sie miteinander sprachen. Es musste jedocheine ganz besonders spaßige Konversation sein, denn Mr. Js Gesicht hatte sich zu einer belustigten Grimasse verzogen.
Ich hatte für einen Moment den Blick abgewandt, um dem sich nähernden Lärm, welcher aus dem Treppenhaus kam Aufmerksamkeit zu schenken, bevor ich eine plötzliche Bewegung des Batmans wahrnehmen konnte. Ich schrie entsetzt auf. Dank des Windes vernahm niemand das Geräusch, denn nichts, nichts auf dieser Welt konnte verleugnen, was ich in diesem Moment erblickten musste. Ich begann zu zittern, während ich an der Hauswand hinab zu Boden sank. Meine Beine konnten mich nicht mehr tragen, während ich in einer Welle von Bestürzung die Fingernägel in mein geschnundenes Fleisch bohrte. Ich blickte wie gebannt auf das Szenario, welches sich nicht einmal zehn Meter vor mir entfernt abspielte. Das kann nicht sein, das kann nicht sein.
Nein, es gab keinen Zweifel. Mein Mister J, mein Mister J, er würde niemals, mein Mister J, was tut er mit seiner Harley, was tut er mit seiner Harley, was tut er mir seiner Harley? Tränen ronnen meine Wangen hinab, eisige, salzige Tränen. Ich war taub, meine Sicht war vernebelt, die Schultern bleischwer. Das war das Ende, ich spürte mein Herz schwach schlagen, mein tieftrauriges, isoliertes Herz, der Schmerz unerträglich. Was tust du deiner Harley an?


Einige Sekunden nachdem ich erschrocken aufgeschrien, mir dann aber sofort schockiert die Hand vor den Mund gepresst und zu Boden gesunken war, hatte ich Harley entdeckt. Sie befand auf der anderen Seite des Lüftungsschachtes nicht sehr weit entfernt und lehnte an der Hauswand. Ich hatte einen Schrei gehört und war herumgefahren. Ich konnte nicht glauben, was ich sah, ich bedeckte mit der Handfläche meine geröteten Augen und wollte nur noch weg, ich musste laufen, ich musste verschwinden, wie ich seit jeher hatte laufen müssen. Ich konnte nicht bleiben, ich konnte nicht auf Harley warten, ich musste verschwinden. Als ich es gerade zum Treppenansatz geschafft hatte, hörte ich einen erneuten Aufschrei. Ich registrierte ihn kaum, war er doch in solch weiter Ferne und klang sehr plötzlich, abrupt. Als mir das SWAT-Team auf halbem Weg entgegenstürzte, bemerke es mich nicht, so sehr waren sie auf das Ziel in hunderten Metern Höhe fixiert. Ich musste fort...ich hatte Gotham einmal überlebt...würde es mir ein zweites Mal gelingen?

[i]Was tust du deiner Harley an? Was tust du deiner Harley an? Was tust du deiner Harley an?
Tränen flossen zu beiden Seiten meiner Wangen hinab. Ich spürte keine Impulse mehr, kein Fünkchen Leben war mehr in mir. Taubheit. Was tust du deiner Harley an? Mein Körper blutete, meine Arme zerkratzt, zerrissen, tief, unheilbar, die Rattenschwänze gelöst, das ungebändigte Haar wild im Wind flatternd. Langsam schritt ich auf den Abgrund zu, ich hörte Menschen rufen, hörte Hunde bellen, hinter mir, in weiter Ferne, überall um mich herum. Was tust du deiner Harley an? Der Abgrund war schon nah. Mein Körper bebte, Tränen, Tränen, nichts an Tränen, ich fühlte die Stadt unter mir pulsieren, nichts würde mehr sein wie es gewesen war. Lichter, tausende von Lichtern, zogen mich in ihren Strudel um mich schließlich völlig einzuhüllen. Was hast du deiner Harley angetan?[/i]

Epilog
Es war der Himmel, es musste der Himmel sein. Einfach nur dazuliegen und sich am reinen Weiß der Wolken zu erfreuen. Der Duft der Sommerwiese um mich herum betäubte meine Sinne, berauschte sie, ließ mich in eine andere Welt eintauchen. Ich hörte die Weite, den Wind und das Leben, allesamt konnte ich sie beim Namen und ich konnte sie ausmachen, ich war mir sicher, dass sie es waren, die nun über mir hinweg zogen. Die Sinne verschwanden in den perlweißen Wolken, im türkisfarbenen Himmel, zogen fort, ließen mich zurück. Mein Körper war taub voll Glückseligkeit, die Sinne gen Himmel gerichtet, offen für die Unbeschreiblichkeit dieses friedlichen und zugleich tieftraurigen Momentes. Es war lange her gewesen, seit wir Gotham verlassen hatten. Wir hatten uns hier niedergelassen, in Lionelsbourg, einer Kleinstadt mit nicht mehr als zehntausend Einwohnern und doch war sie so erfüllt von Leben, friedlichen Leben. In wenigen Wochen würde das Schuljahr zu Ende und meine Schulzeit vorbei sein, doch bis dahin würde ich jeden Tag auskosten, bis dahin wollte ich jeden verbleibenden Moment genießen. Manchmal dachte ich noch an die alte Zeit zurück, nicht an ihn, sondern an Harley. Arme Harley. Sie hatte sich in einer solch unheilbaren Obsession befunden, dass sie es nicht ertragen konnte die beiden auf dem Dach zu sehen...er hatte sie verraten. Er hatte uns alle verraten. Wohin sie verschwunden waren? Das wusste nur er selbst. Wahrscheinlich stand die Stadt erneut unter seiner verachtungswürdigen Terrorherrschaft, doch ich wünschte Jim Gordon und seinen Kollegen des Rechts, dass sie es ansatzweise geschafft hatten, die Ordnung in Gotham wiederherzustellen, dieses Mal für eine lange Zeit, für immer. Selbst wenn der Joker zu Fall, sein kranker Geist zum Erlöschen gebracht worden wäre, im Moment seines Zerfalls würde ein neues Parasit geboren werden- das war das Schicksal der Stadt, welche von einem selbsternannten, schwarzen Ritter zu Gerechtigkeit und Ordnung erzogen wurde. Ich wusste, in einem Teil von mir würde all dies weiterleben, doch es war fern...es war vorbei.

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